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Desorientiert

Um es vorweg zu nehmen: Ich war so gut wie tot. Nicht im endgültigen und klassischem Sinn. Mehr so übertragen. Mir war der Coupon in der Hosentasche egal und auch die Tatsache, dass ich versprochen hatte, unseren Lieblingswein im Angebot für Freunde mitzubesorgen. Ich wollte nur noch nach Hause – ins Warme und Behagliche. Wenig später wollte ich nur noch ohne Schmerzen sein.

Ich hatte die ganze Woche in einem Büro gesessen, in dem geschnaubt und gehustet wurde. Mir hätte klar sein müssen, dass das nicht gut geht. Spätestens am Dienstag als Susann am Abend meinte: »Ich glaube, ich bekomme eine Erkältung.« konnte ich meinem Schicksal in die Augen schauen. Wenn Susann sagt, sie bekommt eine Erkältung, dann bekomme ich sie. Da können wir wetten darauf abschließen, so dass ich dann immer nur sage: »Sag doch so was nicht.«

Nun, Susann hat die Erkältung bis zum heutigen Tag nicht.

Ich hatte sie am Donnerstag. Am Freitag ging es mir dann so halb-mies, wohlwissend, dass das Schlimmste noch bevorstand. Der Schnupfen war schon da, was folgte war der Husten – und das ist dann erst richtig ekelhaft. Leute, die das hören, möchten mich immer zum Spezialisten schicken, und wenn ich dann sag, so schlimm ist das nicht, blicke ich in ungläubige Gesichter. Manchmal haben sie auch recht.

Nun war Sonnabend um acht Uhr der Umzug der Frau Schwiegermama angesagt. Zu meinem Kunden hatte ich noch gesagt, dass würde nicht so schlimm werden, denn so viel sei das nicht. Jaaa, das stimmte auch. Aber das, was da war, hatte es in sich. Die Kommoden ließen sich nicht auseinander bauen und mussten im Stück transportiert werden. Da sie nicht in der heute gängigen Leichtbauweise konstruiert worden waren, stand ein gewissen Gewicht dahinter, welches vom dritten Stock in das Erdgeschoss und von dort noch einmal fünfzig Meter zu einem Auto transportiert werden wollte.

Erwähnte ich, dass wir nur zu dritt waren? Nein? Wir waren nur zu dritt. Mein Schwager Lars hat, glaube ich, jedes schwere Stück abbekommen, was es nur gab. Mein Beileid, ich hoffe, er hat sich schon regeneriert. Ich kann das von mir zwei Tage später immer noch nicht sagen. Dazu kam das Wetter, welches sich uns in einer Mischung aus Regen, Schneeregen, Wind und Eisigkeit präsentierte, die man bei einem solchen Umzug gut haben kann. Im Haus war man am Schwitzen, draußen hat man sofort gefroren. Frierend und durchgeschwitzt war mein Körper wohl so desorientiert, dass er gar nicht mehr wusste, wie ihm geschah. Diese unerwartete körperliche Belastung ließ ihn zusammenschrumpfen, im wahrsten Sinne, der Rücken nur noch gekrümmt – dass er die Erkältung fast völlig vergaß.

So hat der Umzug noch ein Gutes: Die Erkältung ist in den Hintergrund geraten und statt Schnupfen- und Hustenmittel waren ABC-Pflaster die erste Wahl an Medikamenten.

2012-01-23T23:02:00+00:0023. Januar 2012|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Desorientiert