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Frisch

Aber zuerst einmal zu etwas ganz Anderem: 1990 kam ich nach Kiel. Ich hatte einen Job, war also gleich in Lohn und Brot. Ich hatte keine Wohnung, aber das war das kleinere Problem, zumindest damals und vor allem für mich. Mein neuer Arbeitgeber hieß vom 1. September 1990 an Dr. Rudolf Hell GmbH, und die Firma war zur damaligen Zeit schon eine hunderprozentige Siemens‐Tochter.

Damals hieß es noch was, Siemens‐Tochter zu sein. Aber die Kultur hat sich geändert. Ich persönlich bin ja der Meinung, dass man versuchen sollte, Bereiche, die nicht so erfolgreich sind, durch Leistung zu sanieren. Mittlerweile hat sich aber eine Kultur eingebürgert, ein bisschen zu schauen, und dann bei erster Gelegenheit den Bereich loszuschlagen. Damals glauben wir noch, es wäre schon was, bei einer Siemens‐Tochter zu sein. Dass das ein Irrglaube war, habe ich schon nach drei Monaten, sprich in meiner Probezeit erfahren dürfen.

Denn Siemens hatte sich entschlossen, seine Dr. Hell GmbH, ein führendes Unternehmen im Bereich Scanner, mit der Linotype AG zu verschmelzen. Herausgekommen war damals die Linotype‐Hell AG. Linotype hatte gute Satzmaschinen gebaut, in der Maschinensatz‐Ära sowieso, aber auch in den 80er Jahren brauchte man sich nicht verstecken. Nun kommt, was kommen muss: Man dachte, man könnte Synergien nutzen und den guten Satz und das glänzende Belichtergeschäft von Linotype mit dem geradezu glamourösen Repro‐Geschäft zusammenlegen (was in Summe hieß: Aus 2500 von der einen Seite und 3500 Mitarbeitern von der anderen Seite machen wir mal 3000). Nun ging es mit den traditionellen Satzmaschinen gerade zu der Zeit zu Ende, Dektop Publishing kam auf; dem Belichtergeschäft ging die Puste aus und was aus den ehemals strahlenden Scannergeschäft geworden ist, kann man gut betrachten, wenn man in den Media Markt geht.

Die Linotype‐Hell AG gliederte einen Teil ihres Geschäfts ziemlich flink aus, der ISGI hieß und bei dem ich landete. Die ISGI verlor mit der Zeit auch einen Teil seines beträchtlichen Mitarbeiterstammes. Von Freiwilligkeit will ich an der Stelle nicht reden. Ein Teil der ISGI landete Mitte der neunziger Jahre schließlich bei der Firma alfa, ein anderer bei der Siemens‐Nixdorf AG, bei der auch ich Unterschlupf fand. Bevor es dann zwei, drei Jahre später komplett zur alfa Media Partner GmbH ging. Die Linotype‐Hell AG wurde auch weiter aufgespaltet und ging an die Heidelberger Druckmaschinen. Dort gab es dann plötzlich ein Heidelberg prepress, und eine Firma linopress innerhalb dieser Gruppe. Letztere landete dann auch vor einigen Jahren bei alfa.

Was hat das mit Südafrika zu tun? Nun überhaupt gar nichts. Wenn man allerdings von einer Kleinigkeit absieht: Ich stehe vor der Waterfront, zu der ich nach der Schule gehetzt bin. Üblicherweise haben wir um zwanzig Minuten nach drei Schluss. Heute hatte ich die Hoffnung, dass es ein wenig früher sein würde, denn Koogie hatte die Pause wieder mal vergessen. Wir waren im Unterricht wieder bei unserem Lieblingsthema: Essen. Wenn ich es genau nehme, haben wir jeden zweiten Tag das Thema. Heute stand Fast Food im Mittelpunkt und, auch nicht ganz uninteressant, Schnarchen. Aber Koogie machte durch, so dass ich zehn vor halb vier auf der Straße war und zehn Minuten später sollte der rote Bus der Stadtrundfahrt durch Kaptstadt starten. Der Minibus, den ich bekam, sparte mir vielleicht zehn Minuten Fußmarsch, weitere sieben bis zehn Minuten hatte ich noch vor mir. Also ein strammer Marsch unter dem Vorzeichen, dass ich gar keine Ahnung hatte, wo der Bus genau abfahren würde.

Ich fand schließlich das Schild einer Bushaltestelle, an der der Bus zehn Minuten später abfahren sollte – also um 20 Minuten vor vier. Ich war da, der Bus allerdings nicht. Ich habe da ja schon einige Erfahrung. Nun war nur die Frage, war der Bus schon weg oder war er noch gar nicht gekommen. Ich ging einfach mal davon aus, dass er noch nicht gekommen war.

So spazierte ich ein wenig vor der Bushaltestelle herum. Da stand auch ein Taxi, aber das wollte ich nicht nehmen. Das konnte der Taxifahrer nicht wissen, schließlich stand ich da nicht mit einem Prospekt rum, sondern spazierte nur ein wenig auf und ab, also fragte er mich, ob ich ein Taxi wolle. Ich antwortete ihm (natürlich auf englisch), nein, ich warte auf den roten Bus. »Hmm, ein Deutscher. Hört man sofort!« war seine Antwort. »Woher kommst Du?« »Aus Kiel.« »Ach was«, meinte er, »ich habe auch mal in der Nähe von Kiel gewohnt. In Laboe.« Da war es an mir, mit einem »Ach!« zu antworten. Er bestätigte es, und sagte: »Ich habe damals bei der Dr. Rudolf Hell GmbH gearbeitet.« Und fragte, ob ich die kennen würde.

Und ob, sagte ich ihm. Die hätten Scanner hergestellt und so was. Ja, meinte ich zu ihm: »Ich habe auch bei Hell gearbeitet.« Nun war die Überraschung an ihm. Er erzählte mir noch kurz, dass er Instrukteur im Scanner‐Bereich gewesen war und fragte, ob ich diesen oder jenen kennen würde. Ich war aber in einem anderen Bereich, hatte aber zwei von den drei genannten Namen schon mal gehört. Von Kennen könne aber keine Rede sein. Für mehr war keine Zeit, denn dann kam der Bus.

Aber da sieht man mal, wie die Wege so gehen.

Heute war der erste Tag, von dem man behaupten konnte, dass er nicht wirklich war gewesen war. Nun, warum schon, aber nicht heiß. Es hatte noch immer über zwanzig Grad, aber ich habe die meisten Einheimischen in langen Sachen rumrennen sehen. Für mich war es immer noch genug, um teilweise zu schwitzen. So richtig wusste man heute nicht, was man vom Wetter halten sollte, teilweise waren die Leutchen schon mit ihren Gedanken am Strand. Aber das war heute, wenn man sich sonnen wollte, keine gute Idee. Für eine Stadtrundfahrt war es aber das richtige Wetter. Ich habe mir mal einen Überblick über die Stadt verschaffen können. Von der Waterfront ging es durch das historische Zentrum, an dem Holocaust‐Museum und dem District 6‐Museum vorbei hinauf auf den Tafelberg und auf der anderen Seite wieder herunter, Clifton Bay, Camps Bay, Seepoint, Greenpoint zurück zur Waterfront. Die Tour dauerte etwa 2 Stunden und nun weiß, dass ich zumindest die beiden genannten Museen besuchen sollte. Der Tafelberg steht auch noch auf dem Programm.

Was das Wetter angeht: Morgen soll es noch ein wenig bescheiden sein, aber dann kehrt das hier übliche Wetter zurück. Ich muss auch noch mal an den Strand. Ich habe Fotos von mir gesehen, wo ich im T‐Shirt bin. Gesicht und Unterarme in einem soliden Braunton. Die Oberarme aber schneeweiß. Dagegen sollte ich noch was tun.

2007-02-08T21:00:00+00:008. Februar 2007|Categories: Südafrika 2007, Unterwegs|Kommentare deaktiviert für Frisch