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Ein Satz heiße Ohren

Nun ist doch noch das eingetreten, was Susann die ganze Zeit hat zu vermeiden. Der Herr Papa und ich haben einen Sonnenbrand! Ist aber auch blöde, denn wir sind schon zwei Wochen in Südafrika und ich habe mich immer brav eingeschmiert und dachte mir, dass die Haut sich jetzt dran gewöhnt haben sollten. Da sie aber mit Lichtschutzfaktor 50 verwöhnt wurde, hatte sie das wohl nicht und deshalb sah ich auch immer noch aus, als hätte ich Urlaub in Norwegen zur Wintersonnenwende gemacht und nicht in Afrika.

Vorgestern Abend hatten wir in einem der Touristenfallen‐Restaurants eine Menge Sushi verdrückt und sahen, dass die eine Aktion hatten: Wer drei Bier trinkt, bekommt ein Bierglas umsonst. Wir waren vier, das passte ja prächtig. Allerdings kam es nicht ganz so, wie gedacht, denn wir hatten dann vier Bier, die wir bezahlen mussten, und ein leeren Bierglas, dass wir mit nach Hause nehmen dürfen. Mal schauen, was dafür hier bleiben muss. Übrigens: Es war italienisches Bier! Italienisches Bier in Südafrika zu trinken, hat einen etwas merkwürdigen Beigeschmack. Aber letztlich kann man zu einer Mahlzeit die aus originär japanischen Reisklümpchen mit Fischeinsprengslern auch Bier aus einem Weinland trinken.

Nach einem Absacker in der Hotelbar ging es flink ins Bett, denn für den gestrigen Tag war wieder frühes Aufstehen angesagt. Wir fuhren nach dem Frühstück zur Plettenberg Bay und hatten uns vorgenommen, Wale zu watchen. Der Name »Wale watching« sagt eigentlich schon alles: Man fährt aufs Wasser und guckt, ob man welche sieht. Das ist wie Safari, man weiß, dass das Wasser von Fischen und schwimmenden Säugetieren bevölkert ist, aber ob sie sich auch blicken lassen, dass weiß man nicht.

Wir fuhren mit einem Boot auf die See heraus, welches plump und ungelenk aussah, sich aber als hässliches Entchen herausstellte. Es war ziemlich schnell und wurde vom Bootsführer über das Wasser gejagt, dass wir ein Gefühl von »Miami Vice« bekamen, nur halt nicht in so schicken Aufzügen und in einem weniger schicken Boot.

Ich hatte den Indischen Ozean immer für ruhig gehalten, aber ich war ja auch noch nie auf einem »richtigen« Wasser gewesen, geschweige denn, dass ich eine Kreuzfahrt gemacht hatte. Kam man über einen Wellenkamm, schlug man danach ziemlich hart auf. Aber die Stabilität des Schiffes ließ es zu, auch wenn man gepolsterten Bänken in der Situation nicht abgeneigt gewesen wäre.

Mit unseren roten Schwimmwesten sahen wir ganz gewiss ziemlich albern aus, ich habe Don Johnson bei MV nie eine tragen sehen, was den Unterschied noch deutlicher macht. Allerdings ist der mit seinem Boote auch nicht zum Wale gucken gefahren, was ihm für eine Folge auch nicht empfohlen hätte, denn das ist eine ziemlich dröge Angelegenheit, wenn keine Wale da sind. Wer also (a) keine 360 Francs für ein Vergnügen übrig hat, bei dem das Ziel der Begierde nicht einmal vorbei schaut, und (b) langes Starren auf das Meer für langweilig hält – der sollte sich den Spaß schenken. Dann bleibt nämlich nur die Fahrt mit einem schnellen Boot übers Wasser, und das kann man in Disneyland auch bekommen.

Unsere Ausbeute aus diesem Ausflug waren genau anderthalb Wale. Den halben habe ich nur vom Hörensagen kennengelernt aber nicht selbst gesehen. Auch die anderen an Bord haben ihn wohl nicht gesehen, nur unser Guide, aber der saß ja auch auf einem erhöhten Ausblick, was schon was alten Seemanns‐Filmen hatte, weil er auch etwas kleiner und ziemlich jung war. Was fehlte, war der Sturm, und der Mast, der hätte sich dem Wind beugen können.

Der Bootsführer fuhr im Kreis und ließ sich dann zu einer Schnellboot‐Tour hinreißen, um eine andere Stelle zu inspizieren und dort trafen wir dann auch einen Wal. Es war ein Southern Right‐Wal, der also den Namen eines meiner Lieblings‐Weißweine aus Südafrika trägt, und dort gemütlich vor sich hinplantschte und mit uns Spiel. Er tauchte unten und an einer ganz anderen Stelle wieder auf. Dann setzte er beim Auftauchen eine kleine Fontäne ab, die man nie auf Foto bannen konnte, denn mit der Fontäne war sein Auftauchen verbunden, zeigte kurze Zeit seinen Rücken und verschwand wieder. Sicher war das sehr beeindruckend, aber wer wirklich was sehen will, sollte wohl besser ins Kino gehen.

Zu anderen Zeiten sieht man mehr, denn die Saison ist fast vorüber.

Wir kamen zurück und fuhren mit dem Boot volles Karacho auf den Strand, ein würdiger Abschluss für die ruppige Tour, und es war noch früh am Tag. Wir fuhren in Richtung Tsitsikamma‐Nationalpark, weil wir gehört hatten, dort gäbe es eine besondere Hängebrücke über die andere Familienmitglieder schon geschaukelt sind. Zuerst machten wir noch einen Abstecher nach Nature‘s Valley; sehr, sehr schön – aber im Augenblick durch Straßensperrungen schwer zu erreichen. An einem wunderbaren Strand vergaß ich dann, dass Strand aus einer Mischung von Sand und Wasser besteht und beendete die Visite mit nassen Schuhen.

An dem Pub/Restaurant an dem Strand konnte man sich gut in den Schatten setzen und die Lunch‐Zeit genießen. Es war nett, es bleibt aber festzuhalten, dass die Portionen der Vorspeisen durchaus die Quantität der von Hauptspeisen haben können und dass man dort keinen Kaffee trinken sollte, denn zwei Versuche brachten keine Besserung. Dagegen ist der Banana Split eine Sünde wert.

Man hatte uns gesagt, bis zur Brücke wäre es ein Marsch von zwei Stunden. Mit zwei Rentnern – also Frau Mama und Herrn Papa – die beide nicht mehr so die Speedies sind, braucht ungefähr vierzig Minuten. Der Weg ist sehr gut ausgebaut, aber es geht über Treppen halt auf und ab. Unterwegs begegneten uns einige Leute, die haben keinen Blick für die Umgebung übrig gehabt, nur das Ziel war das Ziel – offenbar total vergessend, dass sie durch einen Nationalpark mit vielen Tieren und Pflanzen marschierten. Es war doch allerlei Leben im Unter‐ und Oberholz. Ein wenig peinlich ist mir indes noch, dass ich den Leuten eingeredet habe, sie könnten hier Pinguine sehen – es waren wohl nur Kormorane. Andererseits habe ich sie in ihrer Rennerei zumindest ein wenig gebremst, habe ihnen schlechtere Zeiten bei der Wander‐Raserei beschert und sie haben es mir geglaubt.

Die Brücke ist schön, bei weitem nicht so hoch, wie ich mir das vorgestellt habe. Ich dachte, die Brücke sei hoch und richtig gefährlich – letztlich war sie gerade neun Meter über dem Wasser und selbst Susann meinte, dass wäre ja Pillepalle. Sie sprang nun nicht gerade auf der Brücke rum und schaukelte wie wild, aber es war definitiv ungefährlich. Die eigentliche Brücke hat in diesem Jahr sogar noch ein wenig Nachwuchs bekommen und es existiert ein neuer Weg.

Der Weg dorthin hat sich auf jeden Fall gelohnt und der Weg dorthin ist nicht so lang, wie es einem erzählt wird.

Wir waren allerdings nach dem langen Tag und den vielen Abenteuern völlig geschafft, kamen gerade noch ins Hotel und ließen uns im »Dish« um die Ecke in die Stühle fallen. Ich kann nur für meine Mahlzeit sprechen: Die Vorsuppe war exzellent, das Hauptgericht aus Schwein kam mit einer vorzüglichen Soße daher und auch das Gemüse war super, allerdings war das Schweinefleisch mit einem Fett‐Rand, der mich nicht vor Freude überbrodeln ließ – vermutlich war der aber der Clou an dem Gericht; die Nachspeise war wieder exzellent. Wirklich, sehr, sehr gut das Restaurant, bei dem gerade die Bedienung ein ganz dickes Lob für Aufmerksamkeit und Können verdient.

Mit einem Satz heißer Ohren, rot wie die Fahne der Sowjetunion, fiel ich ins Bett und war sofort weg.

2009-11-28T06:00:54+00:0028. November 2009|Categories: Südafrika 2009, Unterwegs|Tags: |Kommentare deaktiviert für Ein Satz heiße Ohren