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Von oben herab

Wie gestern schon geschrieben, hat es uns jetzt nach Toronto verschlagen. Das Hotel liegt direkt an der Airport Road. Die Befürchtungen, dass sich damit Fluglärm verbinden würde, haben sich schnell zerschlagen. Der Flughafen ist ein Stückchen weit entfernt und die Einflugschneise führt nicht über unser Hotel. Wäre aber auch egal, da man diesen dank des Straßenlärms sowieso nicht hören würde.

Wir hatten eigentlich vorgehabt mit dem Zug in die Stadt zu fahren. Da wir aber etwas außerhalb wohnen, ist der Anschluss am Vormittag nicht ganz so prickelnd. Unser Zug war zwanzig Minuten weg und der nächste sollte erst zwei Stunden später fahren. Da nahmen wir doch lieber das Auto. Das Parken in der Stadt war, wieder Erwarten, günstig. Wir haben für einen ganzen Tag 9 Kanada-Dollar bezahlt. Da sind wir Schlimmeres gewohnt.

Susann hat ein enormes Sicherheitsbedürfnis. Dafür kann ich gleich zwei Beispiele geben: Die Türen hier im Hotel gleichen Festungen, die man nur mit der Chip-Karte knacken kann oder vielleicht ein wenig Sprengstoff. McGyver würde sich schon die Zähne daran ausbeißen, wenn er nicht gerade ein wenig Cola, eine Haarnadel und eine Zündkerze dabei hätte. Aber sei es drum. Der Riegel, dass die Tür sich nicht ganz öffnet, wird trotzdem noch vorgeschoben. Was ich beim Öffnen der Türe natürlich gern vergesse. Den, ja wie nennt man die Teile, ich sage einfach mal, den Umdreher, den lässt sie aber auf Open stehen.

Es hat mich enorm gewundert, dass Susann so gern auf den CN Tower wollte und dabei auch meinte, man müsse unbedingt das Glas Floor Deck betrachten, in den man durch zwei Glasscheiben nach unten schauen darf. Ganz ehrlich: Davor stehen und runter gucken geht gerade noch. Aber auf die Glasscheiben gehen, dafür gehört schon ein wenig Überwindung. Da hilft es auch nicht, dass man weiß, dass es sich um Panzerglas handelt, auf dem man rumspringen kann. Ein komisches Gefühl hatte ich doch.

Aber da man für seine zwanzig kanadischen Dollar auch ein wenig Thrill haben möchte, habe ich mich dann doch darauf gewagt. Sogar Susann wagte das Abenteuer, aber nur mit mir zusammen. Schnell musste es auch gehen. Fotos davon, wie sie sich auf den Glasplatten flegelt, gibt es nicht. Was sie auch nicht wusste, und ich bis vor wenigen Augenblicken auch nicht, dass der komplette Flur mit Glasplatten bedeckt ist, die man nur nicht sieht, da sie mit Teppichboden bedeckt sind. (Man lese sich den Wikipedia-Artikel dazu durch.) Ihrer spontaner Kommentar zu dieser Offenbarung: »Gut, dass ich es nicht wusste.«

Nach einem wohlverdienten Snack im Café auf dem Tower machten wir uns auf den Weg durch Toronto. Wir sahen viel Modernes, gerade im Finance District. Auch interessante Mischungen waren mit dabei. Wir sind durch das Universitäts-Viertel marschiert, so es interessante Mischungen aus alter und moderner Architektur gab. Überraschend auch für eine Zweieinhalb-Millionen-Stadt: Es gab dreispurige Straßen, auf denen kein Auto zu sehen war (Es gab aber auch dreispurige Straßen, die haben wir dann mit dem Auto benutzt hatten, der hätten selbst sechs Spuren nicht zu flüssigem Verkehr verholfen.) und ziemlich viel Grün. Das finde ich an Großstädten immer wieder faszinierend, wie grün sie sind. Das sahen wir alles auf dem Weg zum Casa Loma, einem Schloss, dass sich ein kanadischer Industrieller errichtet hat, und welches mit seinen verschiedenen Stilen europäischer Architektur ein Anziehungspunkt in der Stadt ist. Die sechszehn Dollar Eintritt in das Gebäude haben wir uns dann aber gespart. Als alter Potsdamer bin ich an Schlössern einiges gewöhnt und muss nicht mehr jedes von innen sehen.

Fußlahm kehrten wie ins Hotel zurück und aßen dann hier bei einer lokalen Kette. Nein, es war wirklich nichts Besonderes. Irgendwann gehen einem die Fritten ja doch auf den Geist. Wobei ich noch anmerken muss, dass die Fritten auf dem CN Tower aus Süßkartoffeln bestanden und in rötlicher Farbe daherkamen. Aber die 08/15-Fritte hat mich noch nie so besonders gelockt, und tut es jetzt noch weniger.

Wir dachten daran, den Abend bei Wal Mart zu beschließen. Susann brauchte noch eine Bürste und ich hätte so manches eingepackt. Aber als wir an der Kasse ankamen, lagen die Bürste im Wagen und einmal Werthers Echte. Die Schlangen waren aber lang und so schlug ich vor, den Wagen einfach stehen zu lassen. Wegen Bonbons, die nicht lebensnotwendig sind und einer Bürste, die sich auch morgen noch kaufen lässt, stelle ich mich nicht zwischen zehn und fünfzehn Minuten an einer Kasse an. Bei Wal Mart, bei denen die Schuhabteilung übrigens aussah, als wäre da ein Tornado durchgerast, dabei waren es wahrscheinlich nur Horden von Frauen, feierte ich diese Premiere. Ich ließ einen Einkaufswagen verweisen.

Nachdem wir gestern durch das Weinanbaugebiet von Ontario gefahren sind, hatten wir noch ins Auge gefasst, kanadischen Wein zu kaufen. Um die Ecke war hier ein Beer Store. Da solche Namen manchmal gewisse Freiheiten aufweisen, dachten wir uns, dass die vielleicht auch andere Produkte anbieten. Aber es war ein Laden, in dem es wirklich nur Bier gab. So gingen wir aus dem Laden mit einer Dose Bier, kanadisches Bier. Ergebnis der Verkostung der Dose Molson Canadian: leicht und süß.

2007-05-23T03:39:00+00:0023. Mai 2007|Categories: Unterwegs, USA 2007|Tags: , |Kommentare deaktiviert für Von oben herab