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Asche auf’s Haupt

Manchmal hört man Jemanden was absolut Dummes hören und denkt so: „Das muss ich heute Abend zu Hause erzählen“ … und macht das dann auch. Wir haben das am Sonnabend in Quedlinburg wohl auch geschafft.

Aber es begann schon am Vorabend:
„Schnuckel, lass und früh aufstehen.“
„Nein, ich will auch mal ausschlafen.“
„Wir wollen aber zum Brocken.“
„Aber wir haben Urlaub.“

Also kein frühes Aufstehen, aber immerhin waren wir um kurz nach zehn Uhr schon am Bahnhof. Denn das war der Plan: Auf den höchsten norddeutschen Berg wollten wir. Und dann runtergucken. Was auch sonst.

„Wir möchten gern nach Thale. Geht das mit unserem Bonus-Heft.“
„Ja, wenn sie den Bus nehmen.“
„Schön. Und wie kommen wir dann weiter zum Brocken?“
„Sie wollen zum Brocken? Über Thale?“
Das war der Plan.
„Nicht über Thale?“
„Nein“, meinte die Bahn-Angestellte. „Über Wernigerode.“
Nun ja, wenn mich meine trüben Augen nicht täuschten, gab es da doch eine Verbindung auf dem Plan. Aber, erklärte man uns, das wäre keine gute Verbindung. Lieber mit dem Bus bis nach Wernigerode und dann mit der Brocken-Bahn nach oben. Das würden wir schaffen und hätten noch ein wenig Zeit. Als sie uns dann die Zeiten nannte, klang das gar nicht mehr so attraktiv.
„Dann können wir auch mit dem Auto fahren“, meinte Susann. „Wie lang braucht das?“
„Halbe Stunde“, gaben sowohl die Bahnangestellte wie auch ich an.
„Dann fahren wir mit dem Auto.“
Gut. Haben wir dann gemacht. Ich möchte aber nicht wissen, was die Dame am Abend zu Hause erzählt hat: „Da wollte dieses Paar von Quedlinburg über Thale nach Wernigerode. Puh, kannst Du Dir das vorstellen?“ Und schüttelt sich vor Lachen…

Die Fahrt auf den Brocken und zurück kostet 37 Euro (Stand April 2015) pro Nase. Das ist mal einen Happen Geld. Wir bekamen Zug wie Sitzplätze und machten uns dann auf den Weg. Den Sitzplatz habe ich auf dem Hinweg nicht gebraucht, denn ich stand die meiste Zeit auf der Plattform und haben geguckt und fotografiert. Es gab, das ist für Flachländer wie mich natürlich immer erstaunlich, sogar noch Schnee. Könnte sein, dass ich mehr Schnee auf dem Brocken gesehen habe, als den ganzen letzten Winter. So recht kann ich mich an den Winter nicht mehr erinnern, nur noch dass ich Winterreifen auf dem Auto habe. Anderes Thema.

Neben den Gleisen waren immer wieder Leute zu sehen, die begeistert die Dampflock fotografierten. An den Schranken und Wanderwegen hatte ich das auch erwartet, schließlich ist so eine alte Dampflok ja eine Attraktion. Es war aber einige Leute auch sehr abseitig unterwegs, wo man sich fragte, wie sie da wohl hingekommen sind.

Wir mussten einmal Umsteigen und ich hatte nun gelernt, dass es gut ist, sich auf den vorderen Teil des Wagens zu stellen. Das hatte den Vorteil, dass man mehr von der Lok sah und sich nicht so weit rauslehnen musste. Es hatte allerdings auch den Nachteil, dass man eingeascht wurde, von dem Dampf. So lang man geradeaus guckte, ging es noch. Drehte man sich jedoch zur Seite, verschwand mein natürlicher Schutz – die Brille – und man hatte das Zeug in den Augen. Also mein Tipp: In die vordere Plattform des Wagens ziemlich weit hinten im Zug. Beim nächsten Mal weiß ich Bescheid.

Am Berg stockte es etwas. Der Zug vor uns wollte wohl nicht mehr so richtig und so nutzte man dann unsere Lok, um den anderen Zug auf den Brocken zu schieben. Kalt war es, das hatte Susann schon die ganze Zeit befürchtet, und so machten wir uns auf den Weg auf den höchsten Platz auf dem Brocken – eine Aussichtsplattform – und dann aß ich die schrecklichste Waffel in meinem ganzen Leben und trank einen leckeren Kakao mit Eierlikör. Entsprechend durchgewärmt machten wir uns wieder auf den Weg nach unten, guckten noch ein wenig in „echt“ in die Umgebung, genossen den Ausblick und machten die obligatorischen Fotos. Dann marschierten wir zum Bahnhof, wo die Lok noch repariert wurde.

Die Waggons waren nun andere – älter, stilvoller und wir setzen uns einfach mal ein rein. Es war ja noch Platz. Von unten kam eine Ersatzlok angedampft und machte sich kurze Zeit später daran, den Mini-Zug Richtung Tal zu schleppen. Irgendwann kam die Schaffnerin und teilte uns nebenbei mit, dass wir im falschen Zug säßen, das wäre ein Sonderzug. Aber ihr war’s egal und uns auch, und so genossen wir die Atmosphäre in dem alten, kuschligen Zug.

Von Wernigerode fuhren wir die Strecke noch mal rauf und machten dann eine Fahrt quer durch den Harz. Zu meinem endlosen Vergnügen gab es noch einen Wasserfall (siehe hier) und dann aßen wir an der Roßtrappe zu Abend. Zu dieser selbst marschierten wir nicht mehr, da es schon ziemlich dunkel wurde. Schweinebraten und Schwarzwurzeln hatte ich in einem Restaurant noch nie. Dort wurden sie sogar mit dort mit brauner Butter serviert, was zumindest theoretisch schwer mit dem Brocken als Höhepunkt konkurrierte.

2016-11-05T07:32:58+00:00 21. April 2015|Categories: Deutschland|Tags: , , , , , , |Kommentare deaktiviert für Asche auf’s Haupt