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Maarten ‘t Hart – »Das Wüten der ganzen Welt«

Alexander war über lange Zeit nicht glücklich. In dem Städtchen, in dem er wohnte, war er ein Außenseiter. Das bedingte zum Einen der Beruf des Vaters, der Lumpensammler war; zum Anderen war die protestantische Kirche, der die Eltern von Alexander angehörten, nicht in dem Städtchen vertreten. So musste man zwangsläufig auf eine andere Kirche ausweichen, aber die Alexanders Eltern waren nicht mit dem gleichen Herz dabei und häufig wurde geseufzt, wenn man auf die Traditionen in der Ursprungskirche zu sprechen kam.

Diese Kombination machte Alexander zu einem Außenseiter und zu einem Jagdobjekt. Wann immer sich die Gelegenheit ergab, wurde er getriezt und verhauen. Sein einziger Beschützer war der Polizist im Ort, der dazwischen ging. Ganz unbelastet war aber auch die Beziehung zu dem Gesetzesvertreter nicht, denn der hatte eine Vorliebe für kleine Jungs und deren Geschlechtsteilen. Alexander verdiente sich ein Vermögen, in dem er das Seine zeigte. Vroombout wollte vielleicht mehr als nur Gucken, aber mehr ließ Alexander nicht zu.

Was den Jungen wirklich glücklich machte, war die Musik. In der Scheune seines Vaters stand ein Klavier und auf diesem übte Alexander nach Noten. Er fand sich gar nicht schlecht. Sein Vater fand ihn auch nicht schlecht, aber er hätte es nie gesagt. Stattdessen machte sich der Vater allzugern den Spaß, sich an seinen Sohn anzuschleichen, und dann eine Papiertüte zum Platzen zu bringen, während Alexander übte. Mochte er sich anfangs noch erschreckt haben, nahm er den Schabernack später einfach nur noch hin.

Dann kam der Tag, an dem die in dem Ort verbliebenen Atheisten bekehrt werden sollten. Christen aller Glaubensrichtungen taten sich zusammen (schwierig genug!) und organisierten den Tag, mit Predigten, Musik und Versammlungen vor den Häusern oder in der Nähe der Häuser der Atheisten. An einer Veranstaltung sollte Alexander teilnehmen. Er spielte auf seinem Klavier Musik, die der Bekehrung dienen sollte. Während seines Spiels platzte wiedermal eine Tüte hinter seinem Rücken, und er mochte sich gefragt haben, warum ein so tiefgläubiger Mann wie sein Vater nicht einmal an solch einem Tag auf den Schabernack verzichten konnte. Die Frage erübrigte sich, als man feststellte, dass es mitnichten eine Papiertüte gewesen war, die das zum Platzen gebracht wurde, sondern dass es ein echter Schuss gewesen war, der zu allem Überfluss (zumindest aus den Augen des Opfers und der Polizei) den Ortspolizisten Vroombout das Leben gekostet hatte.

Alexander stand im Mittelpunkt der Ermittlungen, schließlich wollte die Polizei gerne wissen, wer und auch warum ein der ihren umgebracht wurde. Dass Vroombout ein Faible für kleine Jungs gehabt hatte, dass hatten die Herrschaften bald herausgebracht. Nun war nur noch interessant, warum er umgebracht worden war. Das jedoch sollte die Polizei nie klären.

So musste Alexander mit dem Wissen leben, dass er einen Mörder in seinem Rücken hatte. Die folgenden Jahre verbrachte er damit, herauszufinden, wer den Polizisten umgebracht hat. Verschiedene Leute geraten in sein Visier. Bei der Suche findet er einen Freund, der der Überzeugung ist, seine Mutter wäre es gewesen, die Vroombout umgebracht hätte. Ein Gefühl, nichts weiter, denn Indizien liegen keine vor. Für Alexander erweist sich die Freundschaft als Glücksfall, lernt er doch ebenjene Mutter kennen – die Klavierlehrerin ist.

Sie ist anfangs mit seinem Klavierspiel nicht zufrieden, aber ist doch sehr erstaunt, als sie hört, dass er ein Autodidakt ist. Obwohl er den Preis nicht bezahlen kann, nimmt sie sich Alexanders an und verstärkt seine Liebe zur Musik. Das Klavierspiel ist es auch, dass ihn in neue Kreise führt und seinem Verdächtigenkreis neues Futter zuführt.

‘t Hart ohne Musik ist nicht vorstellbar. Hinzu kommt, dass viele Romane des Schriftstellers sich mit der Nazi‐Zeit in Holland beschäftigen. Es klingt vielleicht nicht so, aber auch die Wurzeln dieser Geschichte liegen in diesem Teil der Vergangenheit begraben. Man wird bei diesem Schriftsteller aber des Themas nicht müde.

Die Jagd nach dem Mörder des Polizisten gerät dabei zu einem Krimi und für Alexander im Ausleuchten der eigenen Herkunft. Ein Roman, der einen gelungenen Einstieg in der Werk von Maarten ‘t Hart darstellt.

2007-02-26T09:00:00+00:0026. Februar 2007|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Maarten ‘t Hart – »Das Wüten der ganzen Welt«