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Die Hahns gehen in die Stadt

Es ist verdammt schwierig, Tage wie den Donnerstag (der 19.) oder den Dienstag (der 17.) zu überbieten. Das Bespaßungsprogramm nimmt vor allem dann Schaden, wenn das Wetter nicht mitspielt. Wir sind hier heute wieder mit Nebel und Regen aufgestanden und der Wetterbericht, den wir gefunden hatten, machte uns deutlich, dass für den heutigen Tag nicht mit Besserung zu rechnen war, und wie um uns eine Nase zu zeigen, war war der Symbol für den morgigen Sonntag eine Sonne. Das passt zwar, uns allerdings weniger in den Kram, denn morgen sind wir schon wieder unterwegs und die höchsten Gipfel der Drakensberge werden es geschafft haben, die ganze Zeit sich vor uns schamhaft verhüllt zu haben.

An der kleinen Furt, an der wir gestern schon Frauen Wäsche waschen sahen, sind wir heute auch zum Halten gekommen. Kaum standen wir, sah ich aus den Augenwinkeln, wie die eine anfing herumzutänzeln und offenbar ihre Nachbarin beschwatzte, ganz aufgeregt war. Interessanter war für uns die andere Seite und die wurde von uns, ganz touristen‐like, abfotografiert was das Zeug hielt. Auf der Brücke stehend kam das Mädchen, was es dann war, barfuß – Respekt! (das Wasser konnte nicht warm gewesen sein, draußen war es auch nicht warm und den Zettel mit den hier vorkommenden Schlangen hatte es wohl auch noch nicht gelesen) – grüßte nett und machte sich auf den Weg zu dem Auto. In dem saßen Susann und die Frau Mama und mühten sich, für das Mädel irgendetwas Süßes zu finden. Nun waren wir ja schon gestern ausgeräubert worden, und die Frau Mama konnte nur zwei Bonbons, die wir irgendwo in einem Restaurant neben der Rechnung fanden, präsentieren und ich gab meine Krügerol, ostdeutsche Hustenbonbons, die zu allem Überfluss auch noch ohne Zucker waren. Die Damen der Mannschaft beschlossen, dass es Zeit wäre, dringend einen Zwischenstopp an einem Supermarkt einzulegen, damit die Sweetie‐Vorräte aufgefrischt werden könnten.

Wir hatten von der Wirtin in Dundee eine Karte für die Drakensberge mitbekommen, die uns heute als Führer diente. Auf der war ein großer See mit zahlreichen Ausläufern zu sehen und den wollten wir uns mal begucken, wenn denn eine kleine Wanderung als Option für uns schon wegfiel.

Man hätte natürlich außen rum fahren können, aber das wäre motorsportlich grober Unfug gewesen und so wagten wir uns wieder auf die Piste. Die Strecke war trotz der vielen Regenfälle, die es in den letzten Tagen gegeben hatte, in sehr guten Zustand und es gab nur wenige Pfützen und schlammige Bereich. Für uns und unser Auto überhaupt kein Problem.

Dafür war der Ausblick umso großartiger. Großartige Panoramen und Ausblicke auf das Tal gab es. Kleine Wasserfälle, zu denen ich am liebsten herunterklettert wäre. Den ganzen Weg entlang gab es immer wieder kleine Siedlungen. Es sah zwar so aus, als ob sie nah beieinander lägen, aber in Wirklichkeit waren es wohl immer eine halbe Stunde, die man zu Fuß von Ort zu Ort gebraucht hätte.

Wir fuhren letztlich in eine kleine Ortschaft hinein und mussten uns wieder wundern: Es ist an diesen Orten immer verdammt dreckig. Damit meine ich nicht die Straße, die ist halt nur ein befestigter Weg. Es stört vielmehr, dass viel Müll einfach vor die Tür oder beiseite geworfen wird. So sieht es dann aus. Die erste Aktion »Unser Dorf soll schöner werden« wird den Bewohnern viel Arbeit bescheren. Für ihre Umgebung wäre es aber sinnvoll, diese mal stattfinden zu lassen. (Je näher man an die Naturschutzgebiete kommt, desto besserer wird es übrigens.)

Nachdem wir den See umrundet hatten, kamen wir nach Bergville. Man kann nicht sagen, dass es eine große Stadt ist – aber es ist ein Platz, an dem das Leben tobt. Unterwegs hatten wir uns schon gefragt, wo denn die ganzen Leute waren – jetzt wussten wir es. Die, die heute nicht damit beschäftigt waren, Wäsche zu waschen, die waren mit dem Minibussen in die Stadt gefahren und erledigten Einkäufe. Ich würde mal nicht vermuten, dass sie dort waren, um nur Süßigkeiten zu kaufen.

Die Frau Mama und Susann stürmten den örtlichen Spar‐Markt und kauften alle Süßigkeiten auf, die man an kleine Rotznasen nur so verteilen konnte. Ich blieb draußen sitzen, machte ein paar Fotos, und kontrollierte, dass sich der Herr Papa mit seiner Videokamera nicht allzu sehr daneben benahm.

Als Weißer mit einer Kamera ist man in einer solchen Stadt ein Hingucker wie ein blaulakiertes Hühnchen. Jungs werfen sich in Pose und wollen fotografiert werden, jeder versucht sein Krams bei dir loszuwerden und die Mädchen lächeln einen immer wieder freundlich an. Man kann sich gewiss sein, dass seinem nicht jeder freundlich gesinnt ist – mancher guckt auch befremdlich, die Gründe kennen sie sicher besser. Aber uns ist heute keine Unfreundlichkeit zuteil geworden.

Viele Geschäfte waren merkwürdige Kombinationen, die wir aus Deutschland nicht kennen – beispielsweise Schuhe & Mobilfunk. Da sieht man nicht auf Anhieb einen Zusammenhang, kennzeichnet aber gut die Widersprüche in diesem Land. Viele Waren werden von den Damen des Landes auf dem Kopf transportiert und man weiß, dass deren letzten Sorge gewiss die Dauerwelle ist. Sieht man es aus der Ferne und denkt sich so: »Ach Gott, die Arme!« und fährt vorbei, kann es vorkommen, dass sie auf diesem Weg mit ihrem Mobiltelefon in der Welt herumtelefoniert. (Es ist allerdings nicht anzunehmen, dass sie mit ihrem Broker in New York telefoniert…)

Frau Mama kam zu der Erkenntnis, dass ihre gelbe Tasche schon ziemlich kaputt sei (wir werden sie auf künftigen Fotos also vermissen), und dass man statt dessen eine neue besorgen könnte. Das örtliche Bekleidungsgeschäft wusste dort Abhilfe: Das Model war schnell gewählt, aber beim Funktionstest der Ware gab es zwei, drei Ausreißer bevor die volle Zufriedenheit hergestellt war. Der Preis für die Tasche erklärt die Ausreißer: 30 Rand – also umgerechnet 3 Euro. Große Erwartungen darf man an solche Tasche nicht haben, aber sie wird den Urlaub vermutlich überleben – vielleicht, das will ich nicht ausschließen, wird sie uns aber auch überraschen und die Frau Mama noch in viele Urlaube begleiten und jedes Mal kann man dann sagen: 3 Euro in Südafrika.

Letztlich kamen wir zu dem, was ich eigentlich als Markt vermutet hatte, aber nichts anderes war als ein großer Minibus‐Bahnhof. Dort standen die Busse in unterschiedlichen Reihen und wurden von den Stadt‐Besuchern gefüllt. An den Bussen noch »trieben« sich diverse Händler herum, und versuchten ihre Waren in die Busse zu verkaufen. Minibusse – zur Erinnerung – sind die örtlichen Transportmittel auf VW‐Bus‐Basis (oder verwandte Modelle anderer Hersteller). Je nach angewandtem Kompressionsgrad können dort schon mal 10 bis 15 Leute drin Platz finden. Die Reihen gaben vor, in welche Richtung es mit dem Bus ging.

Auf den Straßen und auf den Märkten gab es jede Menge Musik zu hören. Jedes Geschäft, das etwas auf sich hielt und nicht gerade Lebensmittel oder Kinderbekleidung verkaufte, hatte einen Lautsprecher vor der Tür aus denen laut Musik tönte, so dass man seit langer Zeit auch mal wieder Gassenhauer aus den Achtzigern auf der Straße hören konnte. Es war ein Gewimmel und Gewusel und dazwischen gab es die mobilen Händler, die von Tabletts oder von kleinen Wagen ihre Waren feil boten, entweder Gegrilltes oder Obst und Gemüse, welches ein Meister der Präsentation auch noch mit Wasser bestäubte, um es ansprechender zu machen (ein Anblick, der mich wirklich begeisterte).

Auf dem Rückweg ins Camp sahen wir schon, dass das Wetter, welches im Tal wirklich herrlich war – sonnig und warm – so geblieben war, wie wir es zurückgelassen haben. Dunstig und regnerisch. Gerade eben gab es hier das erste Mal ein paar Sonnenstrahlen, dazu allerdings Regen. Wir werden hier in den Bergen mit dem Wetter wohl nicht mehr warm werden.

Auf der Rücktour kamen uns eine Gruppe von Kindern entgegen, begleitet von einem älteren Mädchen. Nun, da wir etwas zu verteilen hatten, wollten wir die Gunst der Stunde nutzen und dieser kleinen Gruppe etwas Gutes für den Magen und etwas Schlechtes für die Zähne tun und hielten hinter ihr an. Kaum war der Wagen zum stehen gekommen, waren die Kinder auch schon neben der Beifahrer‐Tür und Susann verteilte ein paar Lutscher. Die Hände, die sich ihr entgegenstreckten, konnte sie nicht auseinanderhalten, weshalb unser Ansinnen »Jeder nur Eines!« sich nicht lange durchhalten ließ und wir später darüber philosophierten, ob wir nicht auch solche Disco‐Stempel einführen sollten, um auseinander halten zu können, wer schon was bekommen hat und wer nicht. Selbst die temporär erziehungsberechtigte Person war nicht willens und in unseren Verteilmaßnahmen zu unterstützen und nutzte die Gelegenheit, an die Leckereien zu kommen. So ging das nicht!

Ein guter Tipp: Verteilen und schnell wegfahren. Je länger man stehenbleibt, umso prekärer wird die Situation. Denn es muss Gedankenübertragung zwischen den Kindern geben, denn nach 90 Sekunden kommen weitere herbeigestürmt und es kommt wieder das bekannte »Sweeties! Please!«. Es ist hart, dann hart zu bleiben. Ich habe mir aber im Anschluss einen der Lutscher, die verteilt werden sollten, geben lassen und muss sagen, dass ich die Kinder und ihr »Please!« verstehe – verdammt lecker!

2009-11-21T17:05:18+00:0021. November 2009|Categories: Südafrika 2009, Unterwegs|Tags: |Kommentare deaktiviert für Die Hahns gehen in die Stadt