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Donna Leon – »Venezianisches Finale«

Ich bin ein wenig spät dran, ich weiß. Aber man kann ja auch über alte Bücher was schreiben, das tue ich ja alle Tage. Irgendwie habe ich den Hype mal abgewartet, der um Donna Leon und seinen Kommissar Brunetti herrschte. Mittlerweile ist es ja ein wenig ruhiger geworden, und da ich mit Liaty Pisani gerade auf der italienischen Schiene fahre, dachte ich bei mir, dass es keine schlechte Idee ist, sich mal mit Donna Leon zu beschäftigen. Und ich muss ja ganz ehrlich gestehen: Das war keine falsche Entscheidung.

Brunetti ist, zumindest in diesem ersten Fall, ein absoluter Einzelgänger, der an dem ganzen Apparat der venezianischen Polizei vorbei ermittelt. Da mochte sein Chef, ein Stubenhocker, noch so sehr darauf bedacht sein, von dem Commissario informiert zu werden. Egal auch, dass der Kommissar seinen eigenen Rhythmus hat, der nicht zu der Ermittlungshetze der Oberen passte, die den Fall so schnell wie möglich gelöst sehen wollten. Denn das Opfer war ein Prominenter, der an einem prominenten Platze ermordet worden war. Was war passiert?

Donna Leons erster Opfer war ein Deutscher. Helmut Wellauer war ein berühmter Dirigent gewesen, ein Mann von Weltruhm, der den perfekten Klang meinte gefunden zu haben und von seinen Kollegen sehr geschätzt wurde. Fachlich, nicht menschlich. Sonst wäre er, wie man sich denken kann, nicht tot.

Der Dirigent wird nach der zweiten Pause der Oper »La Traviata« tot in seiner Kabine aufgefunden, vergiftet wie man alsbald feststellt. Die Oper geht weiter, denn ein Ersatzdirigent war schnell gefunden, auch der Kommissar war bald vor Ort. Ins Visier dessen Kommissars geraten die engsten Mitstreiter des Dirigenten, die allerdings nicht in seinem Ensemble zu finden sind, sondern die Sänger sind. Warum das ausgerechnet so ist, die Frage kann ich leider nicht beantworten.

Da ist zum Beispiel die Diva La Petrelli, die den Dirigenten in der zweiten Pause besucht hatte. Brunetti weiß das, aber sie behauptet – sein Wissen nicht kennend –, dass sie den Dirigenten nur während der Vorstellung gesehen hat. Seine Ehefrau war auch bei dem Dirigenten, aber sie sagt, da hätte er noch gelebt und sie hätte nur kurz mit ihm sprechen können. Auch der Regisseur hat Gründe, den Dirigenten nicht zu lieben. Denn schließlich hatte sich Wellauer an ein Versprechen, dass er dem Regisseur gegeben hatten, nicht gehalten und den Regisseur noch verlacht. In bester Tradition englischer Krimis haben wir es also mit einer Menge von Leuten zu tun, die einen guten Grund hatten, den Dirigent umzubringen. Und dann ist da noch das dunkle Geheimnis aus der Vergangenheit, das natürlich bei einem alten deutschen Dirigenten gut etwas aus der Nazi‐Zeit sein kann. (Manchmal denke ich mir, dass es schon ziemlich durchsichtig ist: alt und deutsch = da ist der Nazi nicht weit. Als ob Leute aus der Generation nicht anderen Dreck am Stecken haben könnten.)

Trotzdem will ich hier nicht in Mäkelei ausbrechen. Eine gute Geschichte, ein guter Plot und mit dem passenden Flair. Ich kann die Anhänger von Donna Leons Büchern schon verstehen.

2007-05-07T09:00:01+00:007. Mai 2007|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Donna Leon – »Venezianisches Finale«