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Brotzeit mit Chinesen

Diesmal war wirklich nicht so viel los. Arbeiten, essen, schlafen gehen. So sieht der Tag hier aus. Selbst der Sonntag war so ähnlich, aber ich habe das Arbeiten ausfallen lassen. Ausgeschlafen und mich dann in die Stadt gewagt. Eigentlich wollte ich zu der alten Moschee, aber ich war zu früh (oder zu spät – eine Frage der Betrachtung). So ging ich über einen Markt und wurde von Menschenmassen erdrückt. Nicht so ein Markt mit frischen Sachen. Eigentlich nur Kleidung und Krams.

Ich hätte eine Jeans von Levi für umgerechnet 14 Euro bekommen können, ein wahres Schnäppchen. Zweifel an der Echtheit kamen mir, als ich sah, dass auch BMW‐Jeans angeboten wurden – ich wusste gar nicht, dass die jetzt auch unter die Klamotten‐Hersteller gegangen sind.

Aber Autos sind immer ein gutes Thema. Sagt man, dass man aus Deutschland kommen, springen die Männer immer auf das Thema Auto an. Immer? Immer! Beim Aufzählen der verschiedenen Autotypen habe ich aber neulich Porsche vergessen und musste einen der Einheimischen enttäuschen, dass Ferrari keine deutsche Automarke wäre.

Nach zweieinhalb Stunden in der Stadt hatte ich die Nase aber voll, schwamm in meinem eigenen Saft und düste ab ins Hotel. Hingelegt, geschlafen und dann aufgerafft um noch ein wenig Sport zu machen. Nun hatte ich ja dazu gelernt und hatte deshalb auf dem Zeiger, früh Essen zu gehen – schließlich würde auch am Sonntag, wo man hier ganz normal einkaufen gehen kann, die Hölle in der Mall los sein. Also zu dem Thai der Thais marschiert, wo man mir sagte: »Naja, Du kannst hier Essen, aber in einer Stunde musst Du durch sein.« Das war zu schaffen, und ein zusätzlicher Ansporn wurde geschaffen, in dem man Vorspeise und Hauptspeise zur gleichen Zeit brachte und während des Essen auch schon mit der Rechnung kam. War nicht ganz so gemütlich.

Die Fastenbrechenden kamen schon eine Stunde früher, bestellten und bezahlten ihr Essen und gingen wieder. Auch eine Variante. Teilweise stand schon das Essen dampfend auf dem Tisch, obwohl das Essen erst eine halbe Stunde später erlaubt war. Was für eine Qual, dachte ich mir, für die, die schon wartend am Tisch saßen, erschöpft vom Shopping und dem ganzen Trubel drumherum.

Ich glaube, dass Datteln nicht zur Thai‐Küche gehören, aber sie gehören zu dem Ritual des täglichen Fasten‐Brechens wohl dazu. Deshalb standen auf jedem Tisch auch Datteln, nur ich bekam keine. Dabei mag ich sie mittlerweile ganz gern. Heulen kann ich aber nicht, bei jeder Gelegenheit bekomme ich welche zugesteckt…

Am Montag dachte ich mir, ich werde den Herrschaften ein Schnippchen schlagen und habe mich für den Deutschen (oder besser: Bayern) in der Mall entschieden. Die Idee hatte ich nicht allein, sondern zahlreiche Chinesen auch. Die saßen vor ihren Schlachteplatten und bestaunten Würste und Fleisch und probierten die verschiedenen Paulaner‐Biere. Es war irgendwie lustig anzusehen, vermutlich genauso lustig, wie ich als so ziemlich einziger Deutscher unter den ganzen Chinesen. Die waren gehörten alle der jüngeren Generation an, was man schon daran sieht, dass Paare sich gegenüber sitzen und jeder mit seinem Smartphone spielt oder, wenn man in einer Gruppe ist, schon mal gern laut ein Spiel auf seinem Game‐Device spielt. In Bayern wären die Herrschaften wahrscheinlich von den Einheimischen geteert und gefedert worden… Die Käsespätzle waren aber lecker gewesen, das muss ich wohl anerkennend sein. Mit die Bier war das so eine Sache … das gehört in der Form wohl nicht nach Malaysia, da sollte ich bei meinem Mango‐Smothie bleiben.

In der Kantine gab’s am Montag Bami Goreng oder Nase Goreng. Ich dachte ja, dass ich mich aus meiner Frühzeit in Kiel mit den Sachen auskennen würde (hatte ich ein paar Mal aus der Dose gehabt). Ich musste aber erkennen, dass die Goreng‐Sachen erst durch die Wörter danach genauer spezifiziert werden und es sehr zahlreiche Variationen gibt. In dem, was ich dann hatte, war allerlei drin, was sehr schmackhaft war, was ich aber nicht identizieren konnte. Gut, den Reis, das war eine klare Sache.

Gestern ging es abends nur kurz ins Steakhaus und dann lag ich schon im Bett und heute hatte ich mir eine Kombination aus »Ich weiß noch nicht.« und »Aber Sport sollte ich mal machen.« vorgenommen, von dem beide Erwartungen von mir voll erfüllt worden sind. Kurz nach sieben, ich war schon am Überlegen, wie ich elegant die Zelte abbrechen könnte, kam Joey zu mir und meinte, Nooni hätte gefragt, ob wir nicht zum Dinner kommen wollen. Ja, warum nicht, sagte ich. War ja beim letzten Mal auch ein Erlebnis gewesen.

Diesmal war das Essen besser gewesen. Die simpelste Erklärung dafür: Die Chef‐Etage war auch mit dabei. Wieder waren die Tische weiß eingedeckt. So saßen wir da vor den gedeckten Tellern und Joey konnte sich gerade noch zurückhalten, anzufangen mit dem Essen. Stieß mich dann an, und meinte, wie müssen noch warten. Mir war das ja klar und ich musste schon schmunzeln. Es wurde gebetet, wobei Joey sich genauso ruhig verhielt wie ich, und dann kam das, was ich Gesang nennen würde, und wir fingen an zu Essen. Zuerst die Datteln. Drei verschiedene Sorten Reis flankierten verschiedene Sorten von Fleisch. Joey, als ausgewiesene Reis‐Spezialistin, war nahezu begeistert. Der Reis war für mich nicht das Wichtigste, ich fand die Würze der Speisen sehr interessant. Es war scharf, aber nicht so, dass ich »Ohh Gott!« gerufen hätte, was in dieser Runde ja auch ziemlich unangemessen gewesen war.

Die Damen am Tisch aßen mit Gabel und Löffel, mit dem man hier so gut wie alles zu bewältigen hat, was beim Fleisch manchmal ein wenig schwierig ist, gerade wenn man Knochen mit dabei hat. Die Herren nahmen die Hände. Wenn man das das erste Mal sieht, ist man ein wenig befremdet und wundert sich nicht, warum einige Damen immer noch nicht verheiratet sind. Was mich erstaunte und zeigt, wie wenig man weiß und wie voreingenommen man ist: Da ist zum Beispiel das eine Mädel. Ich bin mittlerweile ein Meister darin, sie von den anderen Frauen zu unterscheiden, obwohl das mit den Kopftüchern ja immer ein wenig schwierig ist. Das blutjunge Ding, dachte ich, arbeitet immer so lang, da hat man ja kaum Zeit fürs Privatleben. Joey fragte mich nun gestern, wie alt ich sei. Ziemlich unvermittelt, einfach so, nicht während des Essens sondern mitten in der Arbeit. Gar nicht ihr Stil. Ich antwortete wahrheitsgemäß. Sie ging ein wenig in sich und meinte dann, dass das blutjunge Ding ja schon 39 sei. Ach, dachte ich mir, dann ist das ja ziemlich kompliziert mit der Familie, Kinder und den ganzen Krams unter den Hut zu bringen. Als ob sie meine Gedanken erraten hätte, meine Joey, dass das blutjung wirkende Ding auch noch Single sei. Dazu erstaunt »Nein!« auszurufen, kam ich nicht, da Joey mit der Info nachrückte, dass die andere im Team (das war die, von der ich meinte, sie wäre eine Wildfremde, dabei war sie in meinem Kurs gewesen), wäre 31 Jahre alt und auch Single.

Es ist immer noch schwierig, die Herrschaften zu verstehen. Ich unterlasse es manchmal, dem Gespräch zu folgen, da sie zwischen Bahasa und Englisch wild hin und her springen und im Englischen gern die Worte mit langen A’s und O’s beenden. Das in der Kombination mit dem Singen des Englischen macht es wirklich nicht leicht und mich am Abend immer todmüde. Ob man dann Schlafen kann, ist ja noch eine ganz andere Sache.

Joey hat mir ihr Alter dann auch verraten, aber werde ich nicht verraten. Nur soviel: Sie sieht jünger aus.

2012-08-15T20:56:03+00:0015. August 2012|Categories: Malaysia 2012, Unterwegs|Tags: , , |Kommentare deaktiviert für Brotzeit mit Chinesen