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Jakob Arjouni – »Kismet«

Wie werden einem eigentlich Freundschaftsdienste gedankt? So richtig vorhersehbar ist es nicht. Da repariert man einem Bekannten den PC und die Festplatte gibt während dessen den Geist auf. Wer ist Schuld? Natürlich nicht die Festplatte. Da wird man von Schutzgelderpressern bedroht und am Ende des Abends liegen zwei Tote in der Kneipe. Wer ist Schuld? Natürlich nicht die Schutzgelderpresser, die sich darauf eingelassen hat. Wie es mit dem Einbau von Festplatten bei Kemal Kayankaya aussieht, weiß ich nicht, aber mit den zwei Toten muss er sich herumschlagen.

Dabei wollte er seinem alten Kumpel Romario nur einen Gefallen tun. Erst war es ziemlich unbequem, wie er sich dort mit seinem Kumpel Slibulski in einem Wandschrank herumdrückte, dann waren die beiden Herrschaften von der Armee der Vernunft mit dem Zeigen von Waffen nicht zur selbigen zu bringen. Eine wilde Schießerei geht in dem brasilianischen Restaurant los. Kemal kann froh sein, dass er unverletzt überlebt hatte; sein Freund Slibulsky geht es vermutlich nicht anders.

Romario ist aber alles andere als dankbar. Zwei Leichen in seinem Restaurant und zu allem Überfluss musste die Sache auch noch recht blutig vor sich gehen. Da steht jede Menge Ärger vor der Tür. Der Leichen nehmens ich die beiden Freunde an, die recht mächtig sauer sind, dass ihre Dienste nicht angemessen gewürdigt werden.

Kemal fährt sie in ihrem Dienst‐Mercedes in einen Wald, wo sie eher weniger feierlich beerdigt werden.

Mit der Ahnung, dass man sich mit der Armee der Vernunft besser nicht angelegt hätte, macht sich Kemal an seine Ermittlungen. Er hegt den Verdacht, dass er sein Leben recht schnell beenden könnte, wenn er sich nicht um den Fall kümmert. Aus dem Wald zurückkommend, ahnt er schon, dass nicht alles zum Besten steht. Das Restaurant von Romario brennt lichterloh.

Viele Spuren hat Kemal nicht. Die Armee mag in der Szene niemand kennen. Die Reviere scheinen abgesteckt zu sein. Eine neue Partei wird mit allerhand Argwohn betrachtet und wird in der Regel nicht widerspruchslos aufgenommen. Da sie niemand kennt, bleibt Kemal – der übrigens Privatdetektiv ist – nur eine einzige Spur: der Mercedes der Soldaten. Alsbald hat er den Halter herausgefunden und diese Spur führt ihn zu dem Produzenten von Tütensuppen.

»Kismet« hat mich positiv überrascht. Ich habe schon einen Roman von Arjouni gelesen, aber der hat mir bei weitem nicht so gut gefallen, wie dieser Krimi. Hier gibt es slapstickartige Szenen, bei denen man vor Lachen auf dem Boden liegt. Arjouni arbeitet mit Klischees, aber ich mochte ihm das nicht übel nehmen, da er mich mit diesem Roman aus der Frankfurter Unterwelt allerbestens unterhalten hat. Arjouni hat es auf meine Positiv‐Liste geschafft. Da kann ich mir nur selbst gratulieren.

2006-10-31T09:00:00+00:0031. Oktober 2006|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Jakob Arjouni – »Kismet«