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Gänzlich ohne Titel

Morgens geht es bergab, das jetzt nicht in einem übertragenen Sinne. Da ich auf dem Berg wohne, muss ich morgens absteigern. Irgendwie logisch, nicht wahr. Die Wohngegend mag eine bessere sein, den Straßen sieht man es nicht an. Die Bürgersteige sind schmal, teilweise nicht passierbar – Pflanzen von den Grundstücken ragen weit auf den Bürgersteig oder selbiger ist einfach nur völlig verdreckt.

Die stattliche Anzahl von Hunden zum Schutze des Eigentums sorgt auch dafür, dass man höllisch aufpassen muss, wohin man tritt. Ich habe Leute gesehen, die die Hinterlassenschaft ihrer Vierbeiner beiseite räumen; die Mehrheit tut es wohl nicht. Überhaupt hat man es mit der Straßenreinigung in den Wohngegenden nicht so. Dabei sind die Müllabfuhr‐Tage nicht sehr hilfreich: Donnerstags wird im unteren Teil von Green Point der Hausmüll entsorgt. Bevor die Müllabfuhr kommt, machen sich Obdachlose über die Mülltonnen her und holen sich aus den Tonnen das, was sie benötigen. Häufig auch Leergut, was sie irgendwo verkaufen können – merkwürdig, ich hatte nach einem Pfandsystem gefragt, aber das scheint es hier nicht zu geben. Am nächsten Tag wiederholt sich das Spielchen im oberen Teil von Green Point, und es ist kein schöner Anblick.

Es ist ja nicht so, dass man es aus Deutschland nicht kennt. Wer bei uns die Augen offen hält, wird ähnliche Szenen beobachten können. Nur spielen sie sich in der Regel nicht beim Hausmüll ab. An den Bahnhöfen wird man aber auch Bedürftige entdecken, die die Mülltonnen nach Pfandgut absuchen und in Kiel kenne ich einen Mann vom Sehen, der die Mülltonnen in der Stadt nach Verwertbarem durchsucht. Es ist kein rein südafrikanisches Problem, es fällt einem hier aber mehr ins Auge. Mir ist es letztlich von der Ausprägung egal: Ich mag es weder in Südafrika noch in Deutschland sehen, dass ein Mensch auf die Reste aus Mülltonnen angewiesen ist. Es sollte die Gesellschaft beschämen.

Wie in Deutschland gibt es auch hier Obdachlosenzeitschriften. Die Machart unterscheidet sich ein wenig von den Ausgaben, die ich in Deutschland kennengelernt haben. In der Kieler Ausgabe ist es zum Beispiel so, dass die Obdachlosen auch an der Produktion teilhaben. So ist es hier nicht, wie ich gelernt habe, dass die Obdachlosen Teilhabe an der Produktion haben, sie sind allein für den Verkauf zuständig. Und so sieht man sie hier an vielen Straßenkreuzungen stehen und »Big Issue« verkaufen. 12 Rand kostet ein Exemplar. Ich habe mir eines gekauft und es ist wirklich wie ein professionelles Magazin aufgemacht, worin es sich auch ein wenig von den deutschen Produkten unterscheidet. Aber geschrieben wird zum größten Teil von professionellen Journalisten. Die Zeitschrift ist übrigens ein Grund für meine mehr als durchschnittlichen Testergebnisse letzten Freitag – ich habe mein Wissen von Deutschland auf die Erscheinungsweisen in Südafrika und England übertragen, was mehr als unkorrekt war, da hier ganz anders gearbeitet wird. Die Verben, die ich einfügen sollte, hauten hinten und vorne nicht hin.

Hundert Meter von der Schule entfernt ist ein großer Getränkemarkt. Vor diesem sitzen immer verschiedenste Leute. Sie betteln nicht offensiv, aber das sie nichts zu tun haben, sieht man sehr genau. Vielleicht können sie schon unterscheiden, hey, das ist ein Typ von der Schule, von denen gibt es nichts. Die Lehrer haben uns so instruiert und erzählt, wenn man etwas gibt, wird es gleich im Getränkemarkt umgesetzt – nicht der Sinn der Hilfe. Also entweder man gibt ihnen nichts oder etwas zu essen, das wäre wesentlich hilfreicher.

Weitere hundert Meter weiter sind unsere Versorgungsstationen zu finden. Das ist zum einen Woolworth, die in der Main Street einen kleinen Laden habe, in dem man sich mit Allem versorgen kann, beispielsweise Sandwiches und Getränke. Ein Anlaufpunkt der noch mehr genutzt wird ist der Deli »Giovanni« ein paar Meter weiter, in dem man sich nicht nur mit frischem Kaffee (uninteressant für mich) versorgen kann, sondern auch mit frischen Sandwiches. Dazu sucht man sich ein Brötchen aus und gibt es über die Theke und sagt, womit man es belegt haben möchte. Die Preise sind zwar doppelt so hoch wie im Supermarkt (zwischen 25 bis 40 Rand) nebenan, dafür ist es aber frisch und reichlich belegt. Eine andere Variante, die ich heute mal ausprobiert habe, die haben auch »Fertiggerichte«, man wählt also beispielsweise eine Art von Hühnchen, Gemüse und Reis aus, lässt sich das fürs Mitnehmen einpacken und macht es sich zu Hause in der Mikrowelle war. Der Spaß kostet dann etwa 60 Rand.

Zwischen der Schule und »Giovanni« liegen diverse Restaurants, ich habe aber noch kein einziges heimgesucht. Die Mittagspause ist dafür auch zu kurz. In der Schule hat ja ein kompletter Wechsel stattgefunden. In der Vormittagsklasse sind wir jetzt zu sechst, was wirklich nicht schlecht ist. Der Nachwuchs den wir bekommen haben, besteht aus zwei Deutschen, womit sich das Level von Deutschen in absoluter Zahl gehalten hat. Da uns Renato verlassen hat, sind wir prozentual aber stärker geworden. In der Nachmittagsklasse hat sich nicht ganz so viel getan: zwei Deutsche, ein Brasilianer und ein Chilene. Es geht weiterhin sehr lustig zu und wir müssen aufpassen, dass wir nicht allzuschnell auf das Thema »Essen« kommen.

Was ich noch erwähnen wollte, bevor ich für heute schließe: Die Bezeichnung »Weiße«, »Farbige« und »Schwarze« wird in Südafrika nicht beleidigend aufgenommen, sondern kennzeichnet die kulturelle Herkunft. Erst im Kontext wird daraus eine Beleidigung und muss auf seine political correctness gecheckt werden, so darf man die schwarzen Müllbeutel nicht als black bag bezeichnen, da dies beleidgend wäre. (Angaben ohne Gewähr, nur vom Hörensagen)

Sehr enttäuschend übrigens: Ich war heute im City Center und habe dort einen Musikladen heimsuchen wollen bezüglich Alou April, die ich glaubte gestern zu hören. Aber abgesehen davon, dass sie die Künstlerin nicht gelistet haben, habe ich gesehen, dass ich mich völlig vertan haben. Das gecancelte Konzert war nicht das gestrige Konzert, wie ich angenommen haben, sondern das Konzert, dass am 25. Februar stattfindet. Nun weiß ich immer noch nicht, wer gestern gespielt hat. Da muss ich nochmal im Internet recherchieren.

[PS: … und es waren die The Cape Town Highlanders. Nun hat die liebe Seele Ruh.]
2007-02-12T21:30:00+00:0012. Februar 2007|Categories: Südafrika 2007, Unterwegs|Kommentare deaktiviert für Gänzlich ohne Titel