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Heinrich Steinfest – »Cheng«

Irgendwer beklagte mal, dass es schwierig wäre, deutsche Autoren zu finden, die einen Krimi in sprachlich erfreulicher Qualität schreiben könnten. Da fallen mir auch nicht so sonderlich viele ein. Aber man sieht über vieles hinweg, wenn man an Spannung interessiert ist. Gerechterweise sei natürlich gesagt, dass man die Klage nicht nur bezogen auf deutsche Autoren führen könnte: Wer würde einem Jeffery Deaver oder einem Michael Crichton sprachliche Brillanz bescheinigen wollen?

Schön, wenn man dann mal auf einen Autoren stößt, der nicht mit erfrischenden Geschichten, genialen Einfälle und einer eindrucksvollen Sprache daherkommt. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wem ich danken muss. Was es der SPIEGEL mit einer kleinen Notiz oder war es die ZEIT. Die KIELER NACHRICHTEN waren es jedenfalls nicht, aus der habe ich mir übrigens noch nie Bücherempfehlungen holen können, was schade ist, aber sich nun wirklich nicht ändern lässt. Der Name Heinrich Steinfest sagte mir nun überhaupt nichts. Umso größer die Überraschung bei der ersten Besorgung, dass es eine Reihe von Büchern von ihm gibt.

Ich bestellte mir ein Buch und siehe da, es war gleich das falsche. Denn es ist eigentlich immer schlecht, wenn man mit dem dritten Teil einer Reihe anfängt, aber konnte ich das ahnen? Eingepackt und mitgenommen. Das hat man davon. In der Folge machte ich es richtig. Kaufte mir zuerst den ersten Teil, der an dieser Stelle besprochen wird, um dann letztlich den zweiten zu lesen.

Im Mittelpunkt dieser Minireihe steht Markus Cheng, ein waschechter Wiener der Dank seiner Abstammung von zwei chinesischen Eltern nicht nur einen chinesisch klingenden Namen mit auf den Weg bekommen hatte sondern auch ein komplett chinesischen Aussehen.

Selbiges führte immer wieder zu Problemen: Chinesische Taxifahrer erzählen ihm aus der Heimat, aus ihrer Heimat, nicht der seinen, in einer Sprache, die überhaupt nicht versteht. Cheng sprich nur deutsch. (Vielleicht ja auch noch englisch, aber das wird meines Wissens nicht weiter erwähnt). Die Auftragslage ist für einen chinesischen wienerischen Detektiv nicht gerade berauschend und so ist Cheng froh, wenn ihm mal ein Fall zufällt.

Der, den er dann bekommt, ist komplett mysteriös. Ein junger Mann fühlt sich verfolgt und beobachtet, dass eine Frau, komplett maskiert, in seine Wohnung eindringt. Sie hinterlässt Zettelchen mit der Aufschrift »Remeber St. Kilda«. Das sagt dem jungen Mann nun überhaupt nichts. Auch der Privatdetektiv kann mit dem Zettel wenig anfangen und macht sich auf die Suche nach St. Kilda. Die Auswahlmöglichkeiten, die er da hat, sind reichlich gesehe. Aber keine führt zu einer Spur, die befriedigen könnte.

Seinen Klienten schon gar nicht. Denn eines Tages wird er tot aufgefunden. In seiner Nähe wird ein Zettel gefunden, auf dem »Forget St. Kilda« steht. So einfach ist das aber nicht, denn Cheng lässt sich ungern Klienten wegnehmen. So reichlich sind sie schließlich nicht gesät. Dass einem ein Patient wegstirbt wird nicht so besonders gern unter Ärzten gesehen; dass aber ein Klient einem Privatdetektiv unter der den Händen weg ermordet wird, ist noch unerfreulicher. Da hilft auch kein Vergessen.

Markus Cheng opfert sich soweit auf, dass er einen Arm verliert. Das ist mitnichten zuviel verraten, den auf den Buchrücken der nächsten Bücher wird er als einarmige Detektiv beschrieben. Ein Vorgriff zwar, aber nicht auflösungsentscheidend. Sollte ich einen Vorwurf formulieren müssen, wäre es der, dass die Dialoge manchmal ein wenig gekünstelt wirken. Was in der Prosabeschreibung einer Situation sehr gut ankommt, wirkt in den Dialogen nicht wirklichkeitsgetreu. Hat man sich daran gewöhnt und mag man die Schreibart von Heinrich Steinfest, so kommt man nicht mehr los von seinen Büchern.

2007-03-08T09:00:01+00:008. März 2007|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Heinrich Steinfest – »Cheng«