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Da geht noch mehr

Es gibt solche Tage und, Gott sei Dank, auch andere. Die Leute vor dem Gate in Cork knusperten Croissants und tranken ihren ersten Kaffee. »Dit machste jetze mal nich«, dachte ich mir, gib ja gleich was. Im Flugzeug überfiel mich ein spontaner Anfall von Geiz, als ich sah, dass ich mit Air Lingus einen Verfechter des »Was Du willst, kannst Du Dir kaufen.« erwischt hatte. Da sie mit mir einen »Trau keiner Fluglinie in Punkto Essen«-Passagier hatten, kam es zu keinen weiteren Geschäftsanbahnungen.

Die Rucksack-Zusatzkostengeschichte lag mir schon im Magen und so setzte ich das noch als Zusatzpunkt zu den Air Lingus/KLM-Themen in das schwarze Heft. Aber es kam noch viel besser…

Der Sturm, den wir die letzten beiden Tage in Cork hatten, war mittlerweile in Holland und Norddeutschland angekommen. Während er in Cork nur dafür gesorgt hatte, dass mitten in der Nacht die Bad-Abzugsmechanik anfing rumzuklappern und es ein wenig frische Luft gab, hatte sich hierzulande eine gewisse Unruhe in die Flugpläne geschlichen. Die Umsetzung der Pläne war offenbar an den verschiedensten Flughäfen zum Scheitern verurteilt.

Es wurden eine Reihe von Verspätungen und gestrichener Flüge in Amsterdam angezeigt. So auch der nach Hamburg. 75 Minuten Verspätung wurden angezeigt und das veranlasste mich erstmal in Ruhe zu frühstücken. Ich gönnte mir ein frisches Baguette mit Lachs mit frischem Orangensaft und löhnte dafür einen Zehnten des Monatseinkommens eines kambodschanischen Wanderarbeiters. Dann machte ich mich auf den Weg zum Gate, um dort festzustellen, dass man es zwischenzeitlich geändert hatte. Durch nichts mehr zu frustrieren, machte ich mich auf den Rückweg, denn da wo wir jetzt abfliegen sollten, war ich schon mal. Bewegung tut gut, gerade mir.

Nun hatte ich ja schon mal ein Business Class-Ticket erwischt, so konnte ich die Zeit in der Lounge vergammeln. So eine Lounge ist an Tagen wie diesen aber auch nicht das, was sie sein sollte. Überfüllt mit frustrierten Geschäftsreisenden, die sich um zehn Uhr morgens schon den ersten Rotwein reinhelfen. »Gab’s hier früher nicht auch mal Lachshäppchen?« Fragte ich mich im Stillen, denn hier müsste man sich Käse- und Salami-Brötchen selbst schmieren und die Präsentation war nicht gerade KdW-mäßig. Aber die Sessel, wie ich einen ergattern konnte, waren natürlich bequemer. Man könnte auf der Webseite nachschauen, wie es dem eigenen Flug so ergeht. Zwölf Uhr stand da lange Zeit geschrieben. KLM schickte auch SMS mit der Verspätungsmeldung und der Gate-Änderung. Dann gab es um Viertel nach elf Uhr Bewegung auf der Anzeigetafel: 10:45 Uhr stand da plötzlich. »Ähm, was genau, jetzt? Ahh«: 10:45 Uhr erwartet. Ja, was wird erwartet? Die Ankunft? Der Abflug? Horror! Alles zugeklappt, den guten Sessel aufgegeben – es gab immer noch eine Schlange vor dem Lounge-Eingang und ab zum Gate. An der Anzahl der Menschen konnte ich schon sehen, dass hier eine Menge »erwartet« wurde, aber vor allem ein möglicher Abflug.

Jetzt, liebe KLM, geht’s mal zur Sache: Wer hat Euch eigentlich auf die Idee gebracht, diese bek*te Farbe als Firmen-Farbe zu nehmen. Das geht doch gar nicht! Jedes Mal, wenn ich KLM-Mitarbeiter sehe, möchte ich Geld spenden, damit sie sich andere Uniformen beschaffen können. Die müssen doch jedes Mal neidisch auf die Kollegen anderer Fluggesellschaften schauen, was eine Menge Frust erzeugen muss, wo man sich doch fast nur in Amsterdam sicher fühlen kann. Da kann ich verstehen, dass es einen die Sprache verschlägt. Wie Deinen Mitarbeitern, liebe KLM! Warum wird nichts gesagt. Man sitzt da und wartet und wartet und fragt sich, was wohl passiert. Die Leute sind ja nicht nur zum Spaß unterwegs, aber die Informationen, die geliefert werden, sind lausig. Da sitzt man dann schon eine halbe Stunde im Flugzeug und es kommen immer noch Leute reinspaziert. Immerhin zwei Stunden nach der offiziellen Abflugzeit. Eine kleine Information: »Wir warten noch auf drei Passagiere, die aus anderen verspäteten Maschinen kommen. Sie müssten in den nächsten zehn Minuten eintreffen.« So etwas, KLM, nennt man Information. So saßen wir im Flugzeug und die KLM-Stewardessen schauten an uns vorbei, vielleicht weil sie befürchteten, dass sie schicke Uniformträger im Flugzeug entdecken könnten.

Was hat der Spaß mit mir gemacht? Nur Stress. Wir sind um 13:45 Uhr in Hamburg gelandet.

Hui, dazu noch was, liebe KLM. Ich glaube, Eure Piloten müssen die Uniformen nicht tragen. Aber egal. Ich fliege ziemlich häufig nach Hamburg und Hamburg hat ja immer so ein Wetter. Wie schon erwähnt, draußen war Sturm und das merkten wir im Flugzeug auch. Ich mag ja so ein bisschen Achterbahn schon, allerdings nur Vergnügungspark, wo ich davon ausgehe, dass jeder Schrei den man ausstösst, vierhundertmal von einem TÜV-Ingenieur geprüft worden ist, also vollends berechnet ist. Im Flugzeug sitzend bin ich mir ziemlich sicher, dass ich nur hoffen kann, das die Flugzeug-Ingenieure und die Wartung ihre Arbeit gemacht haben. Kommt dann noch so etwas unbändiges und unberechenbares wie ein Sturm dazu, dann … mir geht es in der Regel nicht so gut dabei. Aber diese Landung bei dem Wetter war so butterweich, dass mein Mund sich gar nicht mehr schließen wollte vor Staunen. Großer Respekt!

Okay, zurück zu dem anderen Spaß: Zehn Minuten nach der Landung stand ich am Gepäckband, um mein 15-Euro-Extragebühr-Rucksack abzuholen – hey, Hamburger Flughafen – Du hast jetzt eine Anzeige, auf der steht, wann das Gepäck in etwa kommt – großes Lob, das behalte ich mal im Auge! Hat die Kritik des Swiss-Piloten, der neulich wie ein HB-Männchen neben mir stand, vielleicht doch geholfen? Um 14:05 hatte ich das Gepäck. Um 14:09 stand ich am DB-Automaten und holte mir die Fahrscheine für die Schweiz, die ich brauche, um 14:15 Uhr verließ ich mit dem Auto das Parkhaus und Suite nach Hause. Um 15:10 Uhr war ich zu Hause und habe meine Frau umarmt und geküsst, den Rucksack ausgepackt, eine Waschmaschine wohlgemacht, den Firmen-Rechner gestartet und Emails gecheckt, meine Sachen gepackt, die Katze begutachtet, den Kater gestreichelt und saß um 15:45 Uhr wieder im Auto, um zum Flughafen zu fahren, denn ich musste ja in die Schweiz und so ein Flugzeug wartet ja nicht, wenn es sollte. Wenn, liebe KLM, Du Dir also noch ein wenig mehr Zeit gelassen hättest, wäre der schöne Plan unserer Team-Assistentin einfach so in sich zusammengefallen und ich wäre nicht mehr nach Genf gekommen. Von daher ist Information wichtig. Schaffe einfach andere Uniformen an, dann reden die Flugbegleiter auch wieder mit den Passagieren.

Ist ja alles glatt gegangen, so wie ich nach Hause gefahren bin, bin ich auch wieder zurückgefahren. Lauter Baustellen zur Zeit auf der A7, da macht das nicht so richtig Spaß und dann war da ja noch der Sturm. Ich kam pünktlich am Flughafen an, stellte mich im Parkhaus wieder an die gleiche Stelle, checkte ein und alles war gut.

Wir standen in der Schlange, um das Flugzeug zu besteigen. Ein Germanwings-Flieger landet – man hat die ja jetzt schon ein bisschen mehr im Auge – wie ich durch Fenster 1 sehe. Fenster 2 ist nicht sichtbar, davor steht ein CheckIn-Schalter. Durch Fenster 3 sehe ich, wie die Maschine startet. Ich zweifle kurz an dem, was ich gesehen habe. Aber das Ehepaar vor mir steht auch mit offenem Mund da und als sie anfangen französisch das Gesehene auszuwerten, bin ich mir sicher, dass ich meinen Augen noch trauen kann. Durch Fenster Nummer 1 kommt nun eine EasyJet-Maschine, Fenster 2 wie gehabt die gleiche unglückliche Sicht-Konstellation, aber durch Fenster Nummer 3 sehe ich Sekündchen später, dass die Maschine wieder in der Luft ist und durchstartete.

Sie startete – und das war kurios – in Richtung blauer Himmel. Aber die Verhältnisse in Bodennähe waren wohl ziemlich prekär. (Hier noch einmal spezieller Dank an die KLM-Piloten, die aber dann wohl genug hatten, weil der späte KLM-Flug Richtung Amsterdam war gecancelt worden.)

Das Abheben Richtung Genf ging problemlos von statten, es ruckelte ein wenig – aber da hatte ich ja nun schon Übung drin.

Ein Wort noch zu Genf, welches es schaffte, mich restlos zu begeistern. Nein, nicht weil es dunkel war und regnete. Das kann man überall haben. Es gab im Flughafen – nicht zu groß, aber sichtbar – den Hinweis, dass man sich vor dem Verlassen der Ankunftshalle mit einem kostenlosen Ticket für den öffentlichen Nahverkehr versorgen kann. Das hat sowas von toll geklappt und ist eine so grandiose Idee, dass Du allein dafür schon drei Zusatzpunkte bekommst. Ich habe mich ja erst gefragt, ob hier der Kommunismus ausgebrochen ist, aber der Blick in die Läden von Genf hat mich schnell eines Besseren belehrt.

2016-11-05T07:33:12+00:00 30. März 2015|Categories: Europa, Unterwegs|Tags: , , , , , , , , |Kommentare deaktiviert für Da geht noch mehr