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Völkerfreundschaft

Julia, meine Tischnachbarin in der Vormittagsklasse und aus Bayreuth stammend, ist sehr unternehmungslustig und anschlussfreudig. Als ich erwähnte, dass ich eine kleine Kreuzfahrt planen würde, war sie Feuer und Flamme und meinte, sie käme mit. Das war gestern. Heute fragte sie mich, wann es losgehen würde und ich meinte. Heute. Denn ich hatte heute morgen nicht nur meinen Fotoapparat eingepackt sondern auch meine Strickjacke.

In der Nachmittagsklasse meinte Olaf, Mitglied meiner Afternoon‐Crew, er hätte gehört, wir würden ein Turn mit einem Katamaran planen und ich bejahte. Eine Sunset‐Tour war vorgesehen und ich sagte ihm, wir würden Preis und Zeiten herausbekommen, und ich würde sie ihm dann simsen (Sorry, Schnuckel!). Eine andere Klassenkameradin, Stefanie, hatte ebenfalls vages Interesse bekundet.

Nach der Schule stiefelten wir zu zweit los zur Waterfront und haben eine Suset‐Tour gefunden, die 160 Rand kosten sollte (umgerechnet 18 bis 20 Euro), Champagner gab’s umsonst. (Ich meinte schon, dass es die Franzosen nicht hören dürften, denn Champagner, da war ich mir sicher, würde für uns nicht ausgeschenkt werden. Das höchste der Gefühle war wohl Sekt. Dem war denn auch so.) Olaf bekam die SMS und wollte mit, ich besorgte ihm auch eine Karte. Dann sind wir ins Paulaner Brauhaus, was ich mir auch nicht hätte träumen lassen. Aber wenn man mit einem Mädel aus Bavaria unterwegs ist, muss man halt gewisse Kompromisse machen. Bayerisches Bier muss jederzeit verfügbar sein und die bajuwarischen Brau‐Institutionen sorgen schon dafür, dass ihre Landsmänner nicht vom Glauben abfallen und anfangen Pilsner zu trinken.

Das war natürlich nicht der Grund, denn eigentlich hatte Julia den Auftrag, den Braumeister der Kapstädter Paulaner Dependance aus Bayreuth zu grüßen, was zwar nicht geklappt hat, aber wir hatten unser Hefe und eine Brezel mit Butter. Olaf stieß später hinzu und zeigte und ein neues Getränk, welches auch Alkohol enthielt, aber ein wenig erfrischender sein soll. Ich werd’s morgen mal ausprobieren. Als wir dann zum Boot marschierten, trafen wir auch noch Stefanie (»Speak Englisch, Oliver! It’s the best for you!«), die sich entschloss mitzukommen. Da sie keine Jacke dabei hatte, erkundigten wir uns bei den Reederern (sagt man so?), und sie meinten, sie hätten Decken an Bord. Naja, brauchen die ja auch: für die Schiffbrüchigen, die sie auflesen müssen.

Dort trafen wir noch zwei andere Frauen aus unserer Sprachschule, die ich noch nicht kannte, uns so wurden wir zu einem richtigen Clan. Wir waren dann alle ganz aufgeregt und ich hatte letzten Freitag schon beobachtet, dass es das Beste ist, man erscheint früh oder drängelt sich, wenn man zu spät kommt, einfach nach vorn, um die besten Plätze auf dem Boot zu bekomen, und die sind meines Erachtens vor auf dem Deck. Man kann gut sitzen und sieht alles bestens. Draußen, so stellte sich heraus, war es nicht nur sehr windig, sondern auch kühl. Das hatte das Mädel neben mir, nicht zu unserer Clique gehörend, wohl nicht gewusst, und hatte bald eine Gänsehaut, die mir ebenfalls eine Gänsehaut machte. Hier Freund, nicht viel besser, war nur im T‐Shirt bekleidet, so wie ich, aber halt mit der norddeutschen Kälteunempfindlichkeit ausgestattet. Da Stefanie zu dem Zeitpunkt die Jacke noch nicht wollte, gab ich sie dem Mädel, welches sie ohne lange zu zögern annahm und sich wie ein Schneekönig freute. Das Boot war ihr sowieso nicht so geheuer, dann der Seegang mit den Wellen – sie war froh, dass ihr eine Sorge, an Verkühlung zu sterben, genommen war. Ob ich dem Jungen damit die Tour versaut habe, ordentlich zu kuscheln und sie zu wärmen, glaube ich nicht.

Zusammengefasst: Ja, es war sehr schön, und ist jedem zu empfehlen.

Bevor wir wieder in Cape Town anlegten, nach etwa anderthalb Stunden, die Sonne war wirklich, während wir auf dem Ozean waren, untergegangen, sahen wir noch Seehunde, die an unserem Anleger herumlungerten. Sie wurden von der Besatzung verjagt, allerdings mit gehörigem Respekt, während die Gäste alle rummaulten, dass könne man wohl nicht machen. Kann man wohl, denn wenn ich mir ein Seehund‐Gebiss so anschaue und das Gewicht von den durchaus possierlichen Tierchen, dann weiß ich, dann man mit denen nicht unbedingt spaßen kann, wenn die meinen, man dringt in deren Territorium ein. Aber so hatte ich das auch noch gesehen, allerdings war es ein wenig zu dunkel, so dass die Fotos von den Tierchen nichts geworden sein dürften. Schade, aber ich werde es überleben.

Wir haben dann noch einen Clown im Waterfront‐Destrict gesehen, der unseren wirklich schönen Abend abrundete.

Meine Jacke habe ich wieder zurückbekommen.

2007-02-07T21:00:00+00:007. Februar 2007|Categories: Unterwegs|Kommentare deaktiviert für Völkerfreundschaft