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Schwere Verantwortung

Hat man auf dem Rücksitz sowohl die Tante wie auch die Schwiegermutter sitzen, so trägt man schon einige Verantwortung. Eigentlich sollte man nicht allzu leichtsinnig durch die Gegend schwirren, aber mir liegt »No risk, no fun« immer näher als das Besichtigen von Wohnhäusern an Bundesstraßen.

Gestern waren wir nicht nur mit erwähnten Rücksitzbank-Sitzerinnen unterwegs sondern auch mit dem Navigationssystem. Unser TomTom hat ausgeprägten Sinn für Humor, anders kann man es nicht sagen. Wir hatten uns trotz miserabler Wettervorhersage entschieden nach Friedrichstadt zu fahren und wählten dafür »Kürzester Weg«. Hinter Rendsburg in Hohn ging es von der Hauptstraße ab und wir wurden über den Moorweg am Höhner See durch ein Naturschutzgebiet geführt. Kurz hinter dem Hohner See war auch schon Schluss mit Asphalt und wir fuhren durch Pfützen und Modder, aber das war nicht so schlimm. Der Weg war befahrbar.

Die Wege hatten Bezeichungen wie »Straße ohne Namen« und hätten genauso gut »Pfad ohne Namen« oder »Sammlung von Pfützen ohne Namen« heißen können. Wir waren jung und voller Zuversicht, und selbst Enthusiasmus in vierzig Minuten in Friedrichstadt sein zu können, hielten das Schicksal nicht davon ab, uns etwas ganz anderes zu präsentieren. Ein »Vom Wege abkommen und dann festsitzen«-Erlebnis.

Ich denke in solchen Augenblick kurz »Mist!« oder schlimmer und fange dann an, mich wieder in Zuversicht zu üben. Hilft ja nicht weiter. Selbst Susann reagierte gelassen, stieg aus und betrachtete das Malheur. Eine Feststellung á la »Das sieht gar nicht gut aus.« bedurfte es nicht. Sie begab sich hinter das Auto und fing an zu schieben, während ich Stoff gab. Das Auto bewegte sich nicht großartig.

Nun stieg meine Schwiegermutter aus, Ruth genannt und hier mitlesend (*winke, winke* huhu! Du bist meine Lieblings-Schwiegermutti! Ja, Du bist gemeint Ruth Ludewig!!!) und schob mit. Aber das gab nicht so den richtigen Schub, zumindest nicht den Schub, den man benötigt, um einen Sharan aus einer solchen misslichen Lage zu befreien. Also Schub-Wechsel. Probieren wir es doch mal rückwärts. Gute Idee, aber den feuchten Untergrund und den Antrieb mochte das nicht überzeugen.

Was macht an eigentlich, wenn man an solcher Stelle festsitzt? Ich dachte an einen Bauern, Tantchen dachte an den ADAC. In jedem Fall hätten wir ein Erklärungsproblem und wären Dorfgelächter gewesen. Gott sei Dank haben wir ein Frankfurter Kennzeichen. Manchmal sind solche Kennzeichen-Versteckspiele sehr hilfreich. Aber in Hohn kannte und kennt uns ja niemand. Nicht so schlimm.

Wiederum gab es einen Schub-Wechsel-Versuch. Ich begab mich hinter das Auto und Ruth saß nun hinter dem Steuer. Wir jauchzten beim Anschieben, jubelten, als es sich Zentimeter bewegte, um dann wieder ein Stück zurückzurollen. Aber rückwärts wollten wir es auch nochmal versuchen. Aber egal, was wir taten, das Auto interessierte es nicht.

Es ist immer gut, wenn man einen weiteren Plan hat. Die Gummimatten kamen aus dem Auto raus und wurden vor die Reifen gelegt. Zweige und Äste geholt und davorgelegt und eine CITTI-Tüte musste auch daran glauben. Kurze Zeit später roch es ziemlich unangenehm nach Gummi, der Motor heulte … und das Auto bewegte sich nicht. Hmm, im Gegenteil. Es hatte sich nur tiefer eingebudelt.

Früher haben wir das ja gern gemacht, aber mittlerweile, also sagen wir mal so… Im Matsch buddeln haben wir schon einer Weile aufgegeben. Nicht, dass es uns vielleicht keinen Spaß machen würde, aber die gesellschaftlichen Konventionen schreiben vor: Matschbuddeln nur mit Kindern oder in den eigenen vier Wänden. Aber um ein Auto zu befreien, schien es uns legitim zu dieser uralten Technik zu greifen. Wir gruben die Vorderreifen des Wagens aus und starteten einen weiteren Versuch. Ruth saß hinter dem Steuer. Susann, meine Tante Helga (Helga Prill ist hiermit auch offiziell im Internet vertreten!) und meine Wenigkeiten gaben den nötigen zusätzlichen Schub.

Dann ging es ratzfatz. Das Auto befreite sich und uns aus der misslichen Lage. Ruth sprang aus der Fahrgastkabine und riss jubelnd die Arme hoch. Den denkwürdigen Satz, der darauf folgte, den möchte ich auch nicht vorenthalten: »Was für’n Spaß!«

Was haben wir gelacht! Nach Friedrichstadt ging es nicht mehr, da wir nicht mehr sehr präsentabel aussehen. In Hohn besorgten wir uns Kuchen und aßen am heimischen Tisch gemütlich Kaffee und Kuchen.

2007-07-30T13:37:00+00:00 30. Juli 2007|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Schwere Verantwortung