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Boris Akunin – »Türkisches Gambit«

Warja Suworowa saß ordentlich in der Patsche, als sie in einer bulgarischen Spelunke feststellte, dass ihr Transporteur sich von dannen gemacht hatte und zwar mit ihrem Gepäck und ihrem Geld. Die Diskussionen mit dem Wirt, der sie wahrscheinlich nicht verstand, und von dem sie wusste, dass sie ihn nicht verstehen würde, ließen ihr den Schweiß auf die Stirn treten. Ob es nun ein Glücksfall war, sollte sich erst noch herausstellen, aber ein Mann trat an ihren Tisch und erklärte ihr in bestem Russisch, dass es besser gewesen wäre, wenn sie zu Hause auf ihren Bräutigam gewartet hätte.

Eine Unverschämtheit, sollte man meinen. Warja aber war noch im Stadium der Überraschung und fragte sich, wie jemand erahnen konnte, dass sie zum Einen eine Frau war und zum Anderen auf der Reise zu ihrem Bräutigam war. Noch bevor sie diese Fragen stellen konnte, bekam sie schon die Antworten darauf. Und der geübte Akunin‐Leser wusste schon, dass der Retter der Frau kein geringerer als Fandorin war.

Geld, so stellte er fest, war nicht das Problem. Die Frau konnte er problemlos auslösen. Aber sie müssten aus diesem Nest ja wegkommen und er hätte nur ein Pferd, dass zwei Menschen auf keinen Fall tragen könnte. Aber Fandorin findet schnell eine Lösung, tritt zu den Bauern und schlägt ihnen ein Spiel vor. Warja versteht immer noch nicht, wie ihr geschieht, aber alsbald kommt Fandorin zurück und lässt einen höchst erregten Bauern zurück. Einen Esel hätten sie jetzt, der wäre vielleicht nicht das Gelbe vom Ei, aber immerhin könnte Warja so mit ihm mitkommen. Er würde auch zu den Truppen des russischen Heeres wollen. (Später findet Warja heraus, dass Fandorin angeboten hatte, dass er dem Bauern kein Geld geboten hat, sondern Warja als Einsatz angeboten hatte, worauf der Bauer dankbar eingegangen war.)

Fandorin hat eigentlich keine rechte Lust, Ermittlungen vorzunehmen. Aber man erzählt ihm von einem türkischen Meisterspion, der sich in die höchsten Ebenen seines Landes hochgearbeitet hat und nun das Schicksal des Krieges zwischen der Türkei und Russland in den Händen hielt. Es würde viel daran liegen, diesen Mann unschädlich zu machen. Weniger die Verpflichtung für sein Land war es, die Fandorin ein willigen ließ. Es war der Nervenkitzel, sich mit jemandem zu messen, der in der gleichen Liga spielte.

Der Gegenspieler Anwar Effendi war allerdings schon bestens aufgestellt und hatte seine Fäden gezogen.

Fandorin war nicht mit leeren Händen ins Lager gekommen, sondern hatte einen Plan der türkischen Armee ausgekundschaftet. Eine Stadt sollte besetzt werden, die von zentraler Bedeutung war. Fandorin hatte dringend empfohlen, Gegenmaßnahmen einzuleiten. Die Heeresleitung war einverstanden und meldete Vollzug. Nur war es eine andere Stadt, die eingenommen wurde, unglücklicherweise auch noch völlig unwichtig.

Die Verwechslung beruhte auf dem Telegramm, dass verschickt wurde. Diese Schaltstelle wurde von Warjas Bräutigam besetzt. So wurde dieser verhaftet und stand unter dem Verdacht des Verrats. Das mochte die gute Warja, die viele Werst auf dem Buckel hatte, um zu ihrem Geliebten zu kommen, nicht glauben. Ob es Fandorin glaube, war nicht wichtig, er nahm das junge Mädchen unter seine Fittiche, wohl wissen, dass der Bräutigam, wenn auch unschuldig, eine Rolle in einem Spionagedrama spielte.

So dreht sich das Buch um die Eroberung der Festung Plewna, bei der viel Blut fließen sollte und die Pläne der russischen Armee immer wieder durchkreuzt wurden. Eindeutig durch Verrat und sehr wahrscheinlich gesteuert von Anwar. Fandorin gerät unter starkem Druck, denn der sicher geglaubte Sieg steht auf dem Spiel. Die Armeeführung ist nicht amüsiert.

2006-12-25T09:00:01+00:0025. Dezember 2006|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Boris Akunin – »Türkisches Gambit«