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Was gelernt in Weimar

Am Freitag anreisen und Sonntag Mittag abreisen, so hat man ein Tag in Weimar und die Frage, ob das genug ist, kann man mit gutem Gewissen mit »nein« beantworten. Wir sahen so einiges, aber für ein Museum war keine Zeit mehr.

Die Anreise am Freitag war schon der Horror gewesen. Wir holten noch unser Tantchen aus Ahrensburg ab und hatten dann schon zwei Stunden mit Staus um Hamburg zu tun. Nach einer Stunde war ich schon der Meinung, wenn man eine Tour in eine Stadt mit W. machen möchte, wäre Wismar ja viel naheliegender. Aber die A7 hatte sich an diesem Tag gegen uns verschworen und so brauchten wir fast sieben Stunden bis ins die thüringische Stadt.

Das Hotel lag nicht im Stadtzentrum, wenn man mit sechs Leuten anreist, empfiehlt es sich, zeitig zu buchen. So waren wir in einem Hotel fünf Kilometer entfernt gelandet und das auf den Namen Park Inn getauft wurde. Die Entfernung zur Stadt ist der erste Minus-Punkt. Je nachdem, ob man in der Woche oder am Wochenende dort logiert, fährt ein Bus nur alle Stunde oder alle zwei. Ohne Auto also ein No-Go. Das gastronomische Angebot ist so auf das Hotel beschränkt und das ist zwischen gut und befriedigend einzusortieren. Man macht nichts falsch, das Personal ist super nett, aber so der letzte Kick fehlt halt. Die Zimmer sind groß, von den Betten kann man das nicht sagen. Was ich, ehrlich gesagt, nicht verstehe. Als besonderen Bonbon gab es im Hotel jede Menge Hunde, da eine Ausstellung in der Nähe war. Es war ein Überfall von Hundebesitzern, die sich bei der Reservierung als solche nicht geoutet hatten. So war auch das Personal überrascht. Da waren sehr schöne Hunde drunter, aber halt auch Kläffer – was morgens und abends zu einem Kläffer-Konzert führte.

Wir kamen in die Hotelhalle und Frau Mama und Herr Papa saßen in der Lobby und erwarteten uns. Wobei die Erwartung nicht das Tantchen umfasste, das war eine gelungene Überraschung. Ich wurde, glaube ich, als »Schlingel« bezeichnet und nachdem herauskam, dass das Schwesterchen, welche die Frau Mama und den Herrn Papa in dem Großraum Weimar chauffiert hatte, in dieses Komplott eingeweiht war, als »Luder«. Da wir nach neun Uhr ankamen, gab es das Abendmahl in der hoteleigenen Küche. Meine Meinung dazu hatte ich schon geäußert.

Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es am Samstag nach Weimar. Um zehn Uhr gibt es eine offene Stadtführung, aber die Kombination aus einem Trio von Senioren in der Gruppe (die es zusammen auf 238 Jahre aktuell kommen), einer Entfernung von zwei Kilometern vom Parkplatz zum Startpunkt und verbleibende zehn Minuten, machten eine Teilnahme unmöglich. Gegen halb zwölf waren wir an der Touristeninformation und wussten da schon, dass wir nicht durch die Stadt gehen würden. Wir würden fürstlich mit einem Cabrio-Bus durch die Gegend gefahren werden. Allerdings erst um halb ein Uhr. Die Tickets dafür gab es in der Touristeninformation und kosteten 15 Euro. Die Zeit überbrückten wir mit einer Inaugenscheinnahme des Goethe-Nationalmuseums und eigenem Kaltgetränk. Um es schon vorwegzunehmen: Eine Besichtigung des Museums fand nicht statt. Da fand sich besseres…

Dann gab es das erste Drama: Es regnete in Strömen kurz bevor der Bus vorfuhr. Das Cabrio-Feeling konnten wir schon mal streichen. Wir kamen einfach nicht in den Bus, da wir zu brav waren, aber waren als Vorvorletzte in dem Bus drin. Dann kamen noch zwei mit Karten und für die war kein Platz mehr. Man wunderte sich, wie es denn sein könne, dass zu viel Karten verkauft worden wäre, und was man denn jetzt tun könne. Es gab Diskussionen in die eine Richtung, Diskussionen in die andere Richtung, bis sich ein Herr in der ersten Reihe meldete und verkündete, seine Partnerin und er hätten keine Karten.

Wer jetzt glaubt, damit wäre das Problem gelöst gewesen, sah sich getäuscht: Er hätte gelesen, man könne die Karten in der Touristeninformation und im Bus erwerben, und er hätte sich entschlossen, sie im Bus zu erwerben, deshalb würden sie jetzt den Bus auch nicht verlassen. Es wäre nicht deutlich gemacht worden, dass es beim Busfahrer nur Restplätze geben würde. Solch eine Verteidigungslinie kann man fahren, aber sie führt, wenn man einer Horde von Ticket-Besitzern gegenübersteht bzw. -sitzt nicht zum Erfolg. Der Busfahrer war nun ein Netter, der es sich mit niemanden verderben wollte. Langsam ging ihm aber auf, dass er damit an diesem Tag nicht durchkommen würde. Nachdem sich schon Protestrufe von wegen »Wir sind das Volk« und »Nieder mit den Bonzen« erklangen … nein, eine Nummer kleiner war es schon: »Wir wollen losfahren!« hieß es und der Busfahrer nett darum bat, dass nicht Ticket-Besitzer den Bus bitte zu verlassen hätte, passierte das auch. Zehn Minuten hatte das Pärchen durchgehalten. Was sie daran gehindert hatte, zur Tourist-Information zu gehen, und sich Karten zu besorgen (30 Meter entfernt war sie nämlich), erschließt sich mir nicht. Was den Busfahrer veranlasst hat, nicht einfach zu sagen: »In dem Bus fahren nur Gäste mit Fahrkarten und ihnen verkaufe ich keine.«, weiß ich auch nicht. Wäre der einfachste Weg gewesen. Aber das ist mir auch erst später eingefallen.

Die Tour war sehr schön und interessant gemacht. Die Anekdoten, die der Busfahrer bzw. Reiseführer zusätzlich erzählte, waren auch schön und interessant. An der Ilm zog sich ein schöner Park, den ich mir gern mal in Ruhe anschauen würde, und es gab ein Neubau-Viertel im Bauhaus-Stil, das auch sehr schön gewesen war. Die Stadt ist über die Geburts- und Sterbehäuser diverser deutscher Herrschaften hinaus ziemlich interessant und schön.

Wir gingen nach der Tour erst einmal was Essen – im »Schwarzen Bären«. Hier stärkten wir uns an original thüringischer Kost im wohl ältesten Restaurant der Stadt. Das Tantchen bestand drauf, nach dem Essen noch ein Eisbecher zu essen. Unmittelbar darauf und natürlich nicht den Kleinsten, das verstand sich, und ich beglückwünschte mich zu der Entscheidung, nur Salat mit Pfifferlingen zum Mittag gehabt zu haben.

Bei der Tour durch die Stadt wurde immer wieder das Sommerschloss »Belvedere« erwähnt und gepriesen. Wir machten uns also auf den Weg dorthin, aber per Auto. Es gab nur ein kleines Hindernis und das nannte sich Regen. Es schüttete jetzt nämlich richtig und wir mussten quer durch die Stadt, um unsere Autos abzuholen. Standesgemäß holten wir die Herrschaften am Goethe-Platz ab und chauffierten sie zum Sommerschloss.

Wenn jetzt an der Stelle noch einmal gefragt wird, was mir an Weimar am Besten gefallen hat, lautet die Antwort: das Belvedere. Schön gelegen und gegen Abend, bei dann wieder schönem Wetter, gar nicht überlaufen. Unser Besuch wurde von Piano-Klängen aus dem Konservatorium untermalt, was dem ganzen einen wirklich edlen Touch gab. Wir waren gar nicht weiter im Schloss drin, wir hatten mit dem Park und den Gebäuden genug Freude.

Belvedere

Nach einem kleine Ruhe-Intermezzo im Hotel (ganz so ruhig war es Dank der befellten Freunde in dem Hotel nicht), wurde zum Essen-Fassen gerufen. Ich will hier niemanden mit der Liste von Restaurants behelligen, in denen wir keinen Platz mehr fanden, aber die dringende Empfehlung aussprechen, dass man in einer größeren Gruppe (und sechs Mann gehören da wohl schon zu), sich vorher Gedanken darüber macht und reserviert. Wir bekamen noch Platz im »Siechenbräu« – urige Atmosphäre, thüringische Kost und nette Bedienung. Der Herr Papa legte es noch darauf an, uns unbeliebt zu machen, in dem er fragte, ob die Klösse – die er noch nicht einmal hatte, sondern ich – auch wirklich selbstgemacht wären, aber zum Ende hin, mochten sie uns wohl wieder.

Die beste Ehefrau der Welt sah mit mir dann in der Bar noch, wie Ronaldo seinen Elfmeter verschoss, dann ging es zu Bett und es folgte ein langer, ruhiger Schlaf – bis die ersten Hunde anfingen zu bellen.

2016-11-05T07:29:15+00:00 19. Juni 2016|Categories: Deutschland, Unterwegs|Tags: , , |Kommentare deaktiviert für Was gelernt in Weimar