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Ohne Wecker

Irgendwie waren wir alle recht früh wach. Zimmer 1 kann das auch beziffern: 4 Uhr. In der Früh.

Nachdem wir eine Anstandsfrist von anderthalb Stunden haben verstreichen lassen, sind wir dann aufgestanden. Um sieben Uhr bin ich dann meine Lieblings-Schwiegermutter losgezogen, um den Hollywood-Boulevard in der anderen Richtung zu erobern. Die Straßen waren fast leer, nur ein paar Leute waren auf den Straßen zu sehen: Leute, die zur Arbeit eilten (meistens einen Kaffeebecher in der Hand), Touristen mit Koffern und Bettler. Wir waren als Touristen die absolute Ausnahme und hatten die Sterne ganz für uns.

Wenn man um kurz nach sieben Uhr am Kodak Theatre »einschlägt« kann man sich ziemlich sicher sein, dass man das Areal für sich hat. Wir trafen zwei andere Touristinnen, von der zumindest eine noch nicht ganz ausgenüchtert erschien oder sie hatte irgend etwas genommen. Die zweite der Minitruppe schien sich mit den Blicken für ihre Gefährtin entschuldigen zu wollen.

Eigentlich wollten wir in der früh ja gleich zum Farmers Market, aber daraus wurde erst einmal nichts. Die Planung brach somit gleich am ersten Tag völlig zusammen. Wir frühstückten um die Ecke vom Hotel (viel zu viel) und erkannten, dass French Toast mit Toast nicht sehr viel zu tun hat, man nie genug Ahorn-Sirup über seine Pancakes gießen kann und es genügt, den Tag mit einem Bagel samt Frischkäse zu beginnen. Der frische O-Saft hatte vermutlich ein Vermögen gekostet, aber dafür das man das Gefühl hatte, ganze Früchte zu genießen, war es auch o.k.

Ich war ja der Meinung, nachdem die Morgen-Mini-Gruppe schon das Kodak Theatre und das drumherum abgelichtet hatte, wir uns dieses mit der großen Gruppe sparen könnten, meine Lieblings-Schwiegermutter aber vehement dagegen war und darauf bestand, dass dieses alle sehen müssten, schritten wir die Strecke (nochmals) ab. So ergab sich ein ganz anderes Bild drei Stunden später: Man konnte nicht mehr treten, ein Bild ohne Menschen war von den Gebäuden rundherum nicht mehr zu bekommen. Um einen herum schwirrten Batman, Superman, der komische Cowboy aus Toy Story und zwei sexy Polizistinnen, die dem feuchten Traum eines Teenagers entsprungen sein mussten und eine Form von Foto-Prostitution betrieben, bei der es nur erlaubt war, sie abzulichten, wenn man sie auch bezahlte. Alle Japaner und Chinesen, die nicht gerade in Heidelberg und in Wien waren, waren hier. Mit Vorliebe ließen sich sich vor dem Stern von Jackie Chan fotografieren.

Kurz nach elf Uhr gerieten wir dann in die Fänge der Sightseeing-Mafia und buchten eine Tour durch Hollywood und Santa Monica. Zwei Touren für den Preis von einem – eine Sonderaktion, wie man uns weiß machen wollten, und nachdem Susann und ich als offizielle Reiseleitung mit gerunzelter Stirn und nichts sagend vor dem gealterten Beach Boy stehen blieben und nicht wirklich was auf Englisch sagen wollten, fragte er uns, ob wir aus Deutschland kämen und gab ein paar Brocken seiner deutschen Sprachkenntnisse preis – sie sind ja gewieft, diese Verkäufer. (Ich sag‘ nicht, die Amerikaner, ich meine Verkäufer – denn die sind in jedem Land gleich.) Da eine Verkäuferin in unserem Reiseleiter-Team war, fielen wir auf diese billigen Tricks nicht herein und schauten unverdrossen skeptisch, worauf hin er wohl den üblichen Preis anbot: fünf für den Preis von vieren. Vier stiegen in den Bus und fuhren den Hollywood-Boulevard herunter, dann auf den Sunset Boulevard in Richtung Beverly Hills. Da gab es einiges zu sehen, auch wenn man mit dem Bus nicht in da echte »Berverly Hills« kam, weil dort keine Busse in den Seitenstraßen fahren durften. Da habe ich auch Verständnis für, denn wer baut sich schon gern eine Villa für ein paar Millionen Dollar und will dann alle fünfzehn Minuten einen Touristenbus vorbeifahren sehen. Genügt ja schon, wenn diese den Heimweg auf den Hauptstraßen versperren.

Irgendwo war der Umsteigepunkt nach Santa Monica und dort wurde uns dann gesagt, es wäre der letzte Bus, weshalb man nicht aussteigen könne, um ein wenig spazieren zu gehen. Bedauerlich, denn sowohl Venice Beach wie auch die Santa Monica Pier wären ganz interessant gewesen. Der Weg nach Santa Monica war nicht so prickelnd und ganz am Rande, auch der Sunset Boulevard ist tagsüber so erbaulich wie die Eckernförder Straße in Kiel oder die Darmstädter Landstraße in jeder anderen Stadt der Welt.

Die Reiseführer in den Bussen – wir hatten mit Umsteigen ja nun drei an der Zahl – war ganz unterschiedlicher Qualität. Die Dame im ersten Bus meinte zu mir, dass sie keine großartigen Erklärungen vornehmen würde, es täte ja sowieso keiner Englisch verstehen – wir könnten aber jederzeit fragen. Ausgerechnet mich meinte sie also nicht, auch irgendwie lustig. In Richtung Santa Monica hatten wir ein Mädel, das jeden auf der Straße zu grüßen schien und das ist ein recht langer Weg von L.A. bis Santa Monica, zwischendurch Titelmelodien berühmter Fernsehserien vorsang und sich, wenn aufgrund der Eintönigkeit der Strecke nichts zu erzählen gab, erkundigte, wie es uns in Europa so erginge. Also sehr interessiert, sehr nett und angenehm. Der dritte im Bunde war etwas flippiger, der über sein Megafon die Leute auf der Straße befragte, ob sie schon Batman gesehen hätten. Später fragte er auch uns, wen wir gern sehen würden und als wir meinten Cameron Diaz und Harrison Ford, deren Sterne hatten wir auf dem Hollywood Boulevard gesehen, wurden die in die Liste mit aufgenommen.

Das Angenehme an der Fahrt war gewesen, dass man als üblicher Fahrer auch einmal die Gelegenheit hatte, in Ruhe zu schauen. Das Problem ist nur, dass es streckenweise gar nichts zu sehen gibt, und dann, ganz, ganz plötzlich gibt es soviel zu sehen, das man gar nicht mehr weiß, wo man zuerst hinschauen soll.

Während der Fahrt liefen dann langsam die Akkus aus und es konnte nicht mehr gefilmt und fotografiert werden – das erste Drama während der Fahrt.

So hat nicht jeder, die Restaurants der obskuren Kette »Fatburger« aufnehmen können, einen Namen, von dem ich nicht weiß, ob er im gesundheitsbeflissenen Kalifornien größere Chancen hat. Oder auch »The Stinking Rose« womit Knoblauch gemeint ist, und der Tour-Guide klären konnte, dass es in dem Restaurant auch Knoblauch-Eis geben würde.

Nachdem wir zurückgekehrt waren, nahmen wir unser eigenes Auto, fuhren in Richtung Beverly Hills uns inspizierten die Seitenstraßen auf ihren Promi-Faktor hin. Sehr beeindruckend, sehr gepflegt und sicher eine Millionen-Industrie für die Gärtner der Umgebung. Unser stetes Ziel war, so nahm wie möglich an den Hollywood-Schriftzug zu kommen und über den Mulholland Drive ist uns das auch gelungen. Es war allerdings ziemlich diesig und aus der Ferne zog schon ein Gewitter heran, das es keine so schönen L.A.-Bilder gab.

Der Abend wurde beim Inder beschlossen, was total lecker war. Es gab schon eine Menge Sachen vorneweg, unter anderem dieses leckeren Brote, deren Namen ich nicht kenne, da man sie nie bestellt, sondern immer nur bekommt und zu der verschiedene Soßen gereicht werden. Der weltbesten Ehefrau hat man im Anschluss angesehen, welche Soße am wenigsten zu einem weiß T-Shirt passt – nämlich die grüne.

2015-04-04T12:43:21+00:0014. Mai 2011|Categories: Unterwegs, USA 2011|Tags: , , |Kommentare deaktiviert für Ohne Wecker