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Martha Grimes – »Karneval der Toten«

Die liebe Freundin aus Hardegsen konnte es ja gar nicht erwarten und war sicher auch ein paar Tage vor mir mit dem Stoffe fertig. Da in den Nachrichten nichts weiter verlautbarte, ist anzunehmen, dass der Postbote es überlebt hat. Ich hatte den neuen Roman recht friedfertig aber voller Freude entgegen genommen.

Ein Kind wird erschossen aufgefunden, liegt mitten in London auf einer Straße. Soweit, so schlecht. Jury ist am Tatort und bekommt recht bald gesteckt, dass es sich bei dem Kind nur um ein Mädchen aus einem Haus in der Straße handeln könne, in welchem auch immer wieder Männer verschwinden würden. Pädophile, auch so ein Thema, dass Inspektor Jury in den vergangenen Romanen aber noch nicht berührt hatte. Nun aber mit ganzer Wucht, allerdings gerät das Mädchen schon bald aus dem Fokus von Jury. Ein Bindeglied zu diesem Club, Mr Baumann, der selbst eine interessante Geschichte aufweist, wird durch ein anderes Verbrechen berührt. Was Mr Baumann aber vermutlich anders sehen würde.

Das kommt so: Vor Angel’s Gate, ein prächtiges Anwesen, dass Declan Scott gehörte, wurde eine Frau erschossen aufgefunden. Keiner kann sich einen Reim darauf machen, denn die Frau kannte in der Umgebung niemand. Interessant wurde der Tod auch deshalb, da die Tochter von Declan Scott vor Jahren einfach verschwand und seine Frau kurz darauf verstarb. Der Mann wohnte prächtig und mochte reich sein, das Glück hatte er trotzdem nicht gepachtet.

Nur zu gern wollten die Polizisten eine Verbindung zu Baumann herstellen. Aber der Mann war smart, klug und mächtig. Kein Herankommen. Aber Jury findet natürlich einen Weg, auch wenn der Weg nur mit sehr viel Selbstüberwindung zu betreten ist.

Ich fremdelte ein wenig mit dem Roman: Klar gehört das Phänomen der Pädophilie in unsere Gesellschaft und man muss sich damit auseinandersetzen. Allerdings wirkte es etwas aufgesetzt und Martha Grimes nimmt sich dieser Themen immer etwas krampfhaft an. Es ist ein Roman, aber glaubwürdig sollte er schon sein – und da gäbe es verschiedene Punkte, die mir nur sehr lose miteinander verknüpft waren. Zweiter Punkt war die Rolle von Melrose Plant. Der lockere Part in den Jury‐Romanen kam recht spät ins Geschäft und seine treue Gemeinde wurde nur am Rande erwähnt. Das war schon ein Opfer. Warum schreibt Martha Grimes eigentlich nicht einmal einen reinen Melrose‐Plant‐Roman. Ich wäre der erste Käufer!

Mit der Mitte des Buches ging es dann aber los und es las sich flott. Denn das dicke Plus überwiegt die angeführten Kritikpunkte: Martha Grimes ist eine Schriftstellerin, die eine einmalige Art hat, Kinder zu beschreiben und Dialoge zwischen Erwachsenen und Kindern zu verfassen. So, wie sie die Dialoge beschreibt, wirken sie nicht gekünstelt. Ebenso großartig sind ihre Schilderung von Tieren und deren Verhalten. Dagegen sind Landschafts‐ und weitergehende Naturbeschreibungen bei Martha Grimes überhaupt nicht zu finden. Da steigt selten Nebel auf…

Übrigens: Krimis in Krimis… Beim letzten Mal sah sich Melrose veranlasst, einen Roman von Dick Francis zu lesen, um in das Thema hineinzukommen. Diesmal ließ Martha Grimes Sergeant Wiggins einen Roman vom 87. Polizeirevier lesen. Was ein daran erinnert, sich mal wieder um ein paar antiquarische Ed McBains zu kümmern.

Zum Schluss habe ich sogar kapiert, wie der Roman zu seinem deutschen Titel gekommen ist… Wenn ich eine Bewertung wagen sollte: 45.

2006-08-21T19:20:01+00:0021. August 2006|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Martha Grimes – »Karneval der Toten«