Ganz, ganz schlechte Nachricht - ohne JavaScript werden wir hier nichts...

Liebe DEHOGA Schleswig-Holstein!

Tränen machen mich immer ratlos. Ich weiß nicht recht, was ich sagen soll. Bei den Tränen, die hier via Anzeigen und Zeitungsberichten rollen, bekomme ich aber überhaupt gar kein Mitleid und denke nur: »Gott, auch mit Geld aus meinen Zechen wird hier Unfug betrieben!« Denn wofür sollte ich Mitleid aufbringen? Dafür, dass ihr eure freiwillige Selbstverpflichtung, in 60 Prozent der Restaurants mindestens 40 Prozent der Plätze für Nichtraucher zu reservieren, nicht realisieren konntet?

Zur Erinnerung: Ein Nichtraucherschutz war schon vor Jahren angedacht. Und dann habt ihr nicht an euch gehalten und geweint, geweint und nochmals geweint. Hätte Christian Klar soviel geheult, wie ihr geheult habt und jetzt wieder rumheult, er hätte den Bundespräsidenten sicher erweichen und heute mit gepackten Sachen am Stuttgarter Hauptbahnhof stehen können. Also habt ihr hoch und heilig versprochen, dass ihr es über eine Selbstverpflichtung hinbekommt.

Habt ihr aber nicht. Das ist, um euch mal mit einem plastischen Beispiel zu kommen, wie mit dem Aufräumen von Kinderzimmern. Man geht rein, fordert die Kindleins auf, das Zimmer in Ordnung zu bringen und baut vielleicht eine entsprechende Drohkulisse auf und die Kindleins versprechen im besten Falle hoch und heilig, die Angelegenheit sofort zu bereinigen. Dann kommt es unter den Kinderzimmer-Bewohnern vielleicht intern zu einer Debatte, wie man das Aufräumen verzögern könnte, wie es sich am Besten organisieren ließe und vielleicht diskutieren sie bis zum heutigen Tage, aber halt nur so lange, bis der Erziehungsberechtigte zurückkommt und feststellt, dass sich die kindischen Herrschaften von einem Spiel- in einen Debattierklub gewandelt habe, aber von Reinigung noch keine Spur ist. Dann gibt es halt Konsequenzen.

Viel anders ist das jetzt auch nicht!

Mir, liebe DEHOGA Schleswig-Holstein, ist die ganze Diskussion, die ihr jetzt versucht anzuzetteln, ob Passivrauchen schädlich ist oder nicht, eigentlich ziemlich egal. Selbst, wenn es keine Belege gibt, dass es keine Schädlichkeit gibt oder ihr nicht glauben wollt, dass es eine solche Schädlichkeit nicht gibt, bleibt doch ein Fakt: Rauch ist nicht lecker! Er stinkt! So mag es ja noch angehen, dass in Kneipen weiterhin geraucht werden darf, meinetwegen, aber da wo gegessen wird, bitte schön nicht. Aber ihr seht sicher, wenn es bei euch nicht zu verqualmt ist, dass sich da ein kleines Problem abzeichnet: Wo wird die Grenze gezogen zwischen einer Kneipe und einem Speiserestaurant? Wahrscheinlich sind die so fließend und butterweich, wie eure Versuche, die Verordnung erfolgreich umsetzen.

Ich hätte, wenn die Selbstverpflichtung realisiert worden wäre, damit leben können. Wirklich! Ich bin auch kein Fundamentalist: Fragt man mich, ob man rauchen darf oder ob es stört, dann habe ich auch kein Problem damit. Das ist vielleicht gesundheitsmäßig unvernünftig, aber ich tue soviel Unvernünftiges, da kommt es darauf auch nicht an. Außerdem ist es meine Entscheidung, die ich getroffen haben.

Aber so, da ihr es nicht geschafft habt, ist es doch jetzt nur konsequent, dass gehandelt wird: Das Handeln kann natürlich nicht darin bestehen, dass gesagt wird: »Liebe Gastwirte, wie sehen, ihr habt euch ein klein wenig Mühe gegeben und es nicht geschafft. Dann lassen wir das mal besser sein!« Die Konsequenz kann nur ein Rauchverbot sein.

Merkwürdigerweise kenne ich kaum Leute, die damit ein Problem haben. Und ich kenne auch eine Menge Raucher. Allerdings immer weniger, weil viele aufgehört haben zu rauchen.

Was mich darüber hinaus wundert, ist auch das krasse Missverhältnis, eurer Selbstverpflichtung: In 60 Prozent der Restaurants sollen 40 Prozent der Plätze für Nichtraucher reserviert werden. Ist das nicht mittlerweile ähnlich abstrus wie in 30 Prozent der Kindergärten 20 Prozent der Plätze für Kinder unter sechs Jahren zu reservieren? Nur mal so als Hinweis: Europaweit rauchen nur noch 28 Prozent der Bewohner. Vor zehn Jahren waren es 10 Prozent mehr. Oder geht ihr davon aus, dass Nichtraucher eure Etablissements besuchen?

Besonders übel, liebe DEHOGA Schleswig-Holstein, nehme ich euch aber, dass ihr mit diesem Netzwerk Rauchen zusammen arbeitet und euch der Argumentation widerstandslos anschließt, dass es keine Toten durch Passivrauchen gäbe. Es müssen ja nicht immer Tote sein, ein wenig Demenz würde ja auch schon reichen. Aber vielleicht bekommt ihr das ja gar nicht mehr mit. Womit wir wieder bei dem Artikel wären.

Ganz schön traurig.

(Ihr könnt euch mit den Getränkeherstellern zusammentun, die sich bei der Dosenpfand-Einführung auch in Tränen aufgelöst waren und ein Ende der Getränke-Industrie voraussagten.)

[Update: Anzeige, die bei Google erscheint, wenn man DEHOGA und Netzwerk Rauchen eingibt. Liebe Gastronomen, offenbar hat sich da schon jemand Gedanken gemacht, wir ihr mit der verzwackten Situation umgehen könnt. Begreift es als Chance!]
2007-05-08T14:05:00+00:00 8. Mai 2007|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Liebe DEHOGA Schleswig-Holstein!