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Der Backpfeifenempfänger

Luna hat sich angewöhnt zu knurren. Das sind Geräusche, die man von ihr vorher gar nicht kannte. Jetzt könnt man es ständig. Dem folgt meist eine schnelle, ausholende Bewegung, die mitten im Gesicht von George, unserem Babykater, landet. Der sich darauf etwas zurückzieht. Wenn er denn die Chance hat. Oft hat er sie nicht und unsere Dreibeinerin sitzt über ihm und beißt ihn in den Nacken. Hält er still, wird er danach liebevoll geleckt. Zuckt er zuviel, dann gibt es wieder was auf die Mütze.

Zu den Fortschritten: Der Kater ist meist in der Wohnung unterwegs, räkelt sich im Sessel oder auf der Couch. Das Aquarium ist nur noch Zuflucht in höchster Not. Das mit dem aufrecht stehenden Zweibeinern ist ihm immer noch nicht geheuer und er geht ihn aus dem Weg, wo es nur geht. Bewegen sie sich von ihm weg, so folgt er ihnen, um sie aufmerksam im Auge zu behalten. Er hat dabei ein Faible für Versteckspielen entwickelt. Neugierig ist George. Liegen oder sitzen die Zweibeiner so ist das für George mehr als akzeptabel. Dann liegt er in sicherem Abstand vor ihnen und beobachtet sie. Was sie so machen oder halt auch nicht machen.

Besonderen Reiz entwickeln die Zweibeiner immer noch dann, wenn sie mit den Würstchen kommen. Das Geräusch hört er über jeden Lärm hinweg, was meine Theorie bestärkt, dass Katzen einen Sinn für gewollte Wahrnehmung haben und einen Sinn für die unwichtigen Sachen im Leben. Würstchenverpackungen gehören eindeutig in die erste Kategorie. Man muss nur ein wenig knistern, schon steht er vor einem.

Meine Hände und Arme sind ein wenig lädiert, denn er hat noch die Angewohnheit, sich Sachen mit den Tatzen holen zu wollen. Natürlich nicht im Passiv‐Modus, sondern im aktiven Modus mit ausgefahrenen Krallen. Das schmerzt beim Duschen ordentlich. Aber mittlerweile kriecht und klettert er über einen hinweg, wenn es um das Futter geht. Ist er ein wenig gesättigt, dann verfällt er sogar in einen Super‐Passiv‐Modus, lässt sich streicheln und kraulen, legt sich hin und fängt an zu schnurren.

Ich hatte ja gesagt, dass dies ein großes Geschenk sein würde und ganz ehrlich, so empfinde ich es auch. Man muss sich mit George wirklich beschäftigen, die kleinen Würstchen verteilen (für eine Packung nehme ich mir schon mal eine Stunde Zeit), wobei es für ihn interessant sein muss. Nicht einfach hinwerfen und fressen. Er muss sie sich erarbeiten, aber damit hat mit seinem jugendlichen Elan auch kein Problem. An die hundertmal springt er rauf und runter, gut wenn er die Energie für das Springen auf der Couch verbraucht. Ich habe ihn auch schon erwischt, wie er aus Spaß im Super‐Aktiv‐Modus mit ausgefahrenen Krallen an der Tapete hochsprang und dementsprechende Spuren hinterließ.

Gestern gab es auch Würstchen, wobei seine beiden Katzenmitbewohnern ebenfalls bedacht werden. Ich warf Luna ein Stück zu, was sie zur Kenntnis nahm, aber sie hatte wohl keine Lust, sich zu bewegen. Ganz Katze. George hatte das gesehen und eilte herbei. Er schnupperte in der Umgebung und als er das Stückchen geortet hatte, und mit dem Maul kurz vor dem lohnenden Ziel war, bekam er eine Backpfeife, die es in sich hatte. Er zuckte zurück. Luna hatte die Tatze schon wieder zurückgezogen und wirkte teilnahmslos. Mochte er angenommen haben, es habe sich um ein Versehen gehandelt haben? Wer weiß, er probierte es noch mal. Das Resultat war das Gleiche. Eine Tatze holte aus, ein Knurren folgte. George räumte das Feld. Luna schaute ihm hinterher und erhob sich nach einer Minute, um mal nach dem Futter zu sehen, welches ohne Bewegung des gesamten Körpers nicht erreichbar war.

2015-07-28T11:32:42+00:0028. Februar 2007|Categories: Katzen|Tags: , |Kommentare deaktiviert für Der Backpfeifenempfänger