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Polylemma

Ich habe echt keinen Plan, was ich wählen soll. Es sind nur noch zwei Wochen und ich bin völlig ratlos.

Bisher ging es mir im Wahllokal so, wie im Eisladen: Reingehen, kurz gucken und dann stand es auch schon fest. Gab das schlechte Gewissen nur eine Kugel vor, so wurde Schoko gewählt. Gab das schlechte Gewissen ein wenig nach, so konnte ich schon mal ein wenig mutiger werden, aber Schoko war auch mit dabei. Gab es drei – Feiertag – dann waren in meiner Waffel Schoko, Vanille und vielleicht irgendetwas Exotisches zu finden. Das Exotische aber ganz oben, dass ich mich nicht die ganze Zeit ärgern muss, dass ich es genommen habe und ich mich noch auf Schoko freuen kann, was immer zuunterst kommt.

Die Eiswahl ist immer noch unkompliziert, die Parteienwahl bereitet mir Kopfzerbrechen – zumindest auf Bundesebene.

Die SPD fällt mal hintenüber, aus der bin ich gerade ausgetreten, das bringt also nichts. Es wäre ein Witz, wenn ich die CDU wählen würde, schließlich kam ein Großteil des Mists, den die SPD die letzten Jahre anstandslos geschluckt hat, aus dieser Ecke.

Die F.D.P. hat natürlich einen liberalen Touch … gehabt. Aber wo ist der geblieben? Schaut man sich die liberalen Eckpunkte an, so hat die Partei diese in den 90ern an Dr. Helmut Kohl verkauft, um mit ihm in einem Bettchen liegen zu dürfen. Es gab da diese Justizministerin Sabine Leutheusser‐Schnarrenberger, die von sich aus zurückgetreten ist, als es ihr zu bunt war – Respekt! – aber wie gesagt, sie trat zurück, weil sie die Linie der Regierung nicht mittragen konnte und wollte. Aber eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und als Bürgerrechtspartei hat sich die F.D.P. nicht gerade positioniert. Auch scheint ihr das Soziale völlig abzugehen. Also diese Partei kann ich als erledigt betrachten.

Ich mag die flotten Argumente von Gregory Gysi – aber das war es dann auch schon. Also die Linke ist auch nichts von mir. Vielleicht tut sich in den nächsten Jahren da was, aber da wo die Partei mit in der Regierung ist, wirkt sie trotz gewichtiger Stimmen wie ein Wurmfortsatz der SPD, nach dem Motto: »Hauptsache mitregieren.«

Und wenn man bei dieser Hauptsache schon ist, dann fallen einem noch die Grünen ein. Die ja mittlerweile auch auf dem Dampfer angekommen sind, dass Opposition Mist ist. Wenn man dann, wie in Hamburg, sich dann noch mit der CDU ins Bett legt und gleich ein Kraftwerk durchwinkt, welches sie zu bekämpfen sie im Wahlkampf laut versprochen haben. Fein! Nein, was aus den geworden ist, kann einem schon zum Heulen bringen: Viele Sicherheitsgesetze, die zum Teil später wieder kassiert worden sind, wurden von den Grünen durchgewinkt. (Gegen die Stimmen der CDU übrigens, denen die damaligen Gesetze zu lasch gewesen sind – nur zur Erinnerung…) Die Grünen sind damals im Falle Serbiens auch mit in den Krieg gezogen. Mag sein, dass die Grünen immer noch pazifistisch eingestellt sind. Aber dieser Pazifismus dürfte sich auf Ortsgruppen‐Niveau beschränken.

Da mag der Wahl‐o‐Mat noch die meisten Übereinstimmungen zu den Grünen erkennen, was hilft es, wenn nach der Wahl in der Regierung die Partei diese Positionen als Geschwätz von gestern betrachtet?

Nicht wählen geht auch nicht. Wenn ich schon das Recht habe, zu wählen, sollte ich es auch als Pflicht betrachten, das zu tun. Denn es ist nicht so, dass ich keine Meinung habe. Von meiner jetzigen Warte aus, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder werde ich den Stimmzettel ungültig machen (gut für die Wahlbeteiligung, schlecht für die etablierten Parteien) oder ich mache gar mein Kreuz bei der Piratenpartei.

Was die Landtagswahl angeht, ist die Entscheidung – Gott‐sei‐Dank – nicht ganz so schwierig. Auch wenn ich noch überlege, unserem dicken Gute‐Laune‐Bär die Stimme zu geben. Nicht nur weil er so sympathisch ist, sondern auch um ihm zu einer satten Mehrheit zu verhelfen. Dann können wir uns die nächsten Jahre anschauen, dass politische Substanz und Kompetenz überhaupt nichts mit Körperfett und Nettigkeit zu tun hat. Das sollte doch auch mal bewiesen werden. Außerdem ist Schleswig‐Holstein sowieso Pleite, da tun die paar Jahre mit Harry auch nicht mehr so weh.

2009-09-12T19:15:55+00:0012. September 2009|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Polylemma