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Yael Hedaya – »Die Sache mit dem Glück«

Draußen scheint die Sonne, mit einem Glas kühlen Weißwein könnte man nach draußen schlendern. Dann setzt man sich mit einem Buch in einen bequemen Stuhl und genießt. Selbstverständlich? Nein. Es gibt genügend Leute, die nicht in der Lage sind zu genießen, wie immer der Genuss aussehen mag, da es ihre Umstände nicht zulassen. Noch mehr Mitleid verdienen aber die, die genießen könnten, aber nicht wollen oder sehen, dass es der Lebensinhalt nicht nur aus arbeiten bestehen kann. Auch wenn es vergebliche Rufe hier sind, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass sich diese Herrschaften einem Buch wie dem von Yael Hedaya hingeben. Nötig hätten sie es.

Es geht um eine komplizierte Dreier-Beziehung. Matti hatte sich als Dreißigjähriger in einen Teenager namens Alona verliebt. Sie begannen eine Affäre, in der sich Matti verlor. Alona stahl sich aus der Beziehung. Matti wurde dadurch beziehungsunfähig. Er merkte es nicht und Mira hatte es wohl auch nicht mitbekommen. Denn sie war es, die Matti später heiratete. Matti lebte mit seiner Frau zusammen, aber von Liebe würde wohl keiner von den beiden ernsthaft reden. Sie waren, wie man manchmal so schön sagt, reif für die Ehe. Mit wem war schon fast egal.

Zehn Jahre später, als Vierzigjähriger, leidet bekam Matti Kopfschmerzen, konnte nicht richtig sehen und sank, Krönung eines Vorspiels, auf einer Autofahrt in Ohnmacht. Mira drängte darauf, dass er zum Arzt geht, um sich untersuchen zu lassen. Die Untersuchungen bestätigten die übelsten Befürchtungen: Matti hatte einen Gehirntumor. Von nun an, ging es steil mit ihm bergab. Man bestrahlte ihn, aber das hatte nur eine Alibi-Funktion. Eigentlich versuchten die Ärzte das Paar darauf vorzubereiten, dass Matti bald sterben würde.

Die Schilderungen werden aus drei, sehr unterschiedlichen Perspektiven beschrieben. Da ist der neutrale Beobachter, ein Arzt, der mit Präzision beobachtet, wie das Paar die Nachricht aufnimmt und lernt, damit umzugehen. Natürlich gehört ein Großteil der Beschreibung Mira, die ihr Leben mit einem kranken Mann beschreibt. Die ewigen Fahrten zum Krankenhaus, der Umgang Mattis mit seinen beiden Kindern und die Unterstützung durch die Mutter. Im Hintergrund immer der Groll, nicht die wichtigste Frau Mattis gewesen zu sein, wo sie es doch war, die sich immer aufopfernd um ihn gekümmert hatte und kümmerte. Und Alona beschreibt in kursiv ihre Erlebnisse mit Matti und ihren Versuchen, ihn ein letztes Mal zu besuchen.

Alles wirkt schonungslos und wenn man auf der Suche nach dem Glück ist, so wird man es, in diesem Buch nicht finden. Hier findet man auch keine Anleitung zum Glücklichsein, hier findet man aber Lebensentwürfe, die Muster zum Unglücklichsein aufweisen. So macht man es nicht! Aber jeder muss seinen eigenen Weg finden und an der Stelle kommt meine eingehende Bemerkung zum tragen: Was hilft es mir, mit viel Geld jung zu sterben? Ich weiß: »Geld macht nicht glücklich, aber es hilft.« Bis zu einem gewissen Punkt würde ich dem zustimmen. Aber was, wenn ich soviel Geld habe, dass ich es mein Lebtag nicht ausgeben kann? Wenn mein ganzes Streben nur darauf ausgerichtet ist, dass viele Geld, das sich habe, noch zu vermehren und das um jeden Preis? Wo bleibt das Glück, wenn ich mich brüsten kann, achtzehn Stunden am Tag gearbeitet zu arbeiten?

Solche Leute dürften bei einer solchen Diagnose (wie auch Prognose), wie Matti sie bekommen hat, in ein tiefes Loch fallen. Das Buch macht deutlich, dass alles endlich ist und man kein Gewährleistung hat, alt zu werden. Warum also nicht heute leben?

2006-08-22T09:00:00+00:00 22. August 2006|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Yael Hedaya – »Die Sache mit dem Glück«