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Touristen‐GAU

Hier gibt es Jobs, die man bei uns nicht mehr findet oder die bei uns überhaupt gar nicht denkbar wären. Mir scheint, es ist günstiger irgendwo einen Mann (oder eine Frau) hinzustellen, als einen Automaten aufzustellen. In Deutschland undenkbar gibt es hier Park Marshalls, die auf der Straße warten, dass die Leute mit ihrem Auto vorfahren und dann gleich einem Park‐Automaten die Leute abkassieren.

Die Leute sind wohl bei der Stadt angestellt. Einen ähnlich ausgeprägten Job gibt es auch für Freelancer. Diese stehen dann an der Straße, haben meist gelbe Jacken an, und achten darauf, dass die Autos nicht beschädigt werden. Für die Leute hoffe ich mal, dass sie das nicht aus purer Menschen‐ und Autoliebe machen, sondern dafür auch Geld sehen. Ich kann es nicht beurteilen, habe aber noch nie jemanden bezahlen sehen.

Mittlerweile habe ich, blöder Hund der ich bin, angefangen, die verschiedenen Schilder zu fotografieren, die an den Häusern hängen und demonstrieren, wer für den bewaffneten Schutz zur Verfügung steht. Es ist ja mitnichten so, dass es ein Wach‐ und Schließdienst ist, wie wir ihn aus Deutschland kennen. Vielmehr sind die Unternehmen dafür da, dass wenn bei einem eingebrochen wird, man über einen Notknopf Hilfe rufen kann. In den kleineren Ortschaften stehen dann Wohnwagen, in dem wohl die Bereitschaft wartet, dass so ein Alarm ausgelöst wird. Auf jeden Fall, das bestätigte auch der heutige Reiseführer, ist die Security‐Branche in Südafrika ein etablierter und wachsender Zweig. Krisenfest wie in Deutschland die Bestattungsbranche.

Gestern habe ich ja schon ein paar Worte zu meinem Haus verloren und die passende Ansichtskarte veröffentlicht. Hier noch ein paar Worte zu den Gegebenheiten im Haus, die ich mittlerweile ausgekundschaftet habe. Unten, hinter dem gelben Golf, sieht man die Garage. In der stehen mitnichten weitere Autos, sondern das ist das Heim unseres Gastgebers. Davon kann man halten was man will. Mein Traum wäre es nicht. Desweiteren wohnt dort ein Gast des Hauses, ich glaube freiwillig. Wie das dort ist, weiß ich nicht. Aber es muss wohl Keller sein.

Im ersten Stockwerk haben wir die Küche und das Wohnzimmer. Hier sind zwei Zimmer für Gäste untergebracht. Im hinteren Teil des Hauses existiert noch ein Anbau, in dem im Augenblick zwei Brasilianer leben. Oben haben wir vier Zimmer, ein Bad und eine Toilette (im Erdgeschoss gibt es auch eine Toilette, wie es mit weiteren Waschgelegenheiten aussieht, vermag ich nicht zu sagen). Mein Zimmer hat ein seperates Duschbad und liegt nach hinten raus, hinter dem Zimmer, dessen Balkon auf dem Bild zu sehen ist.

Die Zimmer, sind durch die Bank vergittert, meines ist das sicher eine Ausnahme, aber es ist auch nicht zu erklettern, es sei denn, man schafft es, eine Leiter über die hier üblichen Schutzmaßnahmen zu bringen.

Um halb neun Uhr stand ich wieder parat. Zwei lecker Toast mit geklauter Marmelade und wartete auf den Tour‐Operator. Da ein Vertreter auch diesmal gekommen war, verrate ich auch den Namen: African Eagle. Ich habe mal gefragt: Sie scheinen der größte Day Tour‐Anbieter hier in Kapstadt zu sein. Der Chef ist sehr interessiert zu wissen, wie zufrieden die Leute mit den Touren sind, deshalb ist das Ausfüllen eines Fragebogens am Ende der Tour obligatorisch. Schade, dass ich einen solchen Zettel nicht letzten Sonntag zur Verfügung hatte. Der wäre sicher nicht so positiv ausgefallen, wie die Zettel, die ich Hein gestern und Bruno heute mitgeben konnte. Auf dem Zettel wurde auch nur die aktuelle Tour und die Leistung des Tour‐Guides abgefragt. Die Administration wurde nicht hinterfragt. Ich finde, dass ist eine Lücke im System.

Wir fuhren an Clifton Bay nach Camps Bay, wo die letzten Tour‐Teilnehmer aufgelesen wurde. Von dort aus führte die Tour, auch Peninsula‐Tour genannt, nach Haut Bay. Dort angekommen entschloss sich die Gruppe, ich versuch’s mal zusammenbekommen: sechs Engländer, vier Polen, ein Schwede und meine Wenigkeit, an einer Seehund‐Tour teilzunehmen. Das hieß, wir stiegen auf ein Schiff und fuhren raus an die Küste. Das war so ein wenig Wasser‐Rollercoaster in Disney‐Land denn der Weg hinaus war recht rauh. So ging es auf und wieder ab. Es war aber nicht so arg, dass Tüten gereicht werden mussten. Draußen gab es eine Seehund‐Kolonie zu sehen und die possierlichen Tierchen, auch Baby‐Seehunde, posierten vor uns im Wasser. Was sollten sie auch tun, wo doch im Abstand von zwanzig Minuten ein Schiff bei ihnen vorbeischaut, auf dem ein Haufen von Touristen steht, die sich kaum einbekommen, wenn sie Seehunde sehen? Ich weiß nicht, wie wirkliche Begeisterung bei Seehunden aussieht, ich denke aber, dass Begeisterung in diesem Fall recht einseitig war. Wo doch die Besucher, undankbar wie sie sind, noch nicht mal Gastgeschenke mitbringen…

Da wollte ich also meine Seehunde fotografieren und schau so in das Display der Kamera hinein und was ist: Low Battery. Hatte ich doch glattweg vergessen, den Aku aufzuladen. Das ist wohl der größte GAU, der einem Touristen passieren kann. Nun konnte ich nicht sorgenlos drauf losknipsen, sondern musste sorgsam überlegen, was ich fotografiere. Als Backup hatte ich allerdings mein Handy dabei, wobei die Ergebnisse von der Kamera gerade bei nicht so sonnigem Wetter allerdings bescheiden ausfallen. Aber das Wichtigste sollte wohl bei einer fünfstündigen Dia‐Show über meinen Südafrika‐Aufenthalt zu sehen sein.

Von Haut Bay ging es direkt zum Kap der guten Hoffnung (Kap der Stürme ja auch genannt) und damit an den … na, wissen wir es? … süd‐westlichsten Punkt Afrikas. Was ich vor meinem Aufenthalt auch nicht wusste, mich aber auch nie wirklich interessiert hatte, ist, dass der südlichste Punkte Afrikas ganz woanders liegt und dass südlicher als das Kap der guten Hoffnung auf der Halbinsel noch Cap Point liegt, welches allerdings auch nicht der Scheitelpunkt für das Aufeinandertreffen des Atlantiks auf den Indischen Ozean ist. Unterschiede zwischen den beiden Seiten gibt es aber schon. Auf der westlichen Seite der Peninsula‐Tour ist das Wasser zehn Grad kälter als auf der anderen Seite, die sich False Bay nennt (jetzt spiele ich mal ein bisschen Touristenführer und erzählte auch gleich mit, dass die Bay False Bay heißt, weil verschiedene Seefahrer glaubten, sie wären vor Kapstadt gelandet – also in der Table Bay – und stattdessen auf der ganz anderen Seite.

Wer Touristen sehen will, ist am Kap ganz gut aufgehoben – wer besonders viele Touristen sehen will, der sollte an einem Sonntag herkommen. Der einzige Punkt, der die Touristenanzahl ein wenig gesenkt hat, war das Wetter. Das Wetter hat hier nicht die hohen Temperaturen, von denen ich den letzten Tagen berichtet habe. Verschiedentlich wurde gesagt, dass wir Winterwetter hier hätten. Das ist natürlich relativ. Für mich hat das Wetter hier die Qualität eines normalen norddeutschen Sommertages.

Die Kulisse ist eindrucksvoll. Sollte ich noch einmal hier herkommen, werde ich aber sicher die Gelegenheit nutzen, irgendwie von Cape Point nach Cape of Good Hope zu wandern. Das gibt eine wirklich reizvolle Szenerie. (Natürlich sorgsam mit der Kamera aufgenommen – handverlesen, wegen des klammen Batterie‐Status.)

Beim Verlassen des Nationalsparks hatten wir noch das Glück sowohl freilaufende Strauße wie auch Meerkatzen zu sehen (und, was für ein Glück, auch Baby‐Mehrkatzen). Von den beiden Kaps ging es in Richtung Norden (wohin auch sonst?) nach Simon’s Town, ein reizvoller Ort, der sich vor allem durch seine Pinguin‐Kolonie auszeichnete. Dort hielten sich afrikanische Pinguine auf und die waren klein. Was waren die klein! Man könnte fast sagen: Baby‐Pinguine. Das wusste ich natürlich nicht. Wir standen vor der Schautafel über die afrikanischen Pinguine, aber zum Durchlesen sollte ich gar nicht kommen, weil sich hinter dem Vorsprung gleich ein Pinguin versteckt hatte. Ich dachte, dass wäre ein Baby‐Pinguin, sollte aber bald darauf entdecken: normale Größe. Ein Tour‐Kollege wedelte ein bisschen mit einem Zettel herum, der die Aufmerksamkeit des Pinguins erwecken sollte und seinen Zweck erfüllte. Der Pinguin schaute mir scheel in die Augen. Alsbald verlor er das Interesse und schaute wieder woanders hin, da versuchte eine Tour‐Kollegin sein Interesse für uns zu wecken, in dem sie mit der Hand vor seinem Schnabel hin und her wedelte. Die Aufmerksamkeit hatte sie, der Vogel schnappte zu. Mein Englisch ist nicht zu gut, dass ich sie nach dem Feeling fragen konnte. Aber so ganz schmerzfrei, dies konnte man ihrem Gesicht entnehmen, ging die Sache nicht aus.

Bruno, unser Reiseführer (den ich durchaus als privaten Reiseführer für einen nächsten Südafrika‐Trip in Erwägung ziehe und dessen Visitenkarte ich habe, bei Interesse bitte melden, ich habe die Kontaktdaten!), meinte, ich würde uns empfehlen, erst einmal schnurstracks hinter ihm hinter her zu marschieren, die Augen gegebenenfalls auf den Boden gerichtet, um die Kolonie zu besichtigen. Er hätte es schon gehabt, wahrscheinlich ein Tour Guide‐Anfängerfehler, dass Leute am Anfang einen einzelnen Pinguin zwanzig Minuten lang fotografiert haben, und nachher zu Kolonie kamen und wahrscheinlich keinen Platz mehr auf dem Fotoapparat hatten. Oder der Aku war leer. Zwei Pinguine konnte ich mit meiner Kamera noch aufnehmen, dann war der Touristen‐GAU komplett. Das Aku‐Statussymbol wechselte seine Farbe von gelb auf rot und die Kamera schaltete sich hab.

Von Simon’s Town ging es zurück nach Kapstadt, durch reizvolle Gegenden der Stadt, die einen nicht daran denken lassen, das nicht weit um die Ecke Townships existieren. Der letzte Punkt an diesem Tag war Kirstenbosch und dort insbesondere der Botanische Garten. Dort finden in den Sommermonaten jeden Sonntag Konzerte statt, sodurch der Andrang ein wenig heftiger war. Die Leute kommen mit ihren Picknick‐Sachen, Decken und Camping‐Stühlen und genießen das Konzert. Die ursprüngliche Gruppe heute ist ausgefallen, stattdessen (und das ist eher ein Notiz für mich) Alou April. Wir haben uns im Rahmen der Tour nur einen ganz kleinen Ausschnitt angesehen. Seltene Pflanzen und eine kleine Tour durch eine Part des Gartens, wo man die Pflanzen berühren konnte und dann roch, was sie für Essenzen von sich gaben. Sehr, sehr interessant. Wenn mir jemand gesagt hätte, dass ich soetwas mögen würde, ich hätte ihn für blöde erklärt. Dieser Garten hat mir aber sehr gut gefallen und erwäge ernsthaft, in der Woche noch einmal zu ihm zurückzukehren.

An dem Konzert nahmen wir nicht teil, aber das wir hörten, tönte sehr sehr gut. Ich werde also auch mal sehen, ob ich von der Künstlerin, die eine Einheimische ist, etwas auftreiben kann. Also werde ich mich morgen mit einem Zettel bewaffnen und ins City Center gehen.

Nachdem ich gestern das schlechteste Steak House Cape Towns kennengelernt habe, ging es heute wieder ins Steak House. Mit zwei Jungs (Stefan und Thomas) und Nina ging ich gegen acht Uhr los. War ganz lustig, wenn man davon absieht, dass auch dieses Steak House mich nicht vom Hocker gerissen hat. Also fassen wir es zusammen: Heute war es so lala (Kurzkritik: Das Fleisch meines Chicken Burgers war fast angebrannt.), gestern war es eine Katastrophe (Kurzkritik: Die Champignons waren nicht der Rede wert, das Fleisch in einem Marinade eingelegt, die ich mir nicht ausgesucht hatte und die Sauce Bernaise eine Beleidigung für jeden Berner) und der Grill an der Waterfront war eigentlich o.k. gewesen, steht bei mir aber im Verdacht, nicht unschuldig an meinen Verdauungstrakt‐Problemen vom letzten Wochenende zu sein. Insofern werde ich keine weiteren Steak‐Häuser mehr in Kapstadt aufsuchen, auch wenn die Filets hier mal unschlagbar günstig sind.

Morgen startet die neue Woche, mit neuem Glück und neuen Erlebnissen. Ich will den Text damit schließen, dss ich noch erwähne, dass die Briten bei der Tour wirklich sowas von reizend waren. Hätte der eine nette Mann nicht erwähnt, dass der Service auf der Insel sowas von grausam wäre (eine Selbstkritik, wenn man so will), würde ich ja sofort sagen, da muss ich hin. Was für en reizender Menschenschlag!

2007-02-11T21:00:00+00:0011. Februar 2007|Categories: Südafrika 2007, Unterwegs|Kommentare deaktiviert für Touristen‐GAU