Ganz, ganz schlechte Nachricht - ohne JavaScript werden wir hier nichts...

Joey Goebel – »Freaks«

Wie sehen Diogenes-Bücher aus? Die üblichen Taschenbücher und auch die Hardcover. Weißer Umschlag. Genau! Ein abgerundetes Rechteck, dessen oberen Teil ein Bild ziert. Darunter der Atuor und in kursiver Schrift der Titel. Ganz klare Sache. Diogenes müssten sie an den unteren Teil gar nicht schreiben. Wahrscheinlich ist es eine gute Idee, mit einem Buch wie »Freaks« mit dieser Traditions zu brechen.

Das neue Format heißt Diogenes Paperback und erscheint in einem etwas größeren Format als die üblichen Bücher. Der Preis dieses Paperbacks scheint sich mit 15 Euro nicht sehr weit von den üblichen Diogenes-Hardcovern zu entfernen. Aber es gibt ja mittlerweile einen Trend zu solchen Premium-Ausgaben in Taschenbuch-Ausstattung, wie man von dtv weiß. Mir ist das letztlich egal, denn schließlich geht es um den Inhalt und der hat es bei »Freaks« in sich.

Sie kennen Joey Goebel noch nicht? Sie sind meiner Empfehlung »Vincent« zu lesen, nicht gefolgt? Selber Schuld, denn dann kann ich Ihnen auch nicht helfen. Besorgen Sie sich das eine Buch, dann werden Sie das andere auch lesen. Das verspreche ich Ihnen.

Ich habe Joye Goebel auf der Buchmesse im letzten Jahr gelesen und muss ganz ehrlich sagen: Sein ganzes Auftreten machte ihn fürchterlich sympathisch. Aber nun zu den Freaks: Der Roman spielt in einer kleinen Stadt in Kentucky, in der wirklich überhaupt nichts los ist, die aber immerhin so groß ist, dass in ihr auch Busse verkehren. In ihr laufen sich fünf Menschen über den Weg, die unterschiedlicher nicht sein können. Ex-Soldaten, Altersheimbewohner, Hilfsarbeiter, Schüler und Pastorinnen-Töchter. Diese haben das Ziel, schnell bekannt, berühmt und berüchtigt zu werden. Dafür sind sie bestens geeignet.

Beispiel: Ember. Acht Jahre, wie steht es im Buch? Furchtbar süß. Leider hat es nur den Augenschein, den im geeigneten Augenblick beschimpft sie einen, aber nur wenn man Glück hat. Man könnte von ihr auch bespuckt werden. Sie terrorisiert die Mitschüler und Lehrer, hat sogar ihre Eltern in die Flucht geschlagen. Ihr Kindermädchen kommt mir ihr aber bestens zurecht, aber dies ist ja auch mit bei der Gruppe von der Partie.

Freaks kann man sie nennen, weil sie keine Lust haben, sich anzupassen. Sie scheinen die Konfrontation mit den Normalos zu suchen. Sei es auf der Arbeit, sei es im Restaurant. Immer. Sie gehen gegen die Verwandtschaft an, gegen das Alter, gegen ihre Kultur. Sie können richtige Nervbolzen sein. Mir zumindest waren sie sehr sympathisch. Das mochte daran liegen, dass mit viel Liebe gezeichnet hat, auch ihre – sagen wir mal – schwärzeren Seiten. Das Buch strotzt vor Situationskomik, dass ich immer wieder nicht an mich halten konnte, und meiner geduldigen Frau lange Passagen vorlas.

Ein Buch hat einzelne Kapitel, weiß ja jeder, ist in den allermeisten Büchern ja auch so. Goebel wechselt innerhalb eines Kapitels die Perspektive. Man hat es beispielsweise mit einer Situation zu tun, in der Ember im Mittelpunkt steht. Dann gibt es einen Bruch, und die Mutter erzählt die Situation weiter, bevor wieder Ember das Wort »ergreift«. Einseitigkeit gibt es so nicht.

Lassen Sie sich von den skurilen Charakteren verführen und erleben Sie, wie die Freaks auf ihren Höhepunkt zusteuern.

2006-08-23T09:00:00+00:00 23. August 2006|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Joey Goebel – »Freaks«