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Fehlanzeige – ein Fazit

Seit gestern sind wir wieder zu Hause. Der Urlaub endete mit einer faustdicken Überraschung und ein wenig Stress und viel Langeweile.

Ich habe in den letzten Wochen viel genknipst. Künstlerisch wertvoll ist davon wohl gar nichts. Aber wir hatten am Abend schon immer unsere Freude daran und riefen uns nochmal in Erinnerung, was so passiert war.

Schon der Freitag überraschte durch gutes Wetter, dass ich vor die Tür trat und sagte: »Frau, es regnet ja gar nicht!«. Die Überraschung währte nicht lange, wir machten uns daran, diese Tatsache auszunutzen. Es wird immer gesagt, in Neu‐England sei Amerika Europa am Ähnlichsten. Nun gut, die Floskel lautet: am Ähnlichsten. Man muss aber schon genau hingucken. Wir waren an dem schönen Tag in Portland, wo die Feiglinge nicht auf Waltour gehen wollten, aber das verkrafteten wir noch locker. Es hat uns nicht so vom Hocker gehauen, die Stadt als solches, ehrlich. Für Amerikaner, denen aus anderen Landesteilen, mag es toll sein. Ich sah eine amerikanische Stadt. Vielleicht sieht man mit unserer Brille immer die Unterschiede.

Wir hatten aber eine nette Kunstakademie entdeckt, in der eine Fotoausstellung zu betrachten war. Das war wiederum sehr interessant. Fotoausstellung ist etwas zu verkürzt, denn es stellte eine Symbiose der Arbeit von Studenten der Fotografie, des Textens und von Radiomachern dar. Letzteres hatten wir nicht in Anspruch genommen. Salt hieß die Institution, wenn ich mich recht erinnere.

Im Anschluss machten wir halt in einem Wildpark, der leider nicht so wild war, wie er es versprach. Gerade die Raubtiere wurden doch in verdächtig kleinen Käfigen gehalten und der Berglöwe wird sich auch nicht so richtig wohlgefühlt haben. Dafür hatte er, gerade als wir da waren, die Gelegenheit gehabt, eine kräftige Mahlzeit einzunehmen. Die Herrschaften von Tierpflegern hatten nämlich vergessen, die Berglöwin wegzusperren und marschierten fröhlich in den Käfig. Ich dachte mir so, ob das so richtig ist – na die werden schon wissen, was sie tun. Vielleicht ist die Löwin ja nicht so agressiv oder hungrig oder zahnlos. Nun, sie haben’s ja noch gemerkt. Für die Löwin eigentlich schade, denn an der Pflegerin wäre einiges dran gewesen, während der Mann doch recht spak war.

Wir wohnten in Poland, man kann schon fast sagen in einem Länderdreieck: Norway war die nächstgrößere Stadt und South‐Paris war auch um die Ecke. Aber ich wollte war ganz Anderes erzählen: man denkt, man kommt nach Poland und erwartet eine Stadt in unserem Sinne. Ist es aber gar nicht. Entlang einer Straße gibt es hin und wieder mal ein Haus, manchmal konzentrierter, manchmal mit Meilen Entfernung. Irgendwo findet sich eine Schule, ein paar Kirchen (Baptisten, Katholiken und was es so alles gibt – Kirchen sind ja ein ganz eigenes Thema) und eine Bar. Das war’s. Das war dann eine Stadt. Sehr gewöhnungsbedürtig. Norway dagegen war eine hübsche Stadt, nach unserem Verständnis. So wie Nortorf würde ich sagen, mit einem echten Stadtkern. Es ist so, wie man es in Filmen machmal sieht. Die Leute winken sich zu. Ich habe es ausprobiert. Bin am Friseur vorbeimarschiert, habe kurz hineingeschaut und gewunken: der Friseur, der gerade bei der Arbeit war, und der Gast im Stuhl, erwiederten freundlich den Gruß. Nicht, dass sie mich vorher schon mal gesehen hatten. Das Gleiche beim Lesesaal der christlichen Wissenschaft (die es in Kiel auch gibt – und mich außerordentlich fasziniert, weil es mir ein Widerspruch scheint, aber auch das ein eigenes Thema): In diesem saß eine ältere, kräftige Dame und ich hob meine Hand zum Gruß. Und bekam ein freundliches Lächeln und ein Winken zurück. Dafür wäre ich beinahe hineingegangen. Susann hielt mich zurück. Sie hat nicht viel für Abenteuer über.

Am Samstag ging es zurück nach Boston, und wir schauten uns die Stadt an. Wir wurden mit fabelhaftem Sonnenschein begrüßt. Wäre es so die ganze Zeit in Maine gewesen, es wäre nicht zum Aushalten gewesen. Nette Stadt, wo ich das erste Mal das Gefühl hatte, hier spürt man Europa. Die Häuser standen nicht einzeln, sondern dicht an dicht. Es gab Alleen und die Leute gingen zu Fuß. Ja, das war offensichtlich Stadt, die manchen zu der Aussage Neu‐England sei europäisch inspiriert haben könnte.

Wir brachten das Auto zurück und wir hatten eine Menge Gepäck. Nach den ganzen Besuchen in Outlet‐Stores auch kein Wunder. Wir stiegen in den Hertz‐Bus (hiermit nachgeholt: Hertz, ihr habt uns wirklich ein nettes Auto gegeben und die Rückgabe hat hervorragend geklappt), und der fuhr auch prompt los, als meine Frau begann, den üblichen Check durchzuführen: Jacke dabei. Ja, erwiederte ich, aber die Kamera nicht, sagte ich nach einigem Zögern. Sie glaubte mir nicht. Wir müssen hier raus, sagte ich hier, sag dem Busfahrer er soll halten. Ich stürzte zum Gepäck, und da ich überhaupt nicht lächelte und ernsthaft aussah (was ich auch tue, wenn ich sie auf dem Arm nehme), brachte sie ihr Anliegen energisch vor. Er war allerdings nicht bereit umzukehren. Wir also raus, und ich zurück zum Auto, wo die Kamera immer noch auf dem Dach lag.

Danach hatten wir viel Zeit und das Essen an Bord war nicht der Rede wert. Ich habe das Hähnchen nicht gegessen, Susann meinte, es wäre in Ordnung gewesen. Aber ich mit ein wenig mäkelig. Womit wir bei LoMechs wären, so wie er sich schrieb. Wir nutzten die Gelegenheit am Abend vor unserer Heimreise noch mal bei diesem American Family Diner Restaurant vorbeizuschauen. Zwischen Poland und Norway, heißt in der mainschen Pampa. Wir kommen da gegen sechs Uhr hinein und ergatterten den letzten Platz. Die Burger sehr gehaltvoll und so, wie man sie hier nirgendwo bekommt. Die anderen Burger in Amerika haben mit denen bei McDonalds auch nichts zu tun, aber dort waren sie wirklich so, wie ich sie mir immer vorgestellt habe. Natürlich genauso ungesund. Aber sei’s drum. Erwähnt sei noch, dass der ausgefeilteste Burger mir als Chicken Burger bei Tia’s in Boston untergekommen ist, was Susann, keine Burger‐Liebhaberin, mir bestätigen würde.

Was gab es sonst noch: Susann hat sich von ihren alten Schuhen getrennt, wie das Bild zeigt. Wir haben Dank auszusprechen: an die Taxifahrer in Neumünster, den Busfahrer zum und vom Flughafen, an Air France, an Hertz, die Hoteliers und Housekeeper, an Arnd, an Disney, das Kennedy Space Center, die geduldigen Verkäufer und Bedienungen und an die Amerikaner im Allgemeinen, dass sie es mit uns ausgehalten haben. Besonderen Dank an die Eich‐ und Streifenhörnchen, die mir die permanenten Nachstellung für Darstellungen nicht übel genommen haben, sondern sich immer wieder geduldig in Position gestellt haben.

Abschließend noch eine kleine Bermerkung, zu einer Beschimpfung, die keine war: In einem (hier ungenannten) Supermarkt wurden wir von einem Kunden als »Frenchies« bezeichnet. Er mag es als Beleidigung gemeint haben, aber tief in meinem Herzen fühlte ich mich geehrt. Da wir in der Nähe der Waffenabteilung waren, habe ich mir aber doch einige Sorgen gemacht.

Ach ja: wir kommen wieder.

PS: Fehlanzeige, nun hätte ich den Betreff ja fast vergessen – ich habe kein einziges Buch zu Ende gelesen. Das ist mir in einem Urlaub auch noch nie passiert. Was hätte ich noch in den Outlet‐Stores einkaufen können, wenn ich die überflüssigen Bücher nicht mitgeschleppt hätte. Aber wer konnte das ahnen!?

2005-05-30T15:00:00+00:0030. Mai 2005|Categories: Unterwegs, USA 2005|Tags: , |Kommentare deaktiviert für Fehlanzeige – ein Fazit