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Vati kommt nicht mit

Aus Cape Town kommen zwei Arten von Texten: Die einen haben Umlaute, die anderen nicht. Letztere sind direkt im Internet‐Café geschrieben und Umlaute sind dort nicht zu haben. Die anderen Texte schreibe ich unmittelbar vorm In‐zu‐Bett‐Gehen und bringe sie am nächsten Tag ins Internet. Insofern ist der Abschluss des letzten Textes, mehr gäbe es morgen zu lesen, nicht ganz korrekt. Geschrieben und datiert ist sie auf heute, also hat es heute zwei Geschichten gegeben, aber online kommt sie dann erst einen Tag später. Kleinkram.

Natürlich sind Internet‐Cafés Bestandteil der normalen Alltagskultur geworden, zumindest für mich. Mich interessiert in jeder Stadt, wie es denn mit diesen Treffpunkten aussieht und es gibt recht gute Internet‐Cafés und es gibt, welche, die man nur im Notfall aussieht. In Heidenheim beispielsweise hat mich überrascht, dass sie einen eigenen Nichtraucher‐Bereich hatten. Bravo, kann man da nur rufen!

Vom Internet‐Café aus kann man nicht nur seine Mails lesen und die Webseite füllen, man hat auch die Möglichkeit via Skype zu telefonieren. Im Augenblick kostet es nach Deutschland von hier aus 0,017 Euro in der Minute, telefoniert man zu einem anderen Skype‐Teilnehmer ist es gar umsonst. Headphones kann man sich in vielen Cafés ausleihen, hier sollte man aber Obacht walten lassen – manchmal wird man dafür extra abkassiert. Ich hatte mir in Amerika vor zwei Jahren ein Headphone von der Firma gekauft, die auch Mäuse herstellt (ich könnte ja aufstehen und gucken gehen, was draufsteht, aber ich bin ehrlich gesagt zu faul. Logi…, diese Firma, die auch Slim Devices aufgekauft hat. Egal!).

So ist Skype eine feine Sache: Ich kann kurz zu Hause durchrufen und Bescheid geben, dass der Computer ggf. eingeschaltet werden soll, das Telefonieren selbst ist dann ein Kinderspiel. Voraussetzung ist, dass man eine anständige Leitung hat, aber die Qualität ist wirklich mehr als beachtlich. Ich mag es wirklich.

Handy ist dagegen eine recht kostspielige Angelegenheit. Manche haben sich hier Prepaid‐Karten geholt, die es sowohl für Mobiltelefone wie auch für Festnetz‐Anschlüsse gibt, dass man günstiger nach Hause telefonieren kann. Ich habe aber auch gehört, dass solche SIM‐Karten das Handy verrückt spielen ließen. Mag ein Einzelfall gewesen sein. Aber ich habe heute wieder eine Bekannte an mir vorbeistürmen sehen, den Blick fest auf das Handy gerichtet, sicher SMS lesend oder schreibend, unbedingt besorgt, für den Abend noch Kontakte zu besorgen.

Ich kann auch mal einen Abend einfach nichts tun, keinen Menschen sehen. Das halte ich nicht für vergeudete Lebenszeit, aber ich bin mir sicher, da klatscht nicht jeder Beifall. Früher habe ich immer gedacht, verheiratet sein wäre schrecklich. Man kommt nach Hause und fragt sich, was habe soll ich nur erzählen. Meine Befürchtung war immer, dass mir der Stoff ausgehen würde und man sich dann nichts mehr zu sagen hat. Die Realität ist dankenswerter Weise eine andere: Ehen, in denen sich die Partner nichts mehr zu sagen hat, kranken nicht daran, dass der Stoff ausgegangen wäre. Sie wollen einfach nicht mehr miteinander reden. Renne ich Kontakten hinterher, nur um Leute (um jeden Preis) kennenzulernen, so habe ich irgendwann immer den Augenblick, wo ich merke, ich habe meinem Gegenüber nichts zu sagen. Der Spruch ist blöde, aber ich setze mehr auf Qualität denn auf Quantität. Gesprächspartner haben das verdient. Aber ich gebe zu, dass es immer auf das Level ankommt, auf dem man sich verständigen möchte.

Für mich geht es schon bei der Frage des Humors los: Ein Drama, wenn ich mir vorstellen muss, den Abend mit Leuten zu verbringen, die keinen Sinn für Humor haben. Mir ist ja noch kein Mensch untergekommen, der von sich behauptet hat, dass er keinen Humor besitzen würde, aber ich habe schon verdammt viele Leute getroffen, die überhaupt keinen Humor hatten. Beispielsweise haben wir gestern darüber nachsinniert, ob es nicht eine tolle Idee wäre, in ein Township zu fahren und mal einen Schwarzen auszurauben. Das ist natürlich nicht nur vom Vorhaben her schon völlig unkorrekt, und ich distanziere mich voll und ganz von dieser Idee, sondern man könnte mir jetzt auch noch vorwerfen, ich/wir wären rassistisch. Aber letztlich funktioniert Humor und Witz auf diese Art und Weise, man zeigt das Unerwartete. Was habe ich schon für Diskussionen über die Frage geführt, ob solche Art von Humor erlaubt ist. Klar, dass ich es bejahe, schließlich hat jede Minderheit das Recht vera… zu werden. In der Minderheit oder benachteiligt zu sein, heißt schließlich nicht, besser als andere Menschen zu sein. Manchmal habe ich den Eindruck, dass dies gern gleichgesetzt wird. Minderheit == gut. Ist aber mitnichten so.

Was Minderheiten angeht, habe ich noch etwas, was mir gestern abend deutlich geworden ist. Greenpoint ist ein schwuler Ort. Wenn von der Gastfamilie die Rede ist, dann sagen viele Schüler, dass dies zwei Männer wären (von zwei Frauen habe ich noch niemanden reden hören). Natürlich sind die durch die Bank reizend und höflich. Julia hat es, soweit ich das heraushöre, besonders gut getroffen. Die Gasteltern kümmern sich hervorragend um ihre Zöglinge. Ich muss doch mal fragen, was denn so zum Frühstück serviert wird. Hier habe ich die Wahl zwischen Müsli, Toast mit Aprikosen‐Marmelade und, nunja, nichts. Das Ganze darf ich mir auch noch selbst zurechtmachen. Auch so eine Sache, die ich mir anders vorgestellt hat. Großen Wert auf stundeslanges Frühstück in der Morgenstund habe ich nicht, da kommt mir das Prozedere hier im Haus schon entgegen, aber die Auswahl ist doch ein wenig dürftig. Wenn dies das übliche südafrikanische Frühstück ist, dann hat es das französische Frühstück in seiner Dürftigkeit um Längen geschlagen. Was meinen Host‐Papi angeht, so glaube ich nicht, dass er der holden Weiblichkeit zugetan ist.

Ganz so leicht hat man’s wohl nicht mit ihm. War es gestern, als hier eine kleine Revolution ausbrach, weil die Praktikanten neue Bettwäsche haben wollten? Ich pflege keinen größeren Kontakt mit ihm, da er nur an der Oberfläche ist, wenn er raucht. Das muss ich nicht zwingend um mich haben. Aber meine Duschbrause, habe ich das schon erwähnt, war noch am Montag wieder in Ordnung gebracht, sprich ich habe eine neue. Allerdings ist die nicht zum Anbringen, was die andere auch nicht war, man hält mit einer Hand also immer die Dusche, was das Haarewaschen etwas verkompliziert. In einem Land, in dem für viele das Wort Duschbrause ein Fremdwort sein dürfte und die Wohnungen mit Bad nur aus dem Fernsehen kennen, werde ich mich aber nicht darüber aufregen, sondern einfach nur freuen, dass es so gut ist, wie es ist.

Das Haus, in dem ich im Augenblick lebe, liegt direkt an der Grenze zwischen Greenpoint und Seapoint. Das war aber wohl nicht der Grund, warum man mich letzte Woche nicht abgeholt hat. Da muss wohl was Anderes schief gegangen sein. So war ich heute morgen nicht nur ziemlich müde, weil ich nur dreieinhalb Stunden Schlaf hatte, sondern auch sehr neugierig, ob sich eventuell die Gelegenheit ergeben würde, mich wieder hinzulegen. Wofür ich Einiges gegeben hatte…

Aber zwanzig nach acht Uhr kam ein großer Bus in die Straße gefahren und hielt vor der Tür. Mein Tour‐Operator! Welcome! Ich habe meine Sachen gegriffen und auf ging es zur Wine‐Tour. In dieser frühen Stunde hatte ich nicht das Gefühl, schon nüchtern zu sein. Aber heißt es nicht, dass wenn es am Schönsten ist, man einfach weitermachen sollte. Hein, ein wirklich schöner Vorname, hieß mein Führer durch den Tag (Wenn ich mich nicht täusche, hieß früher ein Arzt von mir Dr. Hein. Bei dem war ich hin und wieder in Behandlung, Kinderarzt wohl – vor meinem Auge ein Musterbild von Arzt. Ein sehr gütiger Mensch … und wieder zum Thema zurückkommend …) und im Bus saßen schon fünf Personen. Der Fahrer, eine Brasilianerin, zwei Deutsche und eine Brasilianerin. Der nächste Anlaufpunkt war ein Hotel, aber die Leute kamen nicht (vielleicht hatten sie einen falschen Termin genannt bekommen? Ich hatte es akustisch nicht mitbekommen.) Die Folge deren Nichterscheines war, dass der Bus zu groß war. Es sollten noch zwei Engländer zu der Gruppe stoßen, aber ein Bus für zwanzig Leute, in dem nur sieben Leute saßen, war wohl unwirtschaftlich. Später erzählte Hein, dass es in Südafrika Pflicht ist, für Gruppen über zehn Personen einen eigenen Fahrer zu engagieren. Fahrer darf also nicht gleichzeitig die erläuternde Person sein.

Dann ging es los. Wir fuhren nach Stellenbosch und dort zuerst zu dem Weingut Zevenwacht. Reizende Location, aber die Gebäude, die ich gesehen haben, waren recht nüchtern; die Umgebung nicht. Aber für die Landschaft gab es bei der Tour nicht viel Zeit. Es war ja auch keine Landschaftsbegehung sondern eine Wein‐Probier‐Tour. Der Fahrer wies trotzdem darauf hin, dass es ein Wine‐Tasting wäre und nicht ein Wein‐Drinking. Er hatte die Lacher auf seiner Seite. Es gab einen Rundgang durch ein paar Räumlichkeiten, die aber sehr eingeschränkt waren. Für die Größe und den Produktionsumfang hat mich (Achtung, besonders persönliche Meinung!) das Fehlen von High‐Tech überrascht. Aber dafür habe ich gelernt, das südafrikanische Weine mit Eichenholz aus Frankreich arbeiten, was sehr teuer ist, dem Wein aber eine softe Note verpassen sollen, während Fässer, die aus amerikanischer Eiche entstanden sind, für einen holzigeren Geschmack sorgen. Wobei es zwar amerikanische Eiche heißt, das Holz aber aus Australien kommt. Für das Testen muss man übrigens bezahlen, wenn man nicht gerade über eine geführte Tour dort hinkommt und dies im Preis der Rundreise enthalten ist. Die Touren, die ich in Top‐Gütern in der Bordeaux‐Gegend mitgemacht habe, waren schon fundierter gewesen. (Ich habe Heimweh, allerdings nach Frankreich … oh Gott, ist der Mann pervers!) Der Sauvignon Blanc von Zevenwacht war hervorragend, die Rotweine waren akzeptabel aber nicht so, dass ich gleich die Kreditkarte gezückt hätte. Für den Sauvignon Blanc hätte ich es mal tun sollen.

Danach ging es nach Stellenbosch, eine kleine reizende Stadt, in der wir nur ein paar Straßen begangen haben. Hein meinte, die Stadt ist einen eigenen Ausflug wert, womit er sich recht hat. Er hat zu einigen Gebäuden etwas gesagt und uns das älteste erhaltene Gebäude in Südafrika gezeigt. Erhaben gingen wir weiter und setzten unseren Ausflug zum nächsten Weingut fort. Selbiges lag in Paarl und hieß Seidelberg Estate. Von hier hatte man einen fantastsichen Blick auf die Berge und die Umgebung. Das Wetter spielte ein wenig verrückt. Es regnete als wir ankamen, war stürmisch, während wir aßen und war freundlich, als wir den Platz wieder verließen. Ich habe eine Reihe von Weinen probiert, und erwähnenswert sind die Reserves mit »Robert« im Namen, bei denen ich die beiden Roten (einen Cabernet‐Sauvignon und einen Shiraz) beachtlich fand. Hier erfuhren wir auch, dass die Typen wohl mit »Wooded« und »Unwooded« gekennzeichnet sind, damit aber nicht zwingend ein Aufenthalt des Weines in einem Fass gemeint ist. Hierzulande genügt es, wenn man Sticks in den Stahltank wirft. Den Geschmack bekommt man auch so hin. Entschuldigung, ich musste mich schütteln. Die Reserves waren aber im Eichenfass gelagert. Von den Socken war ich also nicht, aber das wurde durch das darauffolgende Essen wieder wettgemacht, welches in reizender Lage stattfand. Wir hatten Blick auf die Berge und auf das Schaufenster einer Glasbläserei. Mein Chicken‐Curry war dazu noch wirklich schmackhaft. Kein Grund zum Meckern, vielmehr einer, zum Wiederkommen. Den Wein kann man sich ja auch den Nachbargütern besorgen (nein, der war jetzt aber gemein!).

Von dort aus ging es in Richtung Franschhoek, wo wir das Weingut Dieu Donné besuchten. Hier durfte man maximal fünf Weinsorten probieren. Ich hatte auch so schon genug, meinetwegen hätten wir von Paarl direkt nach Hause fahren können. Eine beliebte Sorte in Südafrika, die mir so noch gar nicht groß untergekommen war, war Pinotage, für den das ältere englische Ehepaar (welches natürlich ganz reizend und aus der Nähe von Nottingham war) so schwärmte und während der ganzen Tour im Auge behielt. Für die meisten Sorten von Dieu Donné konnte ich mich nicht erwärmen, der Cabernet Sauvingnon war recht gut, wenn ich mich recht entsinne (och, es waren soviele heute), aber der mir vorher nicht bewusst gewesene Pinotage, den ich bei den anderen beiden Weingütern so mitgenommen habe, der war hier wirklich ein Gedicht.

Franschhoek selbst ist auch ein reizendes, französisch geprägtes Städtchen mit vielen Restaurants und Galerien. Wir sind aber nur kurz durchgefahren. Kurz vor sechs Uhr nach fast zehn Stunden waren wir wieder zurück in Kapstadt. Da sich der Alkoholpegel nicht nennenswert geändert hat, obwohl das Essen in Paarl hilfreich war, und ich ein gewisses Schlafdefizit habe, habe ich auf den heutigen Ausgang verzichtet, was mir auch verziehen wurde.

Nur noch soviel: Das schlechteste Steakhaus von Cape Town habe ich auch schon gefunden.

2015-11-22T23:10:36+00:0010. Februar 2007|Categories: Südafrika 2007, Unterwegs|Kommentare deaktiviert für Vati kommt nicht mit