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Liatsy Pisani – »Der Spion und der Schauspieler«

Das Schöne an Serien‐Romanen ist, dass man sich, wenn man den vierten Fall gelesen hat und dann anfängt, die Vorgänger‐Romane zu lesen, keine großen Gedanken mehr um den Haupthelden machen muss. Wenn er in Fall vier immer noch unterwegs ist, dann kann es für ihn in den ersten Fällen ja nicht tödlich erwischt haben, und das ist ja auch schon mal was. Schicksalsschläge sind zwar auch nicht ohne, aber besser noch als tot sein. So wird mein Puls bei den Romanen um den Spion Odgen auch nicht ganz so in die Höhe schnellen, wie bei diesem Fall, da ich mir nicht mehr ganz so viele Sorgen machen muss.

Irgendwo schwirrt noch ein Buch von Liatsy Pisani rum, dass ich mir vor einer halben Ewigkeit gekauft habe. Wenn mich nicht alles täuscht, war es der Roman »Der Spion und der Bankier«. Über die ersten Seiten bin ich nicht hinausgekommen, und ich muss gestehen, dass es mir bei diesem Roman fast auch so gegangen war. Odgen, den ich ja bisher nicht kannte (oder nur von den ersten Seiten des Romans, den ich nicht gelesen hatte), macht in Griechenland Urlaub. Er trifft durch Zufall den Schauspieler Lange, einen Deutschen.

Odgen war auf dem Weg zu der Villa eines Freundes, denn er hatte sich entschlossen, aus dem Dienst (wie der private Geheimdienst, für den er gearbeitet hatte, schlichterweise heißt), auszuscheiden. Lange dagegen hatte sich auf die griechischen Inseln begeben, um an einem Meditationsseminar teilzunehmen. Eine reichlich dubiose Sache, zumindest für mich, wobei der arme Schauspieler Lange, dessen Handwerk Sprache ist, sogar neun Tage nicht sprechen konnte. Das überstand er aber tadellos, aber als er denn sein Mundwerk wieder aufmachte, äußerte gegenüber einem Freund (der Journalist war), die Vermutung, dass sein Freund George Kennealy nicht einfach so abgestürzt war, sondern umgebracht worden war. Eine Äußerung, die so richtig war, wie sie auch leichtsinnig getätigt wurde.

Kurze Zeit später sah sich Lange von zwei Männern verfolgt, die ihn überzeugten wollten, dass es besser wäre, zu sterben. Lange, so alt noch nicht seiend und gerade mental gestärkt, wehrt sich dagegen und flüchtet. In seiner Not weiß er sich nicht anders zu helfen, als sich an Odgen zu wenden, der ihm locker angeboten hat, dass Lange sich melden könne, wenn er mit seinem Kurs fertig wäre. Lange, nichtahnend, dass Odgen ein Geheimdienstler war, begibt sich in die richtigen Hände. Denn Odgen hat ein Händchen dafür, wie man eine Flucht organisiert.

Was Odgen indes nicht weiß, ist, dass die Männer, die für den Tod von George Kennealy (übrigens ein potentieller Präsidentschaftskandidat, mir fallen da schon Parallelen ein) verantwortlich waren, nichts unversucht ließen, um an den Schauspieler heranzukommen. Denn der konnte Denjenigen nennen, der George Kennealy mit dem Tode bedroht hatte.

Als diese Kräfte merken, dass Odgen ein Geheimdienstler waren, kommen sie auf die Idee, das Haus in die Luft zu sprengen, in dem sich Odgen aufgehalten hatte und in dem er Lange Unterschlupf gewährt hatte. Dass das keine gute Idee war, bekamen sie indes nicht sofort heraus, auch wenn sie wussten, dass das Haus einem gewissen Stuart gehörte, der so »gewiss« gar nicht war, denn bei diesem Stuart handelte es sich um niemand anderem, als dem Chef des Geheimdienstes, für den Odgen gearbeitet hatte, und dem Freund desselben. Klar, dass der stinksauer gewesen war.

Andererseits, dass muss natürlich aus der Perspektive von Stuart gesagt werden, war es ein gefundenes Fressen. Denn Odgen hatte aus Gründen, die für Stuart sehr verständlich waren, einen Narren an dem Schauspieler gefressen und wollte alles tun, damit dieser am Leben blieb. Dafür, hier zwinkern wir mal gehörig mit den Augen, war es ihm gar nicht so unrecht, dass sein Haus in die Luft gesprengt wurde, trieb es doch sein bestes Pferd aus dem Stall geradewegs wieder in den selbigen zurück.

Dass Odgens Freundin darüber nicht glücklich war, versteht sich ganz von selbst. Aber die sollte bald noch viel mehr Ungemach zu beklagen haben.

Hätte ich geahnt, wie rasant der Roman spannend wird, denn man musste hier nur die ersten 36 Seiten überstehen, dann ging es in die Vollen, dann hätte ich den ersten Roman nie beiseite gelegt. Klar, dass sobald ich nach Hause komme, ich mich auf diese Suche nach selbigem mache, um zu überprüfen, ob die Qualität der Romane von Liaty Pisani eine gleichmäßige ist, um alsbald alle Romane von ihr zu verschlingen.

Ich habe einen Spion gefunden, der mir sehr gut gefällt. Dabei fällt mir übrigens ein, dass ich einen Schriftsteller seit langer Zeit nicht mehr angefasst habe: Eric Ambler. Diogenes hatte im Dezember ein Heftchen herausgebracht, in der nicht nur die Bestseller aufgelistet waren, die sie verkaufen (sicher sehr, sehr beeindruckend), sondern sie haben auch mal eine Liste veröffentlicht, in der die Worst‐Seller aufgelistet waren. Dankbarerweise war kein Simenon auf der Liste zu finden (was micht heilfroh macht), allerdings war ein Eric Ambler auf der Liste zu finden, und das stimmte mich ziemlich traurig. Zeit, dass ich mal wieder Ambler lese, Zeit, dass ich hier über ihn schreibe. Und warum mir das jetzt so einfällt: Der Stil, in dem Pisani schreibt, ähnelt ein wenig dem von Ambler. Er ist zeitgemäßer, sprich mit ein wenig mehr Gewalt, aber vom Aufbau der Romane gibt es Ähnlichkeiten, die mir nicht unsympathisch sind.

Liebe Liaty Pisani, schön, dass wir uns auf diese Art und Weise kennengelernt haben.

Disclaimer: Ich bekenne, dass sich die Schriftstellerin Liaty Pisani durch die Verwendung von Orten, die ich sehr genau kenne, zusätzlich in mein Herz geschrieben hat und ich deshalb mehr als befangen bin.

2007-03-28T09:00:00+00:0028. März 2007|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Liatsy Pisani – »Der Spion und der Schauspieler«