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Weihnachten mit zwei Miezen im Bett

Weihnachten ist vorbei, der vor Silvester‐Stress hat aber schon begonnen. Nach Jahren, in denen ich auf das Weihnachtsfest gut hätte verzichten können, ist in den letzten Jahren wieder etwas Schwung in das Fest gekommen. Und was soll ich sagen: Es liegt an einem selbst.

Ich war an Weihnachten noch nie in der Kirche, weil ich auf ganzer Linie atheistisch aufgewachsen bin und heute das bin, was man langläufig als Agnostiker bezeichnet. Meine Frau mag an den Herren oder die Dame dort oben oder irgendwo glauben, aber ist nicht in der Kirche. Weihnachten ist für uns ein Fest der Familie und nicht ein Fest, dass dem Herren, seinem Sohn oder der Kirchensteuer.

Meine Weihnachtsgeschenke habe ich, wie immer, auf den letzten Drücker gekauft, konzipiert und/oder fertiggestellt. Gut, dass ich Freitag vor Weihnachten frei hatte. Am 23. sind wir nach Potsdam aufgebrochen, mit einem Zwischenstopp in Hamburg, wo wir meine Schwester abholten. So hatten wir unsere Geschenke, unsere kranke Katze (der es ganz gut ging) und meine Schwester mit den Geschenken, die sie nicht vergessen hatte, dabei und wurden von der Mutti mit Königsberge Klopsen begrüßt, die von meiner Frau mit außerordentlicher Freude aufgenommen wurde (zumindest was den Quetsch‐Zustand der Kartoffeln anging).

Die Katze fühlte sich in der Wohnung fast sofort heimisch. Inspizierte die gesamte Wohnung und mein Vater sorgte mehrmals für Fast‐Herzinfarkte bei meiner Frau, da er die Balkontür sperrangelweit aufließ, was die Katze mit außerordentlichem Interesse aufnahm, bei Susann aber Panikattacken auslöste: Die Katze könnte vom Balkon springen! Mag sein: Aber mein Vater ist es seit Jahren gewöhnt, die Balkontür aufzulassen und wird es nicht innerhalb von zwei Tagen lassen. Die Katze verbrachte also viel Zeit im ehemaligen Kinder‐ und jetzigem Gästezimmer.

Die erste Nacht war gleich ein Abenteuer. Die Katze schlief bei uns im Zimmer. Von Schlafen konnte aber gar nicht die Rede sein. Irgendwie fand sie es total herrlich, nicht ausgesperrt zu sein und Herrchen und Frauchen in einem Bett, das war ja eine dolle Sache. Da könnte man sich glattweg dazu legen. Nur fand Nala nicht die richtige Position: Sie lag mal hier, mal dar. Sprang hierhin, ging zum Futternapf und schleckte laut, was das Zeug hielt, was einen Besuch des mobilen Katzenklos notwendig machte, was wiederum mit ausführlichem Scharren verbunden war. Sprich: Es war keine ruhige Nacht.

Heiligabend hatte ich wirklich alle Geschenke fertiggestellt. Gegen sechs Uhr ging es los. Meine Mutter wollte die Bescherung nach dem Abendbrot durchführen. Da wir aber pappesatt waren, wurde die Geschenkeübergabe vorgezogen, und vor dem Abendbrot hatte ich alle Geschenke. Danach wurde, wie am Vor‐Heiligabend, gespielt. Große Freude bereitete uns übrigens die Brockhaus‐DVD unseren Vaters, der uns dazu inspirierte, Europa zusammenzupuzzeln. Die Länder gehen ja noch, aber die Hauptstädte, können schon problematisch werden.

Nach der Weihnachtsgans am ersten Weihnachtstag sind wir nach Haus gefahren. Die Gans war ein Gedicht, woran die Schwarzwurzeln, der Rotkohl, das Backobst und vor allem die Kochkünste meiner Mutter nicht ganz unschuldig sind. Mit vollen Magen waren wir auf der Piste und im Gegensatz zur Hinfahrt machte die Katze ordentlich Terror.

AM zweiten Weihnachtstag waren wir der Familie mütterlichseits. Hier wurde zuerst gegessen (Sauerbraten, sehr schmackhaft), dann die Geschenke überreicht und dann wurden letztlich Spaß‐Geschenke gespielt. Es erinnerte ein wenig an Julklapp. Daran habe ich eigentlich nicht so gute Erinnerungen: Damals als Steppke hatten wir auch immer Julklapp und warum ich diese Tradition nicht mag, kann ich erklären, dazu muss ich aber etwas weiter ausholen. Damals im Osten hatten viele Schulklassen sogenannte Patenbrigaden. Unsere Patenbrigade arbeitete in einem Textilbetrieb und und man konnte die Frauentruppe nicht die interessanteste Patenbrigade der Welt nennen: eine Gruppe von Buchhalterinnen. Ich weiß gar nicht, wie man an eine Patenbrigade kam, ich weiß aber noch genau, dass Frau A. nicht nur im Elternkollektiv meiner Klasse war, sondern auch in dere Patenbrigade arbeitete, ihre Tochter war in meiner Klasse. So lief die Connection. Die Patenbrigade rief einen Zeichenwettbewerb aus, an dem man nicht teilnehmen durfte, sondern teilnehmen musste. Meine Zeichenkünste sind legendär und erfreuten auch meinen Kunsterziehungslehrer (darüber würde ich auch gern noch mal ein Wort verlieren) so sehr, dass ich über eine drei nie hinaus gekommen bin und mehr zum anderen Ende tendierte. Ich glaube, nur der Einfluss meiner Klassenlehrerin Frau Obst ist es zu verdanken, dass im Abschlusszeugnis eine 3 steht. Eine Art Männerquote habe ich das gnädige Ergebnis im Zeugnis zu verdanken (was aber wieder ein ganz anderes Thema ist). Frau A. (und ich will einen tiefen Kniefall in Richtung Potsdam machen, wenn es nicht Frau A. sondern Frau S. war (auch Elternkollektiv)) war wohl so enttäuscht, dass ich eine solche miserable Zeichnung abgegeben habe, das Thema war Internationaler Kindertag (damals ja kinderfreundlich am 1. Juni), dass sie beschloss, sich am Julklapp dafür zu revanchieren. Ich bekam Buntstifte geschenkt. Meine Freude darüber war riesig. Aber nichts gegen die Freude meiner Mutter, die sich darüber tierisch aufregte, denn das Julklapp‐Geschenk das wir gemacht hatten, war etwas Schönes und Nützliches. Ich neige übrigens heute noch zu der Ansicht, dass man Kunst lehren kann, aber Kunst nur lernen kann, wenn man Talent hat. Wenn ich Talent zum singen habe, kann ich singen; wenn ich Talent zum zeichnen habe, kann ich zeichnen. Fehlt mir das Talent, ist leider nichts zu machen. Insofern sollte es nicht benotet werden, es sei denn ich habe mich freiwillig für einen solchen Zweig verpflichtet. Gehe ich also freiwillig zum Klavierunterricht, und mache das, weil ich Lust und Laune habe, dann soll es bitteschön benotet werden. Ich weiß natürlich, dass ich damit das gesamte Benotungssystem in Frage stelle, denn es gibt auch Talente für Mathematik, Sprache und naturwissenschaftliche Themen, aber hier kann ich in der Schule auch durch Auswendiglernen bestehen. Aber wie soll ich eine Aquarell‐Zeichnung und die Komposition von Farben lernen können, wenn ich talentlos bin? Wie soll ich mit Wurstfingern musizieren können?

Das Julklapp‐Fest meiner angeheirateten Verwandten war aber lustig, so lustig, dass es am Neujahrstag nochmal wiederholt wird. Geschenkt wird von vornerein nur Unnötiges und Unnützes, wie es damals Frau A. aus Potsdam schon wegweisend vorgeführt hat. Die Geschenke kamen auf einen Haufen. Dann wurde gewürfelt. Wer eine sechs hatte, durfte sich ein Geschenk aussuchen. Danach wurden wiederum gewürfelt, ohne dass das Geschenk ausgepackt werden durfte. Wer eine sechs bekam, durfte einen anderen am Tisch, zum Tausch nötigen. Nach fünf oder zehn Minuten, wird der Tausch beendet, und die Geschenke ausgepackt. Jeder freut oder ärgert sich über das, was er bekommen hat (in unserem Fall war das ein Deutschland‐Staubwedel oder zwei völlig schreckliche Uhren). Nach dem ersten Schreck wird noch einmal fünf Minuten gewürfelt, wo man versuchen kann, das Schlimmste rückgängig zu machen. Ist in meinem Fall nicht gut gegangen, und ich hatte das gleiche Glück wie mit den Stiften und nahm die Uhren, die ich in der Runde versorgt hatte, wieder mit nach Hause. Später am Abend verlegte man sich auf Poker, bei der ich als blutiger Anfänger die zweite Runde für mich entscheiden konnte. Hey! Glück in der Liebe und Glück im Spiel. Was will man mehr?

Am dritten Weihnachtstag, den es offiziell ja nicht gibt, schaffte sich Susann ein 390‐Liter‐Aquarium an, mit dem sie noch Wochen beschäftigt ist. Die schlechte Nachricht: Der Katze geht es wieder schlechter. Ihr hängt die Zunge aus dem Mund, sie schnieft wieder vor sich hin und verliert jetzt Flüssigkeit und Gewicht. Zu allem Überfluss verdreht sie noch auf abenteuerliche Weise die Augen. Das Thema »Einschläfern« macht wieder seine Runde. Der Katze geht es immer schlimmer, keiner weiß was sie hat und die Tierärzte von der Hochschule in Hannover melden sich auch nicht (Dank übrigens für die Zuverlässigkeit! Meine Frau hat Euch ja nur Geld mit dem Gegenwert eines kleinen halben gebrauchten Kleinwagen in den Rachen geworfen, ein Rachen, der bei der Katze bei Gott nicht in Ordnung ist.).

So, das war mein Weihnachten.

2015-07-28T11:56:55+00:0030. Dezember 2006|Categories: Katzen|Tags: , , |Kommentare deaktiviert für Weihnachten mit zwei Miezen im Bett