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Ganz, ganz anders

Nachher ist man ja immer klüger. Würde ich die Route noch einmal zu planen habe und das für Mitte Mai/Anfang Juni – ich würde mir den Lake Tahoe sparen. Nicht, weil er nicht schön wäre, ganz im Gegenteil. Vielmehr passte er so gar nicht in die Rundtour. Später im Jahr mag das anders aussehen. Aber später im Jahr wäre vielleicht auch der Yosemite Park nicht auf meiner Liste der To-Do‘s gewesen.

Nun sind wir am Sonntag in aller Herrgottsfrühe schon aufgestanden und standen um 6 Uhr morgens schon bereit, das Hotelareal zu verlassen. Die beste Ehefrau der Welt hatte sich schon einen Kaffee auf dem Hotelzimmer gemacht und dabei den See betrachtet, während meine Wenigkeit damit beschäftigt war, die vollgeschnaubten Taschentücher beiseite zu räumen. Der Schnupfen hatte über die Halsschmerzen gewonnen und fing an, sich richtig auszutoben.

In South Lake Tahoe, einem Ferienort, der im Mai aber sehr ausgestorben wirkte, machten wir in eine Frühstücksrestaurant halt, um uns zu stärken und für lange Autofahrten, die in gebirgige Gegenden führt, muss man sich immer besonders intensiv stärken. Lobenswert soll hier erwähnt werden, dass das besagte Frühstücksrestaurant ihop(e) – ob mit »e« oder ohne weiß ich nicht mehr – nicht nur Kaffee nachschenkte sondern auch Orangensaft, was sie zu einem Favoriten auf der Liste der Frühstücksrestaurants macht.

Von dort aus ging es in Richtung Lake Mono – immer auf der US 395 um dann auf die 108 abzubiegen. Wir waren an dem Lake Topaz vorbei, als sich eine Kontrolle angekündigte. Eine, sagen wir mal, überraschende Kontrolle beim Grenzübertritt von Nevada nach Kalifornien, die sich auf die Frage erstreckte, ob wir Obst oder Pflanzen bei uns führen würden. Wir beantworteten die Fragen brav und erkundigten uns, ob denn der Pass der 120 geöffnet sein würde – die Hoffnung, es wurde schon mal erwähnt, stirbt ja zuletzt. Die Antwort gefiel uns überhaupt nicht. Er sagte etwas von auf die 8889 und dann die 50 und dann die 49. Hinter dem Häuschen bekamen wir es auf einer riesigen Anzeige dann noch einmal weiß auf schwarz. Die Pässe waren durch die Bank gesperrt, nur die Kombi 8889 war befahrbar. Die US 50 zu befahren, ja ein durchaus passabler Weg, allerdings führte uns der Weg wieder zurück zum Lake Tahoe.

Nun fuhren wir zuerst durch eine Gegend, in der jeder anständiger Western seine Indianer-Angriffe hätte filmen können. Auch unsere letzte Hoffnung, die 4 entlang zu fahren, wurde auf dieser schon nach kurzer Zeit zerstört. So hatten wir eine schöne Tour durch die nördliche Sierra Nevada, die uns allerdings dem Ziel nicht entgegengebracht.

So ging es über die US 50 wieder in Richtung Sacramento und dann auf einen hochlangweiligen Interstate in Richtung Yosemite. Der kurz angebundene Obst- und Gemüsekontrolleur hatte nun auch endgültig unsere Aussprache dieses Nationalparks korrigiert und so kamen wir gegen sieben Uhr, nach nur 13 Stunden in unserer Unterkunft an.

Unterwegs im Starbucks hatte ich das erste Glaubwürdigkeitsproblem an diesem Tag. Auf der Toilette fand ich wie immer den Hinweis, dass man sich als Mitarbeiter die Hände zu waschen habe. Aber der erste Mal so detailliert, dass es schon später eine Erwähnung war. Nämlich: Der Starbucks-Mitarbeiter hat das Wasser anzustellen, sich der Seife zu bedienen, die Hände abzuseifen, diese dann abzuwaschen, mit Hilfe eines Papierhandtuchs abzutrocknen und dann mit einem Papierhandtuch das Wasser abzudrehen. Wer so eine Anleitung nicht kapiert, dem ist wirklich nicht zu helfen. Am Tisch erzählt, wollte mir das keiner glauben. Es wurde aber noch mal kontrolliert…

Am Rande der Highways stehen oft Schilder, auf denen mitgeteilt wird, wer den Abschnitt der Straße »adoptiert« hat – sprich betreut. Plötzlich gab es einen Aufschrei im Wagen: »Stopp!«, »Halt!«, »Hier ist es!« und ich denk‘ so: Was habe ich denn jetzt verpasst? »Wo?« »Na hier!« »Wo hier?« »Hier ist doch das Schild und da steht Yosemite Bug drauf.« »Wo? »Du stehst davor.« Ich gucke mich um, ich sehe nichts, bis auf das Schild »Adopt-a-Highway« auf dem, ich gebe es zu, der Name unserer Unterkunft steht. »Wo?« fragte ich erneut. Aber mehr, als die Auskunft, ich würde davor stehen, bekomme ich nicht. Also ein neuer Versuch: »Meint Ihr das Schild mit „Adopt-a-Highway“?« »Ja«, heißt es. »Und?« »Wir müssen hier rein!« »Nur weil auf einem Schild „Adopt-a-Highway“ steht?« »Was denn sonst?« »Aber die Schilder stehen hier alle Nase lang und nur weil da ein Name drauf steht, heißt es nicht, dass dort was ist. Manchmal stehen da die Namen von Armeeeinheiten drauf, und die sind dann trotzdem nicht dort.« »Ach so?« »Ja.« »Dann lass uns weiterfahren.« Immerhin war es ein gutes Zeichen, denn einen Kilometer weiter war es dann.

Die Hütten, die wir beim Einbiegen sahen, sahen ärmlich aus. Man konnte spüren, wie sich entsetzen im Wagen breit machte. Selten habe ich Sprachlosigkeit so fassen können. Das war total dufte.

Wir holten uns die Schlüssel für das Haus, was nebenbei bemerkt, fantastisch ist. Wir haben elf Schlafmöglichkeiten und sind nur zu fünft in dem Haus. Die Dusche im ersten Stock muckt ein wenig rum, aber das tangiert nur die älteren Herrschaften, die sich dort einquatiert haben, während wir als Jungvolk im oberen Geschoss ein ausladendes Bad mit Badewanne (einschließlich bisher nicht genutzter Whirlpool-Funktionalität) haben.

Eine kleine Herausforderung ist es, das Haus mit dem Auto wieder zu verlassen, aber auch das haben wir bisher immer überlebt und damit bewältigt. An diesem Abend ging es noch »in die Stadt«, denn bei dem Yosemite Bug-Restaurant war kein Platz mehr. Wir landeten beim Mexikaner und auch bei diesem konnten wir uns weder über die Qualität des Essens noch über die Quantität des selben wirklich beschweren.

Beim Rausgehen merkte ich an, dass es ja erstaunlich ist, dass das Restaurant einen Aufschlag von 18 Prozent nehmen würde, wenn man mit mehr als fünf Personen käme. Wir, das konnte ich mir natürlich nicht verkneifen, hätten ja noch einmal richtig Glück gehabt. Wie ich denn darauf käme, wurde ich gefragt. Nun wusste ich nicht genau was »Gratuity« hieß, und es hat ja auch einen Klang wie etwas, was umsonst oder schön oder irgendwie ist, aber es war kombiniert mit »added« und das hört sich für mich als Gast nicht so an, als würde mir was geschenkt werden. Die Anderen waren anderer Meinung. Ich holte mir noch einmal die Karte und zeigte es vor. »Nein, Du bekommst 18 Prozent abgezogen, wenn Du mit mehr als fünf Personen hier bist.« »Kann ich mir nicht vorstellen.« »Jede Wette!« »Wie viel?« Wir nahmen die Karte und gingen zur Dame, die uns auch den Platz zugeteilt hatten, und Susann fragte, ob dieser Zusatz bedeuten würde, dass man einen Discount bekäme. Sagen wir mal so: Wir haben einen Freund, der mag Eis so sehr, dass er bei der Frage, ob ihm eine Kugel Eis reichen würde, ein leicht hysterisches Lachen ausbricht. Ich habe das noch nie bei jemand anderem gehört. An diesem Abend allerdings: »Less?« Und dann kam dieses Lachen. Mehr brauchte ich nicht…

2015-04-04T12:19:16+00:0022. Mai 2011|Categories: Unterwegs, USA 2011|Tags: , , |Kommentare deaktiviert für Ganz, ganz anders