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Charles Willeford – »Neue Hoffnung für die Toten«

Jerry Hickey hatte kein Glück gehabt. Nicht besonders alt geworden, und das obwohl er in einem behüteten Haus aufgewachsen war. Die Eltern waren recht wohlhabend, aber Geld ist halt nicht alles und so landete Hickey unter den Drogensüchtigen von Miami und so wie es aussah, verstarb er an einer Überdosis. Nichts, was die Polizei wirklich zu interessieren hatte. Der Fall wurde aufgenommen und war damit schon fast erledigt. Wenn da nicht etwas merkwürdige Konstellation im Hause Hickey war.

Hickey lebte nicht bei seinem Vater, auch nicht bei seiner Mutter, sondern bei seiner Stiefmutter, die aber mittlerweile auch schon die Ex von seinem Vater war. Sie kamen gut miteinander aus, meinte die Stiefmutter. So ist der Ex darauf gekommen, den Sohn bei seiner Ex zu lassen und alimentierte dies recht großzügig.

Hoke, der auf den Fall übernahm, wird zuerst mit polizeilicher Schlampigkeit konfrontiert. Dabei war das geringste Vergehen der Vor‐Ort‐Polizisten noch eine nicht aufgesetzte Mütze (»Trägt ein Polizist eine Waffe, so hat er auch eine Mütze zu tragen.«), vielmehr irritiert Hoke, dass Geld fehlt, dass sich in den Brieftaschen der Polizisten wiederfindet. Das Geld ist Beweismittel, und beschlagnahmt es aus den Brieftaschen der Polizisten heraus. Hatte ich schon erwähnt, das Hoke nicht unbedingt der beliebteste unter Miamis Polizisten war.

Aber der Ermittler hatte es auch nicht leicht: Irgendein hoher Fuzzi war auf die Idee gekommen, dass alle Polizisten, die beim Polizeidepartment in Miami angestellt waren, auch in der Stadt zu wohnen hatten. Ein herber Schlag für Hoke, der es sich recht bequem als Hausdetektiv in einer Art Hotel gemacht hat und bei diesem Agreement nichts zu zahlen hatte. Nun musste er sich noch eine Wohnung suchen, die er nicht bezahlen konnte.

Eine weitere Idee seiner Vorgesetzten war eine Aktion, bei der alte Fälle aufgearbeitet werden sollte. Eine unabhängige Kommission sollte sich die Fälle noch einmal anschauen, und versuchen die Fälle zu lösen. Zu dieser Kommission gehörte Hoke. Von seinen aktuellen Fällen wurde er abgezogen und mit seinem Kollegen jagte er, wenn man noch von Jagen sprechen konnte, alten Fällen hinterher. Zur Freude seiner Vorgesetzten gab es auch rasche Erfolge, die sich einfach einstellten, da ein Mord den Mörder auch verändern konnte, gefügiger machte. Unmittelbar nach der Tat waren die Täter noch fest und »uneinnehmbar«. Das kann sich mit der Zeit ändern, und von dieser Veränderung partizipierte die Ermittlungsgruppe.

Veränderungen gab es auch im privaten Umfeld der Ex‐Frau Hokes. Die hatte sich neu gebunden, und die Kinder, die Hoke zu üppig zu unterstützen hatte, standen eines Tages vor seiner Tür und erklärten ihm, dass sie ab jetzt bei ihm wohnen würden. Eine reizende Überraschung, die nur noch durch die Offenbarung seiner Kollegin übertroffen wurde, sie sei schwanger und wäre von ihren Eltern vor die Tür gesetzt wurden (vor die Tür der Wohnung, die sie übrigens bezahlte.)

Jede Menge Probleme also, die Hoke zu lösen hatte. Er bedient sich dabei interessanter Mittel, die allerdings nicht immer staatlich legitimiert waren. Der erste Roman war ein wenig witziger, aber das macht dieser durch Vielschichtigkeit wieder wett. Aus diesem Roman hätte Willeford locker auch zwei machen können. Trotzdem wirkt der Roman nicht überladen und man hat keine Scheu, zu einem weiteren Willeford zu greifen.

2006-12-29T09:00:00+00:0029. Dezember 2006|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Charles Willeford – »Neue Hoffnung für die Toten«