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Jean-Christophe Grangé – »Die purpurnen Flüsse«

Keine Frage: Ich mochte den Film. Mir schien nicht alles schlüssig. Wundern tat mich das später, nachdem ich mir einen Roman von Grangé zu Gemüte geführt hatte, nicht mehr. Ich ging einfach in den Aufpass-Modus und ließ die Finger von den Büchern, zumal sie im Verlag Bastai-Lübbe erschienen, der für mich ein rotes Tuch ist, seitdem ich das Vergnügen hatte, zwei Romane zu lesen, die man nicht lesen konnte, da sie einfach nur grausam fehlerhaft waren. Jetzt wieder ein Grangé.

Die Frage, warum ich ein Buch lese, wo ich den Film doch schon gesehen habe, ist durchaus berechtigt. Die Antwort auch: Das Buch war quasi im Angebot. Da konnte ich nicht nein sagen, und ich wollte auch mal schauen, ob das Buch die Geschichte etwas schlüssiger darstellen kann. Und, wenn ich ein Fazit an der Stelle treffen darf, dann dieses: Oh ja! Das Buch ist viel schlüssiger.

Vielleicht habe das Buch aber auch gekauft, weil es in dem Film eine schöne Stelle gab, an der Jean Reno mit dem Auto durch die Landschaft fuhr und die Landschaft wurde genauso atemberaubend wie die Musik, die dazu spielte. (Aber ehrlich, ich habe keine Lust mir für einen fünf Jahre alten Film die Filmmusik für 16 oder 17 Euro zu kaufen. So bleibt die Erinnerung an die Musik.)

Pierre Niémans hat Probleme mit der Selbstkontrolle. Die Geschichte beginnt damit, dass er damit beschäftigt ist, die Fan-Gruppen eines Fußballspiels auseinanderzuhalten. Die Situation eskaliert und die Gruppen geraten aneinander. Dabei beobachtet er, wie zwei junge Männer sich den Fan der anderen Mannschaft vorknöpfen. Die Brutalität, mit der das geschieht, wundert den Polizisten und er beschließt, seine leitende Rolle aufzugeben und die Täter von ihrem schändlichen Tun abzuhalten. Das gelingt ihm nicht ganz, das Opfer der beiden ist schon tot, als Niémans am Schauplatz des Verbrechens eintrifft. Den einen Täter schnappt er sich, und kettet ihn an einen Laternenpfahl. Den zweiten Täter verfolgt er. Die Erklärung, der Täter wäre von einem durchgedrehten Pferd getreten worden, nimmt ihm aber niemand so recht ab.

Sein Vorgesetzter nimmt ihn aus der Schusslinie und sendet ihn in die Berge, nach Guernon, fast an der schweizerischen Grenze. Man hatte dort den Leichnam eines jungen Mannes gefunden, der nackt und kauernd in einer Felsspalte postiert war. Dass er sich nicht von selbst dort hinbegeben hatte, war allen Beteiligten vor Ort klar. Der Untersuchungsrichter vor Ort hatte bei seinem Freund in Paris, dem Vorgesetzten von Niémans, Verstärkung angefordert.

Der ist für so verzwickte Fälle weniger zu haben, ist, wie man schon ahnt, eher der Hau-Drauf-Polizist. Aber so war er zumindest aus der Schusslinie, während sein Fall in Paris untersucht wurde. Er versucht sich so gut wie möglich in den Fall einzuarbeiten, aber die ganze Welt – Berge, Universität, Elite – sagt ihm wenig zu. Er passt nicht in dieses provinzielle Nest.

Während er und seine Kollegen sich in Berge von Papier vergraben und einen Mörder suchen, der alpine Neigungen hat und extrem sportlich ist, macht sich einige Kilometer entfernt polizeilicher Nachwuchs Gedanken darüber, warum man in die Schule einbricht und nichts entwendet, und wer, in Gottes Namen bitte, die Schändung einer Grabstätte vornimmt. Interessant auch, dass es keine Fotos von dem verstorbenen Kind gibt, nicht in der Schule, nicht in dem Album eines seiner Klassenkameraden. Nach und nach nähern sich die Ermittlungen denen von Niéman an.

Vorteil des Buches, wie schon erwähnt: Die Geschichte ist fantastisch, aber sie wirkt am Ende plausibel. Dort hatte man für die Hauptfiguren wohl ein adäquates Ende finden müssen. Wenn ich mich recht entsinne, ging es fast als Happy-End aus. Davon ist das Buch weit entfernt und das ist auch gut so.

2006-10-25T09:00:01+00:00 25. Oktober 2006|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Jean-Christophe Grangé – »Die purpurnen Flüsse«