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Alltag unterwegs

Wenn der Flughafenbus aus Kiel in Hamburg ankommt, werden zuerst die Fahrgäste herausgelassen und dann ist es oft zu beobachten, dass der Fahrer alle Türen dicht macht und in das Flughafengebäude eilt. Nach kurzer Zeit kommt er wieder, und es ist ihm anzusehen, dass er erleichtert ist. Manch einer stürzt auch nicht hinein, um sich zu erleichtern, sondern erleichtert sich, in dem er den Nikotinspiegel auf einen für ihn üblichen Wert bringt. Anschließend wird der Bus innen kontrolliert und die Zeitungen und sonstiger Müll beseitigt. Hin und wieder folgt der letzte Schritt auch vor dem Herausstürzen aus dem Bus. Ich nutze sind Bus recht häufig, sah aber noch nie, dass der Busfahrer die buseigene Toilette verwendete. Nun ja, irgendwann ist immer das erste Mal. Es spräche also nichts dagegen, diese zu verwenden, wenn der Busfahrer sie schon mehr mag, als die reinlichen Toiletten des Hamburger Flughafens.

Eigentlich war die Woche wenig aufregend. Die Flieger waren für deutsche Verhältnisse pünktliche gewesen. In München meinte der Kapitän auf dem Hinflug, wir müsste mit dem Bus zum Terminal fahren, da die Brücke zum Flugzeug zusammengebrochen wäre, aber das war ganz und gar eine Übertreibung gewesen, spektakuläre Bilder gab es nicht.

Die Erinnerung, was ich schon mal geschrieben habe, trügt manchmal und im Moment weiß ich nicht, dass mich zwei Sachen im Flugzeug immer ein wenig unruhig machen. Na, wenn ich nicht lügen möchte, dann sind es drei Sachen: Unruhige Landungen. Kiel war manchmal schrecklich, stellt aber kein Problem mehr da, da in Kiel keine Linienflüge mehr landen. Hamburg hat aber auch so seine Tücken, so dass ich an Tagen, an denen ich nach Hamburg fliege, nie die Nutzung von Deo vergesse. Man weiß ja nie. Die zweite Sache macht mich unruhig in Propeller‐Maschinen. Es ist eine Sache im Kopf, ganz gewiss, denn ich weiß, sollte irgendetwas mit dem Propeller passieren, wird er vielleicht explodieren oder sich lösen und bei einer Explosion ist es vermutlich egal, und wenn der Propeller sich löst, wird er herunterfallen. In meiner Fantasie bewegt er sich aber zur Seite und zwar zu der Flugzeugkabine hin und zerhechselt alles. Das male ich mir nur aus, wenn ich in Reihe 8 oder 9 einer Propeller‐Maschine sitze – üblicherweise die Plätze neben Propeller. Kann allgemein versuche ich meine Aufenthaltszeit auf Toiletten in Flugzeugen so kurz wie möglich zu halten, denn in dem Moment des Absturz mit heruntergelassenen Hosen auf der Toilette zu sitzen und so vielleicht unglücklicherweise noch auf dem Boden anzukommen, der Gedanke, ist mir ziemlich unangenehm. Ich habe jetzt noch nicht gehört, dass dies jemals vorgekommen ist, aber das ist letztlich der Fantasie ja egal – sie ist ja dafür da, sich unmögliche Sachen auszumalen. Vielleicht sollte ich noch kurz erwähnen, dass ich ein grundsätzlich positiv eingestellter Mensch bin und gar nicht daran glaube, dass ich jemals abstürzen werde.

Nett waren die Bilder von den Alpen, die auf dem Flug nach Graz wolkenverdeckt waren und hin und wieder schaute ein Gipfelchen schneebedeckt heraus, von einem Schleier umgeben. Ein lieblicher Anblick, auch wenn ich es mir wolkenloser noch schicker vorstellen könnte. So hatte ich das dann auf dem Rückflug nach München. Da tollten ein paar Wölkchen herum, man konnte aber die Berge betrachten. Heute war schon auf dem Flughafen in Graz eine einmalige Sicht und man konnte die schneebedeckten Berge in der Ferne sehen. Oft habe ich das nicht gesehen, meist ist das nur eine trübe Suppe. Aber so so war auch die Aussicht während des Fluges, ich sage mal, bis Oberösterreich entzückend. Dann kamen die Wolken und von weiß‐blauer Herrlichkeit war nicht mehr viel zu sehen.

Nach dem behaglichen Ambiente des Grazer Flughafens sah es in München schon wieder ganz anders aus. Ich hatte jede Menge Zeit. Während ich telefonierte, sah ich einen alten Mann an den Counter kommen. Er redete auf die Lufthansa‐Frau ein. Die gab ihm zu verstehen, dass sie seine Sprache nicht sprechen würde. Das machte ihm überhaupt nichts. Er sprach weiter auf sie ein.

Manche Menschen haben dann den Eindruck, wenn sie lauter sprechen würden, würde es das Verständnis erhöhen, aber dieser Sprache war die Frau einfach nicht gewachsen. Die Lautstärke tat da weniger etwas zu Sache. Sie versuchte, ihm verständlich zu machen, dass er sich an das Service‐Center wenden solle. Schrieb ihm das auf, vielleicht malte sie ihm das auch auf, zeigte ihm den Weg. Er nahm den Zettel und warf ihn auf den Boden. Resigniert hob die geduldige Dame den Zettel auf und ging zu ihrem Counter. Er folgte ihr.

Griff zu seinem Bildschirm und wollte diesen wegreißen. Einem jungen Mann wäre das wahrscheinlich locker gelungen, aber der Mann hatte nicht mehr die Kraft dazu. Die Counter‐Dame wurde jetzt ein wenig lauter. In den folgenden Minuten redeten sie aufeinander ein, sich gegenseitig nicht verstehend, er machte hin und wieder mal ein paar Schritte in verbotene Zonen, versuchte in Richtung Flughafengelände zu kommen, was sie vereiteln konnte.

Dann traf irgendwann Verstärkung ein, in Form von zwei Damen ein, die der Sprache des Mannes aber auch nicht mächtig waren. Nicht wirklich befriedigt durch diese feminine Front, die sich gegenüber aufgebaut hatte, versuchte er noch einmal die Bildschirm‐Nummer. Danach rief die Counter‐Dame Polizisten zur Hilfe und ein Mann von einem benachbarten Schlager eilte herbei. Ich traute meinen Augen nicht, als der erboste alte Herr, den jungen Mann schubste. Der folgende Dialog lief dann ungefähr so: »Hey! Was solle den das?« »Hey? … [viele Worte in fremder Sprache, alle nicht freundlich]«

Dann traf ein Pärchen Autorität ein und kam mit dem Herren auch nicht klar. Dann traf noch mehr Autorität ein und diese Autorität sogar mit einem Kamera‐Mann. Wahrscheinlich könnte ich mich demnächst im Fernsehen bei einer Doku »24 Stunden mit der Flughafen‐Polizei« unterwegs. Mittlerweile war es ein Six‐Pack Polizei und die schafften es, den alten Mann sanft aber bestimmt in die von ihnen gewollte Richtung zu bewegen. Vermutlich zum Service‐Center.

Zwischenzeitlich hatte der Mann mit irgend jemand am Flughafen telefoniert, vermittelt durch die Counter‐Dame, so richtig beruhigt hatte ihn das aber nicht.

Was lernt uns das wieder: Auf Reisen erlebt man immer was. Und: Ganz ohne Englisch‐Kenntnisse sollte man auf einem Flughafen nicht aufsuchen. Letztlich noch: In Deutschland ist es immer hilfreich, auch ein wenig Deutsch zu sprechen.

Ach ja, und dann wäre da noch die Sache mit der Geduld. In dem Glückskeks gestern stand geschrieben: »Harmonie und Ausgleich erwarten sie.« Nun würde ich von mir selbst sagen, dass ich meistens in meiner Mitte stehe und recht gelassen bin. Aber wenn der Glückskeks den heutigen Tag meinte, dann hat er zumindest am Münchner Flughafen versagt. Ist halt nur ein Zettel.

2012-03-02T00:16:28+00:002. März 2012|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Alltag unterwegs