Ganz, ganz schlechte Nachricht - ohne JavaScript werden wir hier nichts...

Der Informationsgehalt eines Namen

Manchmal sind Namen wichtig. Ein Beispiel: „Martha hat sich ein Eis gekauft und Lutz hat es ihr aus der Hand geschlagen.“ Was sagt uns das? Ein Junge hat einem Mädchen das Eis aus der Hand geschlagen. Sollte das später in der Geschichte noch mal passieren, dass Martha schon wieder Unrecht widerfahren ist oder Lutz es schon wieder getan hat. Es gibt uns Anhaltspunkte, um zu verstehen und Personalpronomen sind zwar ganz nett, aber doch nicht eindeutig.

Sprung. Großer Sprung.

Was die Nennung des Familiennamens des Co‐Piloten des Germanwing‐Fluges 4U9525 bringen soll, mag sich mir ganz und gar nicht erschließen. Die Nennung bringt überhaupt keinen Erkenntnisgewinn. Ich verstehe dadurch die Tat nicht besser und ich kannte den Co‐Piloten nicht. Vielleicht bin ich mal mit ihm geflogen, aber ich hatte gestern auch einen Flug und konnte mich schon kurz nach der Piloten‐Ansage nicht mehr an deren Namen erinnern.

Der SPIEGEL und seine Online‐Devision nennen Namen und erklären es so:

Der Pressekodex fordert für eine identifizierende Berichterstattung, es müsse »eine außergewöhnlich schwere oder in ihrer Art und Dimension besondere Straftat« vorliegen. Diese Voraussetzung sehen wir erfüllt.

Das finde ich, mit Verlaub, vermessen. Denn zum Einen ist es nicht an der Presse, zu entscheiden, ob und was wie als Straftat zu werten ist. Dafür haben wir meines Wissens doch immer noch Gerichte. (Wie grandios man damals daneben lag, lässt sich an dem Fall unseres ehemaligen Bundespräsidenten nachvollziehen.) Auch wenn es hundert Beweise und Indizien gibt, das Richten ist nicht eure Aufgabe, liebe Presse. Ihr habt es immer mal wieder versucht und daneben gelegen. Leben und Karrieren wurden auf diese Art kaputt gemacht.

Außerdem würde ich zu bedenken geben, dass es den Aspekt der Schuldunfähigkeit gibt. Sollte man dies nicht zumindest in Erwägung ziehen, zumal ja gleichzeitig ausführlich über Krankheit, Krankschreibungen und Krankenakten wild spekuliert? Es wäre ja wohl nicht rechtens einen Kranken bloß zu stellen, oder? (Ich kenne mich da nicht aus, aber wer ein Flugzeug mit über 150 Menschen an einen Fels steuert und weiß, dass die Überlebenschancen für alle im Flugzeug stark gegen null gehen, der ist wohl nicht ganz beieinander.)

Es bringt den Medien‐Konsumenten überhaupt keinen Mehrwert, den Namen zu wissen. Es dient nur der Befriedigung der allgemeiner Sensationsgier. Der Co‐Pilot ist tot, den stört die Nennung des Namens sicher nicht mehr. Ganz anders sieht es mit den Verwandten aus. Denen wird das Leben, das schwer genug sein dürfte, noch viel schwerer gemacht. Haben sie nicht schon genug Last damit, dass sie einen Menschen verloren haben? Wird es nicht schon schwerer durch den Verdacht gemacht, dass es einer der ihren ist, der (eine Art) Verantwortung dafür trägt? Muss man sie, die überhaupt keine Schuld daran tragen, mit der Nennung des Namen noch in den Vordergrund stellen?

Es werden Bilder von irgendwelchen Facebook‐Seiten geladen und veröffentlicht. Die gleiche Klientel, die wie wild ein Leistungsschutzrecht eingefordert hat und hat durchsetzen lassen, um ihre „Leistungen“ honoriert zu sehen, kümmern sich um das Urheberrecht in solchen Fällen einen Dreck, vom Persönlichkeitsrechten mal völlig abgesehen.

Aber, pah!, da werden sich keine Gedanken drüber gemacht. Weil es ihnen egal ist und sie sowieso schon wieder die nächste Sau durch’s Dorf treiben.

2015-04-03T12:57:50+00:003. April 2015|Categories: Meinung|Kommentare deaktiviert für Der Informationsgehalt eines Namen