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#MeToo im Kurpark

Wir waren gerade angekommen in Franzensbad und genehmigten uns ein verspätetes Mittagessen, als neben uns auf dem Rasen die Post abging. Ein Entenweibchen hatte die fatale Entscheidung getroffen, an Land zu fliegen und alle Junggesellen, sahen sie als Beute. Das erste Mal in meinem Leben, habe ich einen Eindruck einer Gruppen‐Vergewaltigung gewinnen können. Fünf Erpel stürzten sich auf das Weibchen und jeder versuchte, auf seine Kosten zu kommen.

Die Beste aller Ehefrauen versuchte einzugreifen, ich hielt sie aber mit dem Verweis auf »So ist die Natur« ab, ohne sie daran zu erinnern, dass in ihren geliebten Tierfilmen, die Kameraleute auch keine Versuche unternehmen, die arme kleine Baby‐Antilope vor dem Löwen zu retten. Eine andere Besucherin ließ sich erweichen und brachte ihren Hund in Stellung, was die Erpel von ihrem Vorhaben abbrachte, der Enten‐Dame aber vielleicht auch eine Schock verpasste.

Wir sind heute zeitig aufgestanden und haben gefrühstückt. Bei schönstem Wetter sind wir dann von Geisa mit offenem Verdeck in Richtung Franzensbad aufgebrochen. Bundesstraßen und Autobahnen haben wir gemieden. So waren wir dann statt drei Stunden auch vier einhalb unterwegs. Jedes einzelne Dorf und Städtchen auf unserem Weg hat sich gelohnt zu durchfahren. Insbesondere gilt das für die Örtchen im Rhön‐Naturpark bis hin nach Meiningen. Gerade Letzteres hat mir sehr gut gefallen. Wir sind zwar nur durchgefahren, aber der Ort hat sich auf die Liste der zu besuchenden Orte qualifiziert. Schon weil wir kurz vor Meiningen mit der Fragestellung stehen geblieben waren: »Schau mal, das ist aber eine hübsche Burg!« und wenige Augenblick diese auf Nimmer‐Wieder‐Sehen verschwunden war.

Ständig wurden wir auf der Tour an die Grenzöffnung 1989 erinnert. Das war ein wenig kontraproduktiv, da sich die Beste aller Ehefrauen morgens immer mit Sonnencreme eincremt, was unter gesundheitlichen Aspekten, soweit man weiß, gut ist, allerdings zur Folge hat, dass ihr vor Rührung immer Tränen zu kommen scheinen, womit die Sonnencreme in ihre Augen gerät, was üble Brennerei zur Folge hat. Wenn man als von Thüringen nach Hessen einführt, kurz darauf von Hessen wieder nach Thüringen und nicht kurz darauf von Thüringen nach Bayern, kann man erahnen, was für ein emotionales Sonnencreme‐Desaster ich neben mir zu sitzen hatte. Natürlich hatte ich keine Taschentücher griffbereit!

Als ich gestern darüber nachsinnierte, wie denn die Tour aussehen könne, und dieses auch artikulierte, meinte die Beste aller Ehefrauen, das wäre eine gute Idee für ein Snack unterwegs. Ich dachte eigentlich mehr an das Kulturelle. Aber das war gestern gewesen, heute dachte ich um die Mittagszeit, nachdem wir schon ein wenig wunderschöne Landschaften hinter uns hatten, auch an kulinarische Aspekte. Wir hatten Pech – denn es war Muttertag und alle kutschierten ihre Muttis in die Restaurants, die auf unserem Weg lagen. Wo wir auch heranfuhren, entweder hatten die Restaurants zu (dann aber schon länger) oder sie waren hoffnungslos überfüllt.

So waren wir dann zeitig in Franzensbad und nahmen unser Hotelzimmer im »Harvey« in Beschlag. Ein schönes ruhiges Hotel, in dem wir nicht nur ein genial großes Zimmer bewohnen. Unser Zimmer geht, wie vermutlich alle anderen auch, in Richtung Park heraus und wir hören nun das Vogelgezwitscher und das Schreien der missbrauchten Enten.

Wir stiefelten durch den Kurpark. Eigentlich war mein Vorhaben gewesen, häufig zu sagen: »Schau mal, wir sind hier die Jüngsten!«, was uns nicht mehr oft gegeben ist. Allerdings war zumindest heute Nachmittag die Klientel sehr durchmischt. Ich vermute, dass die jüngeren Leute ihre Großeltern und Tanten besucht haben, die hier kuren. Das soll ja manchmal einen positiven Einfluss auf Erbschaftsangelegenheiten haben. Wir waren also nicht die Jüngsten.

Ich bin hier vor Jahren schon mal gewesen und finde das Ensemble von Franzensbad immer noch reizend. Wir marschierten durch den Kurpark und sahen uns die Quellen an. Natürlich musste ich probieren, während die Beste aller Ehefrauen angewidert von dem Ambiente des Quell‐Equipments war und sich weigerte, etwas für ihre Gesundheit zu tun. Erst bei der dritten Quelle nahm sie auch mal ein Schluck und fand es recht schmackhaft. Wir kommen noch auf unsere Kosten hier und kehren jung und frisch wieder zurück.

Zum Essen waren wir im Restaurant «Goethe«, das sich im Kasino‐Gebäude von Franzensbad befindet. Die Preise sind moderat, das Essen ist gut und die Bedienung ist korrekt. Das trifft es wohl am Ehesten. Weder ist das Personal enthusiastisch, was die Gäste angeht, noch sind die Gäste enthusiastisch, was das Essen und die Bedienung angeht. Wir haben noch Glück, dass uns eine Kellnerin übernahm, die auch bereit zu einem Wortwechsel mit uns war. Der Kellner, den uns auch bediente, war desinteressiert an seinem Job. Anders kann ich es nicht bezeichnen, wenn ich sehe, dass jemand sich entweder mit seinem Smartphone beschäftigt oder den Kopf auf dem Tresen ablegt.

Manchmal habe ich den Eindruck, ich bin zu verwöhnt. Aber das überlege ich mir das noch mal kurz, justiere alles ein wenig und denke dann, nein, bin ich nicht.

Nach 19 Uhr ist das Städtchen übrigens tot.

Technik darf ja nicht zu kurz kommen: Von daher habe ich unseren Fire Stick mitgenommen und hier im Hotel am Fernseher installiert. Nun können wir auch Amazon Prime und Netflix am Abend schauen. Funktionieren tut das hier im Netz, was schon mal fantastisch ist. Wie man sieht, haben wir aber anderes zu tun, als Serien zu streamen.

Morgen wird das Wetter noch mal schön, bevor es sich verschlechtern wird. Hoffen wir mal das Beste und vielleicht überlegt sich das Wetter ja noch mal, so dass es auch am Dienstag schön wird.

2018-05-16T21:06:33+00:0013. Mai 2018|Categories: Tschechien 2018|Tags: , , , |0 Comments