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Mein eigener Notausgang

Manchmal bin ich so schnell begeistert, dass ich die Begeisterung zehn Sekunden – nach ein wenig Nachdenken – schon wieder verfluche. So erging es mir am Montag, denn meine Bequemlichkeit siegte über den Verstand.

Ich hatte ein Hotelzimmer gebucht und der Besitzer hatte mir am Telefon schon verdeutlicht, dass er nicht durchgängig ein Hotelzimmer für mich haben würde. Nun kam ich an und er bot mir drei Alternativen: Entweder ich würde ein Zimmer nehmen, er müsste mich aber für eine Nacht ausquartieren. Oder ich würde in ein anderes Hotel um die Ecke zu den gleichen Konditionen ziehen. Oder ich könnte im Untergeschoss ein Apartment beziehen.

Ahh, dachte sich wohl meine Bequemlichkeit, jetzt bist Du schon mal hier. Warum denn noch umziehen! Guck es Dir an. Der Hotelier meinte ähnliches und wir kamen in das Zimmer und es bestand aus zwei angenehm großen Räumen, die noch besser eingerichtet waren als die Zimmer in dem Hotel und die waren für ein Drei‐Sterne‐Hotel in der Stadt schon nicht schlecht. Ich überhörte dabei aber wohl, dass das Bad und die Toilette nebenan wären. Nur für mich, andere Zimmer waren ja nicht im Keller, aber halt nicht direkt im Zimmer. Es gäbe auch einen Bademantel und Schlappen. Da hatte ich schon lange Jahr gesagt, bevor sich das Unterbewusstsein meines Bequemlichkeitsgens zu Worte meldete und meinte: Du hasst es, über einen Flur fremder Leute (geschweige denn Hotels) zum Klo zu gehen. Oh, hatte dieses Unterbewusstsein Recht! Aber nun war es zu spät. Es sollten ja nur drei Nächte sein, das würde man ja mal aushalten. Und überhaupt: Die Dusche sah auch recht schick aus!

Gewohnt, das Positive an einer Angelegenheit zu sehen, kehrte ich in das Zimmer zurück, dessen stolzer temporärer Besitzer ich nun sein sollte und schaute mir das Fenster an. Denn es war zwar im Fenster, auch wenn es im Keller war. Halt so ein Fenster, wie man sie unter diesen Fußabtretern, diesen metallenen Abdeckgittern hin und wieder entdeckt, und sich fragt, was denn da wohl sein mag, oder sich vielleicht auch mit dem Gedanken beschäftigt, was passieren würde, wenn man beim Betreten dieser Gitter einkracht und nach unten fällt. Ein frühpubertärer Teenager hätte sich vielleicht gefreut, denn wenn man von unten nach oben schaut, hätten sich vielleicht interessante Aussichten ergeben. Meinereiner, dieser Phase lang entwichen, dachte bei näherer Betrachtung: Uiuiuiui, das sieht aber gar nicht gut aus für den UMTS‐Stick – hier gibt es sicher gar keinen oder schlechten Empfang.

Nun mag man drei Tage hinter einander problemlos über einen Flur auf die Toilette gehen können – aber mal ehrlich: Drei Tage kein Internet haben, obwohl man dafür bezahlt. Ich bereute die Entscheidung in das prächtig möblierte Appartement einzogen zu sein ein weiteres Mal und meine Laune sank stetig.

Ein anderer Aspekt wurde mir erst in der Mitte der Nacht deutlich: Dass das Bett recht klein war, war es nicht. Das war zu verkraften, weil es nur ein kleines Doppelbett war und so Ausdehnungsmöglichkeiten bestanden. Es ging um die Heizung. Ich hatte die Kellerwohnung ein wenig eingeheizt und mir dann gedacht: Ist ja schon Frühling, so kalt ist es nun auch wieder nicht, mach mal die Heizung vor dem Schlafengehen aus! Womit ich nicht gerechnet hatte, war, dass es verdammt kalt wurde in diesem Etablissement. Nicht so kalt, wie in der Bude, die ich im Januar in Bayern hatte, so ich, als ich in das Zimmer hereinkam schon wusste, dass es keine schöne Nacht werden würde und nach zwei Stunden heftigen Heizens noch keinen Unterschied feststellen konnte. (Das war eine echt grausige Nacht gewesen: Man nennt mich eigentlich auch Eisbär und kühle Zimmer machen mir nichts aus. Aber da habe ich in Klamotten und Strümpfen geschlafen. Gott sei Dank, war es nur eine Nacht. Wenn jetzt noch jemand der Meinung sein sollte, das Dienstreisen immer nur ein großer Spaß wären, der sollte sich korrigiert sehen!) Aber es war immerhin so, dass ich mich auf die warme Dusche am Morgen schon in der Nacht freute.

Cool war natürlich, dass ich entdeckte, dass ich einen eigenen Notausgang hatte. Und der war ja viel, viel toller (was für ein Sprachkonstrukt!) als die Notausgänge, die einem in den oberen Etagen zur Verfügung standen. Da hatte man das Treppenhaus und konnte, wenn das unpassierbar wäre, aus dem Fenster springen. Aber ich, konnte das Fenster aufmachen und eine Leiter hochklettern. Also vom Sicherheitsgedanken war die Wohnung im Keller erstklassig.

Ich würde sie jetzt jedem weiterempfehlen, das eine Vorliebe, für sichere Fluchtwege (die auch noch gut ausgezeichnet sind) hat, gern über einen Flur zur Toilette und den Duschmöglichkeiten geht und keinen großen Wert auf eine stabile Mobilfunk‐Verbindung legt.

2010-04-15T00:49:36+00:0015. April 2010|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Mein eigener Notausgang