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John le Carré – »Der Spion, der aus der Kälte kam«

Man sollte annehmen, dass dieser Klassiker schon von allen gelesen wurde. Schließlich steht eine sehr bekannte Verfilmung hinter. Mich kümmert so was in der Regel nicht. Ich habe weder den Film bisher gesehen, noch habe ich das Buch bisher gelesen. Das Spionage‐Genre interessiert mich auch nicht so sehr, wenn man mal von Eric Ambler absieht. Nun erschien das Buch in der SZ‐Krimibibliothek und für 4,90 Euro und eine Zugfahrt war es o.k.

Um es vorneweg zu nehmen: Ich war positiv überrascht und so landet der Autor John le Carré auf meiner Positiv‐Liste von Autoren. Was für ein Zufall, dass gerade jetzt neue Sonderausgaben von seinem Werk gibt. Vielleicht ein raffinierter Schachzug seines deutschen Verlag, um Lesehungrige gleich abzufangen? Wer weiß…

Im Mittelpunkt steht Alec Leamas. Der ist für die Leitung eines Agentenringes in Ostdeutschland zuständig. Von West‐Berlin aus, schöpft er die Informationen ab und leitete sie in das Hauptquartier in London weiter. Er hatte in der DDR einen ganz dicken Fisch an der Angel und die Quelle sprudelt nur so, dass es eine Freude war. Wobei man exakter sagen muss: Zu dem Zeitpunkt war es schon Vergangenheit, denn Leamas musste zusehen, wie der Agent vor seinen Augen erschossen wird.

Damit steht Leamas ziemlich nackt und erfolglos da, denn sein komplettes Netz wurde von der Abwehr der DDR eliminiert. Sein Gegenspieler auf der anderen Seite war ein gewisser Mundt. Von dem konnte man nun überhaupt nichts Gutes berichten. Außer vielleicht, dass er seine Aufgabe in den Augen seiner Vorgesetzen hervorragend erledigte.

Nach London zurückbeordert wird ihm ein Plan präsentiert, in dem an der Stelle ansetzt. Vielleicht wäre es eine gute Idee, dass man Mundt diskreditiert, in dem man soviele Indizien auslegt, dass seine Vorgesetzen in der DDR auf den Gedanken kommen mussten, dass Mundt auf eigene Rechung und – viel schlimmer noch – gegen den Staat arbeiten würde.

Leamas sollte in diesem Spiel im Mittelpunkt stehen. Seine Versetzung in eine unbedeutende Abteilung war der erste Schritt. Dem Folgen Alkoholismus und Entlassung, sowie die Einstellung in einer Bibliothek. Nun war er ein gefundenes Fressen für die Agenten aus Ostdeutschland oder für den KGB. Es sah so aus, als würde alles nach Plan laufen.

Ein Agenten‐Thriller muss verworren sein. Hier gibt es noch ein zusätzlichen Aspekt, der mich beeindruckte. Gut und Böse wird nicht unterschieden. Man hat das Gefühl, dass das, was in der DDR gespielt wurde, genauso verwerflich war, wie das was in London geplant wurde. Es ging nur um die Sache und es interessierte die Vorgesetzten nicht, was mit den Menschen geschah. Leamas als Teil dieser Maschinerie hatte die gleiche gleichgültige Haltung angenommen, so dass ich als Leser nicht wusste, ob mir der Mann wirklich sympathisch ist.

2006-10-17T09:00:00+00:0017. Oktober 2006|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für John le Carré – »Der Spion, der aus der Kälte kam«