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Charles Willeford – »Miami Blues«

Das begann ja gleich gut: Frederick J. Frenger jun., ein unbekümmerter Psychopath aus Kalifornien, bat die Stewardess in der ersten Klasse um ein weiteres Glas Champagner und Schreibzeug. Klar, dass sich ein Psychopath wie Frenger einen Flug erster Klasse gar nicht leisten konnte, aber eine gewisse kriminelle Ader hat ihn befähigt, sich einer Kreditkarte zu bemächtigen. Auch gegen den Willen des eigentlichen Eigners, aber der sorgte sich darüber nicht mehr.

Frenger dagegen hatte sich vorgenommen, nicht mehr wie lausiger Verbrecher zu leben. Gerade aus dem Gefängnis entlassen, möchte er sich ein schönes Leben machen. Was bietet sich da an, wenn man schon amerikanischer Staatsbürger ist? Florida.

Der Flug erster Klasse versüßt ihm das Leben erheblich. Er konnte nicht ahnen, dass sein Ärger schon am Flughafen losgehen sollte. Von einem jungen Mann, ein Hare‐Krishna‐Jünger, um eine kleine Spende angegangen, reagiert er etwas heftig. Bevor der Jünger sich besinnen kann, hatte ihm Frenger schon die Finger gebrochen. Nun ist ein gebrochener Finger kein Drama, dass ließe sich schon richtig. Frenger kümmert sich so um den Mann auch nicht weiter, und geht weiter seines Weges. Es wird sogar berichtet, dass es Beifall gegeben hätte. Dumm war halt nur, dass der junge Mann einen Schock erlitt und kurze Zeit darauf verstarb. Damit war es ein Fall für die Mord‐Kommission.

Der Ermittler, der den Fall behandelte, hieß Hoke Moseley. Dass der Mann schlechte Laune hatte, konnte man anfangs nicht sagen. Moseley führte kein schönes Leben: Er lebte in einer Wohnanlage und arbeitete dort nebenbei als Haus‐Detektiv. Sein Geld ging für seine Ex drauf und er musste überall anschreiben lassen. Ein wirklich dürftiges Leben. Interessant und amüsant ist es, wie die beiden Lebensphilosophien aufeinander stoßen. Moseley hatte sich mit seinem Leben abgefunden und versuchte sich mit dem Wenigen zu arrangieren. Frenger dagegen nimmt sich das, was er braucht. Dafür geht er auch über Leichen.

Er ist ein sehr genauer Beobachter seiner Umgebung. Sein erstes Revier ist ein Einkaufszentrum. Alsbald hat er zwei Gauner entdeckt, die aber nicht sein psychopathisches Format haben. Er nimmt sie aus und kann Dank der Beute erst einmal ausspannen. Frenger plant den Coup seines Lebens, ein Fischzug, nachdem er sich zur Ruhe setzen kann.

Zwei Punkte kann er aber nicht vorhersehen: Er bandelte mit der Schwester seines Flughafen‐Opfers an, und irgendwann ist eine Konfrontation mit diesem Thema möglich. Zum Zweiten funktioniert seine Einschüchterung Moseleys überhaupt nicht, im Gegenteil – sein Versuch glückt, geht die Rakete geht in eine ganz andere Richtung los.

Ein flott geschriebener Roman, in dem immer wieder Witz aufblitzt. Die Freude auf andere Willeford‐Romane ist schon groß. Es wird berichtet werden.

2006-10-19T09:00:00+00:0019. Oktober 2006|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Charles Willeford – »Miami Blues«