Vor Jahren stand ich morgens mal auf und fühlte mich so, als hätte mich jemand in eine Runde »Blinde Kuh« geschubst und angefangen, mich zu drehen. Nur ohne Augenbinde. Auf den Schreck legte ich mich hin und siehe da, wieder alles gut. Der zweite Versuch, in die Vertikale zu kommen, endete wie der erste. Die Folge-Stationen: Hausarzt, HNO, Neurologe. Es war ein Infekt des Gleichgewichtssinn-Organs. Es zog sich, bis es besser war. Aber es wurde besser.

Vor zwei Wochen ging es schlecht los: Ein Bücken nach vorn. Aha, dachte ich, was ist denn das? Der nächste Tag war nicht so prickelnd und ich zog in Erwägung, den Arzt aufzusuchen. Aber dann fiel mir ein, dass ich sowieso zum Arzt müsste, um Medikamente nachzuordern. Das würde dann auch am nächsten Tag noch reichen.

An dem musste ich nach Hamburg zum Kunden. Ich stand auf und fühlte mich definitiv nicht gut dabei. Ein leichter Schwindel, diffus sage ich immer. Also nicht so, dass sich alles um einen herum dreht, sondern eher ein leichtes Wackeln. Dazu Kopfschmerzen, die sich gewaschen hatten. Aber sollte ich nun dem Kunden absagen, wo doch extra einige Kunden aus Berlin zu dem Treffen nach Hamburg angereist waren. Nein, das ging nicht. Also Zähne durchbeißen und ab nach Hamburg. Den Termin überstand ich einigermaßen und machte mich dann auf den Weg von Hamburg zum Arzt.

Die erste Vermutung? Blutdruck. Ein geeigneter Kandidat ist das bei mir in jedem Fall. »Tun Sie was dagegen!« munterte mich meine Arzt auf, »gehen Sie ins Krankenhaus, wenn es schlechter wird.« Würde es meinem Blutdruck besser gehen, würde höchstwahrscheinlich auch mein Schwindel verschwinden. Tat er nicht.

Heute nun die dritte Station auf meiner Tournee: Der HNO-Arzt. Bei dem war ich am Dienstag schon mal gewesen und habe mir sanften Tadel anhören müssen, warum ich denn die Untersuchungen beim letzten Vorfall vor anderthalb Jahren nicht zu Ende gebracht hätte. Die Untersuchungen sollten nun heute stattfinden. Bei der ersten Untersuchung wurde einem ein Gerät ins Ohr gesteckt, welches Geräusche macht. Man selbst hatte nicht zu tun, musste noch nicht einmal bewusst zuhören. »In zehn Minuten bin ich wieder da«, verabschiedete sich die Schwester, »dann wechseln wir die Seiten. Keine Geräusche, auch keine Selbstgespräche!« Aha! Ich machte mir gerade Gedanken darüber, dass die Industrie viel Geld dafür ausgibt, dass Sachen so klingen, wie sie klingen – nicht zu leise, nicht zu schrecklich -, aber an diese Untersuchungsgeräte hatte man einen solchen Sound-Designer noch nicht gelassen, da hörten die Geräusche auf. Da saß ich und fragte mich, ob ich eine ernsthafte Störung hätte. Warum hörte ich nichts mehr? Zu hohe Töne, zu tiefe – man wird ja nicht jünger und der HNO-Arzt hatte im letzten Jahr gesagt, ich würde gut hören … »für mein Alter.«

Nach zwei Minuten entschied ich, dass das Programm wohl vorbei wäre und ich nur noch warten müsse. Nach weiteren zwei Minuten kam die Arzthelferin und erklärte mir, dass das Programm unterschiedliche Laufzeiten hätte. Das wäre von Patient zu Patient unterschiedlich.

Auch beim zweiten Test machte ich mir gleich meine Gedanken und dachte, das könne man wohl auch angenehmer gestalten. Wäre vielleicht mal eine Idee für eine Kickstarter-Kampagne. Aber die Leue gehen wohl nicht so oft zum HNO-Arzt.

Herumgekommen ist erst einmal nichts und der HNO-Arzt erinnerte mich an die weiteren Untersuchungen. Es gäbe über hundert verschiedene Ursachen für Schwindel. Da wäre noch viel Raum, für weitere Untersuchungen.

Wie tröstlich.