Ganz, ganz schlechte Nachricht - ohne JavaScript werden wir hier nichts...

Ganz verschiedene Angebote

Las Vegas in zwei Tagen und dann noch viel Schreiben? Das geht gar nicht. Obwohl, so viel war eigentlich nicht los. Man ist aber doch beschäftigt, mit diesem und jenen und mit diesen Maschinen, die einem das Geld wegfressen. Zur Beruhigung der Allgemeinheit: Weder Frau Schwiegermama, noch die Frau Mama und der Herr Papa haben sich wirklich in den Sumpf der Sünde ziehen lassen – wenn man mal ganz allgemein davon absieht, dass sie ein Faible für den Kaffee und das Eis von McDonalds entwickelt haben. Wenn ihnen das vorher einer prophezeit hätte…

Natürlich waren wir viel zu zeitig in Las Vegas. Es schien ein wenig so, als wollte es in Las Vegas regnen. Vielleicht hatte es das auch, vielleicht auch nicht – es sollte kein Regen kommen. Das wäre ja eine Sensation gewesen: Man ist das erste Mal in Las Vegas, von der es heißt, da ist immer schönes Wetter und es regnet.

Unsere Zimmer im Stratosphere konnten wir nicht sofort beziehen. Da wir erst einmal eines hatten, zogen wir uns dahin zurück und ließen das Gepäck kommen. Frau Mama, die immer noch raucht, stellte fest, dass es jetzt nicht mehr so einfach war, wie in den vorherigen Unterkünften. Die Wege waren viel, viel weiter. Auch wenn im Hotel-Casino selbst geraucht wurde – sehr erstaunlich, aber wir stellten alsbald fest, dass in Las Vegas fast alles anders ist.

Wir ruhten ein wenig ab und machten uns dann auf den Weg, um die Karten für die abendliche Show im Wynn zu besorgen und etwas zu essen. Der Weg dorthin war schon erstaunlich. Man sah, dass das Sarah geschlossen war. Gegenüberliegend lag ein Casino, dass nicht zu Ende gebaut worden war, weil die Betreiber insolvent geworden waren. Der Bau ist fast fertig, wenn man vom Parkhaus absieht und das zwei Jahre alte Gebäude wird noch von Baukränen verziert. Dahinter ein Gelände, was völlig brach liegt.

Was dann kommt, sind allerdings Paläste. Das Wynn, von dem ich vorher noch nie etwas gehört hatte, ist so eines. Alles macht einen edlen Eindruck, auch die Preise. Das Buffet, was wohl bezahlbar ist, war überfüllt. In dem einen Restaurant konnte man uns einen Tisch für zwei Stunden später anbieten, in dem anderen für drei Stunden später – da sollte die Show schon lange laufen. So blieb es bei einem Sandwich und Getränk, nicht viel, aber ausreichend um den Abend und die Nacht zu überstehen. Vor der Show nahm ich noch die teuerste Cola, die ich je getrunken habe, aber da war mir schon alles egal und das Ambiente versetzt einen in eine »Was kostet die Welt!«-Stimmung. Die Show war etwas, war wir uns »gegönnt« haben, wie die beste Ehefrau der Welt sagen würde, und meinte damit »Le Rêve«. Ich bin ja nicht so für Revuen, aber das hat mir wirklich sehr gute gefallen. Die einzelnen Tanznummern – nun gut, man nimmt ja einiges in Kauf, aber die Technik und die Effekte, mit denen diese Show geziert wurde, waren vom allerfeinsten und lassen einen ratlos zurück.

Wir liefen zurück und lieferten die Eltern müde im Hotel ab.

Den Montag-Morgen begannen wir im ihop, welches ich absolut sympathisch finde, da es einen Orangensaft-Free-Refill gibt, was sonst nie der Fall gewesen ist. Für Kaffee ja, aber die Ungerechtigkeit, dass es so etwas für Orangensaft nicht gibt, hat noch kein Mensch angeprangert. Was ich hiermit getan haben will.

Danach stiegen wir auf den Turm des Stratosphere-Towers. Ein schöner Ausblick erwartete uns, denn von den Regen-Ambitionen war nicht viel übrig geblieben. Von dem Tower stürzen sich Leute an Seilen herunter. Von unten denkt man noch: »Ach naja, muss wohl ein Spaß sein!« Wenn man erst einmal dort oben ist, verschwindet die Gelassenheit aber recht fix. 350 Meter sind halt doch keine Kleinigkeit. Selbst, wenn ich es in Erwägung gezogen hätte, spätestens da oben, wäre Schluss mit meiner Überzeugung gewesen. Allerdings wäre es sowieso nicht für mich gewesen. Die Achterbahn – ja, vielleicht – aber die haben sie zwischenzeitlich abgebaut.

Die anderen Attraktionen waren aber auch nicht ohne. Wir haben keine dieser mitgemacht, die Anwesenheit war uns genug, sind nach unten gefahren, und haben dort Handtaschen und Restroom-Schilder gekauft.

Nachmittags ging es in Richtung Downtown und wir staunten, wie alt Las Vegas aussehen kann. Irgendwie heruntergekommen, richtig unmodern. Die Show »The Rat Pack is back« lief im Plaza-Hotel. Nachdem wir den Hintereingang endlich gefunden hatte, der Vordereingang war uns irgendwie zu Schade, anders kann ich unsere Ungeschicklichkeit nicht erklären, eine Tür zu benutzen, standen wir in eine Etablissement, von dem ich nur dachte: »Ach nee!« und »Ohh, my God!« Aber es half nichts, die Karten waren bezahlt, wir holten sie ab, nahmen noch ein Upgrade und machten und von dannen. Ich dachte nur, wenn das Essen so ist, wie das Etablissement aussieht, dann wird es ja ein heiterer Abend.

Nun ging es die Fremont Street auf und ab und man sah den alten Charme. Das Publikum war ein ganz anderes im modernen Teil von Las Vegas. Vielleicht war ja auch gerade ein internationales Punker-Tattoo-Treffen in dem Bezirk, aber mir scheint, es war immer so. Der Glamour war weg und hier war es einfach nur urig. Hier fiel auch auf, was man alles darf, was anderswo in Amerika überhaupt nicht denkbar ist. Es ist wahrscheinlich auf dem Strip genauso erlaubt, nur ist es nicht so auffällig, weil das Publikum ein wenig anders ist: Ich sage mal, schöner und uninteressanter.

So richtig geht es aber erst ab, wenn die Dunkelheit hereingebrochen ist, dann glitzert auch in dem alten Part alles und man kommt sich vor, wie in einer anderen Welt. Auf vier Bühnen tobte das Leben, im Augenblick die achtziger Jahre. Die Leute davor tanzten und sangen mit, es war eine Super-Stimmung, in der man gern verweilt hätte, wenn – ja wenn – man nicht nur zwei Tage in der Stadt gehabt hätte. So war der Plan ein anderer.

Aber zurück zu dem Thema »Rat Pack«. Viel zu zeitig waren wir da und wir vertrödelten noch Zeit an den Automaten und selbst der Herr Papa, der diesen Urlaub ohne eigene Brieftasche absolviert (die ist zu Hause), hat mal gedrückt. Der Einlass war nicht um fünf Uhr, sondern erst um sechs Uhr. Den Raum durfte man nicht filmen, das war nicht erlaubt (was natürlich ein ausgemachter Blödsinn war, denn später wurde gefilmt und fotografiert was das Zeug hielt, nur die Show selbst nicht) und dann kam der Moment, wir durften rein, es wurde gegessen. Das Essen war … o.k. Nicht großartig, aber das kann man wohl nicht erwarten, wenn man es mit einer Massenabfertigung zu tun hat. Hier mussten hunderte Leute abgefüttert werden, da wurde nicht jeder Teller einzeln mit Ornamenten aus einer Was-auch-immer-Vinaigrette versehen. Aber es war o.k. und wir waren danach satt.

Dem Raum sah man an, dass er aus der guten alten Zeit, die für dieses Viertel ja mal um so vieles besser gewesen war, stammte und vielleicht kommt ja auch mal wieder etwas großartiges hinein, wenn man mit der Renovierung des Hauses durch ist. Die Show selbst: Auf ihre Art großartig. Es gab einen Entertainment-Block, der aus Witzen bestand, denen ich einigermaßen folgen konnte (nicht allen, es ging zu schnell), ich aber dachte: »Oh nein, davon verstehen die Eltern ja überhaupt kein Wort.« Die Entgeisterung war der Frau Mama anzusehen und dann kam auch schon einer und die Frau Schwiegermama fragte: »Was hat er über uns Deutsche gesagt, was hat er gesagt?« Ja, das Wort »Germans« hatte sie sehr hellhörig gemacht. Dumm für mich nur, dass der Witz ziemlich doppeldeutig gewesen war, schmutzig könnte man auch sagen, und ich zu allem Überfluss der Pointe auch nicht Herr wurde. Aber dann fingen sie an zu singen, zu tanzen und das Gerede geriet etwas in den Hintergrund – und es war super. Es hatte allen sehr gut gefallen. Man kann wirklich nur dankbar sein, dass sie gar nicht erst versucht haben, »echte« Kopien zu sein, sondern sie haben die Figuren des Rat Packs gespielt – modernisiert, wenn man so will und so waren ihre Anspielungen auch Anspielungen auf die aktuelle Zeit. Sie nahmen das Publikum in ihre Show mit hinein, redeten mit ihm, animierten es – kurzum: So sollte Entertainment sein.

Frau Schwiegermama ließ sich mit dem Rat Pack noch fotografieren und ich habe im Scherz schon gesagt, dass die Hochzeitsfotos der Kinder jetzt verschwinden und dieses eine Foto den Platz einnehmen wird.

Von Downtown Las Vegas ging es in Richtung Strip und dort marschierten wir über Treasure Island über Venedig in Richtung Paris. Gaben uns den Lichtern hin, nahmen die Karten für gewisse Dienstleistungen entgegen, auf denen sogar Preise vermerkt waren, womit eine der Fragen unserer Reisegruppe geklärt waren (Für den interessierten Leser: Es gibt Gratis-Angebote als »Introduction« – was man jetzt als Einführung oder Vorstellung übersetzen kann, aber halt unterschiedliche Bedeutungen hat, die Dame allein teilweise für $69 zu haben ist, zwei boten sich schon für $99 an. Zeitangaben werden nicht erwähnt, aber angedeutet, dass es keine weiteren Steuern gäbe.) Ich hatte kurzzeitig erwägt, alle mitzunehmen, die einem so gegeben werden, um dann ein Schwarze-Peter-Spiel zu entwickeln oder so eines, wie man es früher mit Auto-Typen gespielt hat (»Mein Auto hat 394 PS.« »Ja, blöd. Hier hast Du meine Karte.« »Gut, das nächste hat 7000 Umdrehungen.« – das war dann die Ente.)

Zurück ging es dann per Bus. Die jüngeren Herrschaften gönnten sich noch einen Drink und dann ging es auch für sie in Richtung Bett.

2015-04-03T16:06:00+00:0030. Mai 2011|Categories: Unterwegs, USA 2011|Tags: , , |Kommentare deaktiviert für Ganz verschiedene Angebote