Ganz, ganz schlechte Nachricht - ohne JavaScript werden wir hier nichts...

Die andere Seite

Vor Jahren, und ich will von vorn herein zugeben, dass meine Erinnerungen und Ansichten sehr subjektiv sind, arbeitete ich bei einer Firma, die zwar hehre Ziele hatte, der Markt aber den Zielen der Firma nicht gehorchen wollte und deshalb diese Ziele nie erreichbar waren. Dabei waren die Ziele so weich wie Pudding formuliert, dass man sie hätte leicht erreichen können. Aber mit Pudding ist es halt so eine Sache.

Ich bin ja immer noch der Überzeugung, dass es am Logo der Firma gelegen haben könnte, welches mehr zu einer Baustoffhandlung denn zu einem Unternehmen in der grafischen Industrie passte. Aber Schwamm drüber, die Firma gibt es nur noch in der Erinnerung derer, die dort gearbeitet haben und derer, die damals Geld mit ihr verloren hatten. Diese Firma hatte mehrere Standorte und recht engagierte Betriebsräte. Betriebsräte können, wenn sie gut sind, eine Geschäftsführung ganz schön piesacken. Die Betriebsräte, die wir hatten, machten das ganz gut und konnten so manches Mal ganz üble Geschichten verhindern. Geschichten, wie sie halt auftreten, wenn die Ziele einer Geschäftsführung nicht erreicht werden. (Die Firma schaffte es damals bei sinkender Mitarbeiterzahl den Verlust konstant hoch zu halten. Folge, man baute mehr Mitarbeiter ab. Auf die Idee, dass das Geschäftsmodell vielleicht nicht zieht, kamen die Herrschaften nicht … aber lassen wir das.)

Aber dann hatten die hohen Herren eine geniale Idee. Sie pickten sich zwei der kompetentesten Betriebsräte heraus und machten ihnen das Angebot, Standortleiter zu werden. Huiuiuiui, hätte Samson gesagt, die Hände hoch gestreckt und erst einmal gesagt, das ihm das nicht ganz geheuer erschiene und er darüber ganz genau nachdenken müsse. Die Kunde, dass so eine Entscheidung im fernen Headquarter getroffen wurde, erreichte die Nebenstellen, bevor die beiden Inthronisierten wieder vor Ort waren, um dem gemeinen Volk die Nachricht zu überbringen.

Das gemeine Arbeitsvolk scharrte sich zusammen und rief Nein. Nein., natürlich mit ganz vielen Ausrufezeichen. In meiner Niederlassung war der Haupteinwand, dass der Kollege nicht fachlich kompetent sei. Nun ist mir zu Ohren gekommen, dass Kompetenz nicht unbedingt eine Voraussetzung ist, um Chef zu werden. Insofern lagen meine Bedenken an anderer Stelle. Ich denke, dass man nicht so einfach die Seiten wechseln kann. Kann im Sinne von sollte, aber trotzdem zwingend gemeint, also nicht so lasch wie halt sollte es ausdrückt. Der Kollege damals hat sich dagegen entschieden, da er den Widerstand in Form von Gegenwind spürte. Aber er hatte sich auf das Spiel der Geschäftsführung eingelassen und damit auch das Vertrauen als Betriebsrat verloren. Also doppelt.

Das Spielchen der Geschäftsleitung ging übrigens nicht auf, denn danach kamen nicht etwas kompetente Betriebsräte sondern es kamen kompetente und gleichzeitig unnachgiebigere Arbeitnehmervertreter an die Macht.

Warum mir das heute wieder einfiel: Ich las, dass der Transnet‐Chef in den Vorstand der Bahn wechselt. Ich nehme mal an, dass heute von der GdL‐Seite viele Eintritts‐Formulare heruntergeladen werden und von der Transnet‐Seite einiges ans Austritts‐Formularen gedownloadet wird. Ein komisches Gefühl hatte man bei dem Herren, der immer so traut mit Herrn Mehdorn war, schon immer, aber schlimmer geht’s ja nun wohl gar nicht.

2008-05-08T17:20:02+00:008. Mai 2008|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Die andere Seite