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Graz

Abwechslung ist gut, manchmal aber auch nicht. Nehmen wir beispielsweise Graz: Wir haben hier ein schönes Hotel, mehr braucht man ja schon gar nicht, um als Dienstreisender glücklich zu sein. Da drängt es einen nicht nach Abwechslung. Man weiß, was man hier mit dem Augartenhotel hat.

Man steht schon vor dem Hoteleingang und denkt sich, was für eine moderne Anmutung hat doch dieses Gebäude. Ein leichtes Spiel mit Farben, aber noch mehr mit Formen. Es heißt nicht umsonst, dass es ein Design‐Hotel wäre. Wie es sich für solche Hotels beschränkt sich das Design des Augartenhotels nicht nur auf das Äußere des Hotels und den Eingangsbereich. Auch die Zimmer partizipieren von diesem Design.

Sie haben eine angenehme Größe, wesentlich über dem Standard liegend. Die Zimmer, die ich bisher gesehen habe, hatten alle ein Vollbad (sprich mit Badewanne, worauf ich aber noch zurückkomme) und die meisten Zimmer haben auch einen Balkon (oder eine Terrasse). Wenn es doch solche Hotels zu solchen Preisen in Paris gäbe – die Stadt wäre perfekt. Aber da niemand und nichts perfekt ist, hat Paris solche Hotels in der Preisklasse nicht zu bieten.

Graz hat natürlich auch seine Reize, eine schöne Stadt in schöner Umgebung, aber ein Vergleich mit Paris ist da nicht zu wollen.

Wenn man von München anreist, und dieses Glück habe ich jetzt mehrfach gehabt, so fliegt man Graz mit einer Propeller‐Maschine an. Dagegen ist an sich nichts einzuwenden. Ich weiß aber nicht, warum es so ist, aber auf jeden Fall habe ich jedes Mal die Sitzreihe, in der man dem Propeller ins Auge schaut. Immer! Zu irgendeinem Zeitpunkt während des Anlaufens, des Starts oder des Flugs, stelle ich mir immer vor, der Mechaniker hätte beim letzten Mal eine Schraube nicht richtig festgezogen und der Propeller, ein monströses Teil, würde sich lösen, sich seitlich bewegen und mich wie in eine Mulinette verhackstücken. Natürlich ist die Vorstellung aus mehreren Gründen völlig daneben: Zum Einen hätte ich in einem solchen Fall wahrscheinlich noch großes Glück, denn ich wäre sofort hinüber, während die anderen Passagiere noch furchtbar Schreien und Kreischen während das Flugzeug seinen Weg zum Boden macht, vielleicht sogar in zwei Teilen. Der zweite Grund scheint mir sogar noch plausibler. Löst sich das Teil, wird es vermutlich nach unten fallen. Schwerkraft, sage ich nur. Womit ich dann im schlimmsten Fall aber zur zweiten Gruppe gehöre, die schreit und kreischt und sich die Haare rauft, sich fragend, warum nicht dieses eine Mal wenigstens die Sekretärin hat einen Business‐Class‐Flug gebucht hat, wo während des Absturzes wenigstens noch Champagner gereicht würde. Wobei ich an der Stelle wahrscheinlich was mit der Titanic verwechsle.

Womit ich wieder beim Hotel bin, welches mir eine kleine Enttäuschung bereitete. Das Bett ist wirklich breit und die Bettwäsche von einem Weiß, welches meine Oma, würde sie noch leben, blaß vor Neid werden ließe. Ein solche breites Bett, nur für mich allein, das hat natürlich schon was. Die Einzelzimmer, in denen man sonst nächtig, haben auch nur Einzelzimmerbetten, die recht schmal sind. Zu Hause muss man sich das breite Bett mit der Frau teilen, die aber allzugern Besitz von der Hälfte des Ehegatten ergreift, also meiner Seite, dass ich schon mal in der Nacht aufgestanden bin, und die Seite gewechselt habe. Sehr zur Verwunderung meiner Frau. Hier war es jetzt ein wenig anders. Ich schmiss mich in der Bett, oh Freude!, in die Mitte, wie es sich bei einem solche breiten Bett gehört und registrierte: ein Spalt! Somit hatte sich die Breite des Bettes erledigt. Ich musste mich wieder für eine Seite entscheiden, womit das Flair eines Einzelzimmerbettes wieder hergestellt war.

Sodann versprach ich noch, auf das Thema Dusche zurückzukommen: Bei meinem ersten Versuch hatte ich die Idee, ich müsste die Badewanne als Hort meines Badevergnügens nutzen. Eine blöde Idee: Aber mit dem Kollegen war aufgrund von Fußball nicht soviel los und so machte mir die Hitze, die im letzten August (oder war es schon September?) hier herrschte nichts aus – ich wollte baden. Nur wollte sich das Wasser nicht über den Wasserhahn einfüllen lassen. Den bekam ich einfach nicht in Betrieb. Letztlich habe ich das Wasser über den Duschkopf eingelassen, das war aber eine sehr mühselige Angelegenheit. Pech gehabt, dachte ich mir. Beim nächsten Mal wird es sicher anders. Das es fast ein halbes Jahr gedauert hat, bevor ich hier wieder aufschlage, konnte ich damals nicht wissen. Gestern abend war es soweit: Die Kollegen wollten ins Bett, ich wollte in die Wanne. Ich betätige den Knopf und schalte das Wasser ein. Es kommt von oben. Ich drücke, ich ziehe – nein, es war schon ein anderes Zimmer als damals! – das Wasser kommt problemlos aus dem Duschkopf, es kommt aber nicht aus dem Wasserhahn. Resigniert, aber immer noch badewillig (zur Zeit ist das Wetter hier nicht so kalt, aber regnerisch genug, dass man sein heil auch in der Badewanne sucht), ließ ich das Wasser wieder auf dem mir im Augartenhotel vertrauten Wege ein.

Heute morgen, eine Blitzdusche war angesagt, machte ich das Wasser an. Und es kam nichts aus dem Duschkopf, dafür aber aus dem Wasserhahn. Nun habe ich heute abend ein Bad eingelassen, wie es sich gehört, das Prinzip habe ich aber trotzdem noch nicht ganz verstanden.

Das Frühstück hier ist aber wirklich fein.

2007-03-09T10:40:00+00:009. März 2007|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Graz