Ganz, ganz schlechte Nachricht - ohne JavaScript werden wir hier nichts...

Husch

Als ich vor zehn Jahren aufs Land zog, hatte ich ja noch keine Ahnung, was mich so erwartet. Ich saß eines Abends auf meiner Couch, genoss ein Glas Wein und dann sah ich etwas das Wohnzimmer entlang huschen. Nun hatte ich damals Farbratten, aber die haben einen eher hoppeligen Gang und hatten es auch nie so eilig, wie das, was da lang huschte. Zuviel Wein, dachte ich mir, jetzt fängst du schon an, Mäuse zu sehen. Dabei hatte ich soviel gar nicht.

Einige Abend später, gleiche Situation, nur ohne Wein. Da wusste ich, mit mir wohnen Mäuse zusammen. Zumindest eine. Nicht, dass sie viel zu lachen gehabt hätten: Ratten sind gar nicht gut auf Mäuse zu sprechen. Wenn man mal von meinem er gemütlichen Aki absah, der die Maus innerhalb seines Käfigs jagte (Futterverteidigung), aber außerhalb dessen kein Revier‐Denken pflegte. So musste ich mich mit der Maus beschäftigen. Worauf ich hinaus will: Als ich vor zwei Abenden ins Hotelzimmer kam, das Licht anmachte, meine Sachen abstellte und mich dann nochmal zur Tür umdrehte, da sah ich dort eine Maus entlang huschen. Ich sah nur wie es sich bewegte, aber dank zweier mäusejagenden Katzen weiß ich mittlerweile umso genauer, was es mit Mäusen auf sich hat.

Gestern kam Dianne, eine Kollegin heran, und fragte mich, ob wir in Deutschland Thanksgiving hätten. Ich überlegte kurz: Es gibt Erntedankfeste, aber so richtig Thanksgiving wie hier in den USA? Nein, haben wir nicht. Und so viel auch meine Antwort aus. Wie, kein Thanksgiving, fragte Brenda (Mitarbeiterin des Hauses) zurück. Nein, haben wir nicht. Kein Truthahn? Es klang erstaunt. Nein, kein Truthahn. Es ist kein Feiertag. Damit gab man sich nicht zufrieden. Kein Late‐Night‐Shopping? Die Antwort darauf war auch klar: Nein, sowas haben wir an Thanksgiving nicht. Wir haben ja auch kein Thanksgiving.

Will man einen Amerikaner in Erstaunen versetzen, fügt man einfach noch hinzu: Man kann bei uns auch Sonntags nicht einkaufen und die meisten Geschäften haben spätestens um acht Uhr zu. Das musste erst einmal verdaut werden. Wann kaufen die Leute dann den ein? Was antwortet man denn darauf? Zwischen Arbeitsende und Geschäftsschluss. Man sah, dass das einfach unvorstellbar war. Und Sonntags kann man auch nicht einkaufen Mittlerweile haben wir in Deutschland schon ein paar Ausnahmen, aber in der Regel geht das nicht. So sagte ich es auch. Was macht ihr denn dann Sonntags? Eine gute Frage…

Mike (ebenfalls Mitarbeiter des Hauses) war schon einmal in Deutschland und konnte noch einige Sachen beitragen, die zur allgemeinen Verwunderung beitrugen: Man darf auf Autobahnen nicht rechts überholen. Dafür hat man keine Geschwindigkeitsbegrenzung und die Deutschen fahren wie die Henker. Will man zur Mittagszeit einkaufen, weil man gerade Pause hat, so hat das auch seine Tücken: Viele Geschäfte haben zwischen eins und drei einfach zu. Allgemeine Übereinstimmung: Einfach unglaublich.

Immerhin, so hatte mir Mike schon vor ein paar Tagen gesagt, fand er es sehr angenehm, in einem Restaurant sitzen zu können und nach dem Essen nicht sofort die Rechnung zu bekommen. Oder einfach in ein Restaurant gehen zu können und nur ein Bier zu trinken. Und überhaupt: das Bier in Deutschland…

Sonntag waren wir vormittags bei Walmart und haben dort nach der obligatorischen Wii‐Station für Arnd gesucht (die er, ich weiß nicht, ob ich es schon erwähnte, mittlerweile online gekauft hat). Eine Frau fuhr mit ihrem Einkaufswagen an uns vorbei, blieb stehen und fragte: Seid ihr aus Deutschland., auf deutsch, wenn auch gebrochen. Oh ja, sind wir, sagten wir. Das erfreute die Lady gar sehr, und sie erzählte uns, dass sie auch aus Deutschland käme, aus Nürnberg, aber schon lange fort sei.

Es ist schon überraschend: Ich habe den Eindruck, die Deutschen werden hier sehr gemocht.

Ich habe ja Susanns Adapter dabei, mit dem sich die unterschiedlichsten Stecker adaptieren lassen. Ein großes mächtiges Ding. Wenn ich es heraus hole, löst das jedes Mal Begeisterungsstürme aus. Man amüsiert sich darüber. Gestern fragte mich ein Kollege. OK. Eines ist für die USA. Das andere für Europa. Und die anderen? Falscher Ansatzpunkt, ich meinte: Richtig, eines ist für die USA. Eines ist für England, eines ist für Frankreich, eines ist für Italien. Die anderen, ich weiß nicht. Überraschung, dass man in Europa nicht mit einem Adapter auskommt.

Die Nächte sind etwas kürzer geworden hier: Vorgestern kamen wir zur Dealine aus der Firma, gestern sogar eine halbe Stunde eher. Es entwickelt sich eine gewisse Routine. Da wollen wir mal schauen, was der heutige Abend bringt.

Angenehmer Nebeneffekt: Ich schlief nicht bis zwölf Uhr nachts, sondern nur bis halb elf Uhr. Da das Wetter wirklich herrlich war, setzte ich mit den Wagen und cruiste ein wenig durch die Gegend. Wenn man durch Detroit fährt, vom Flughafen kommend, sieht man alsbald Abfahrten die 3 Mile Road, 4 Mile Road usw. heißen. Das fand ich genauso lustig wie einfallslos. Interessanterweise, scheinen die sich wie ein Ring um Detroit zu ziehen. Ich fuhr in Richtung Norden, sprich von Detroit fort, und sah nachher die 32 Mile Road usw.

Irgendwann war der Indian Ride Trail ausgezeichnet. Das klang gut: Da sprach einen Natur und Abenteuer an. Wenn sich das mit dem Auto befahren ließ, dann war ich dabei. Die Straße ähnelte mehr einem Trail als einer Straße und war eine gute Erklärung dafür, warum hier sehr viele Autos sehr dreckig herumfahren. Ist halt sehr staubig. Von Natur ist nicht soviel zu sehen. Der ganze Trail, zumindest soweit ich ihn befuhr, war gesäumt mit Häusern. Amüsant fand ich die Anwesen, die ein absolut stattliches Tor hatten, was einen Einbrecher aber nicht abhalten könnte, da das gesamte Grundstück weder Zaun noch Hecke säumten. Also reine Repräsentation.

2007-11-13T21:20:00+00:0013. November 2007|Categories: Unterwegs, USA 2007|Tags: , , |Kommentare deaktiviert für Husch