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Reibereien

Manchmal schaffe ich es einfach nicht, mich auf den Hosenboden zu setzen und die Arbeiten zu erledigen, die ich mir vorgenommen habe. Dann stehe ich irgendwann vor einem Bücherhaufen, den ich für maigret. de abarbeiten muss, aber mich an die einzelnen Bücher gar nicht mehr im Detail erinnern kann. Bei diesem war es etwas anders…

Für Philippe Djian interessierte sich auch meine Frau und zog sie mit seinem neuesten Buch ab, ohne meine Webverpflichtungen zu beachten. Erst vor Kurzem kramte sie es wieder vor und so fand ich es nach unserem Urlaub auf meinem Schreibtisch (zusammen mit einem Maigret, der oben auf lag und ich mich fragte, warum ich mir diesen hingelegt hatte – als ich weitergrub sah ich den Djian und wusste Bescheid).

Ich gestehe: Ich hatte einiges von Djian gehört und Betty Blue gehört zu den Büchern, die ich immer lesen wollte, es aber nie schaffte und das, obwohl er antiquarisch ja nun wirklich sehr günstig zu bekommen kann. Auf Djians dritten Romand wird auch auf dem Buchrücken seines Neulings verwiesen: ein Klassiker, an dem der Schriftsteller immer gemessen wird.

Fünf Kurzgeschichten über einen Mann machen einen Roman aus. Nun denkt man sich, ein Leben in fünf Abschnitten warum auch nicht. Mit elf Jahren verspricht der Mann seiner Mutter, die er zu trösten versucht, dass er sie nie verlassen werde. Blöd, wenn sich die Mutter ein Leben lang an dieses Versprechen erinnert. So schlimm ist es gar nicht, dass man der Mutter einen Vorwurf machen könnte, denn der Mann selbst ist sehr auf seine Mutter fixiert. Immer wieder kommt es zu Reibereien, so wie der Titel des Romans schon vorgibt. Die Reibereien finden zum einen mit seiner Mutter statt, aber im geringeren Maß; die Hitze entsteht eher bei den Partnern seiner Mutter, die der Sohn nicht immer gutheißt oder in den eigenen Beziehungen des Mannes, in denen die Partnerinen erkennen müssen, dass sie nicht unbedingt an erster Stelle stehen – eine Entdeckung, die nicht immer toleriert wird.

Dijan wählte Ausschnitte aus dem Leben des Mannes, die nicht ganz alltäglich sind, aber eigentlich auch nichts außergewöhnliches haben: Autounfälle, Parties, Probleme mit betrunkenen Lebenspartners … manches löst sich mit einem großen Knall auf, teilweise auch sehr makaber.

Ich mochte das Buch, auch wenn ich die Handelnden nicht mochte. Sympathie konnte ich ihnen nicht entgegebringen. Zudem bin ich heilfroh, dass meine Frau nicht ihrer Mutter versprochen hat, dass sie sie nie verlassen wird. Zumindest hat sie das bis heute noch nicht erwähnt.

2005-06-05T10:00:30+00:005. Juni 2005|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Reibereien