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Notar (II)

Herr V. meinte, sie wären ganz aufgeregt gewesen als sie das erste Haus gekauft hatten. Ganz ehrlich: Mir ging das nicht so. Wahrscheinlich kommt meine Aufregung erst, wenn wir bei der Bank unterschreiben, denn so viele Schulden auf einmal habe ich noch nie gemacht. Wahrscheinlich ist ein normaler Notar-Termin eine ganz dröge Angelegenheit, aber unser Notar hatte schon eine Menge Humor.

Er fragte Herrn V. zum Beispiel, ob er denn vorhabe, die Jalousien mit zu verkaufen oder ob noch Sachen abmontiert werden. Offenbar war das eine Anspielung an den Termin, den die beiden zwei Tage zuvor zu bestreiten hatten, und der nicht ganz so unkompliziert ablief. Herr V., eigentlich recht unzufrieden, da das angebotene Marzipan nicht Lübecker Provenienz war, sondern sehr wahrscheinlich von ALDI (sprich süßer Zuckerkrams). Hatte ich schon erwähnt, dass Herr V. kein Blatt vor den Mund zu nehmen pflegt? Der Notar entgegnete, dass die den Gästen angebotenen Süßigkeiten in der Regel weihnachtliche Überbleibsel aus den Haushalten der Angestellten wären. Da hat man als Mandant im Februar ja noch richtig Glück. Mandanten im April müssen auf ein frühes Osterfest hoffen, während Mandanten im November ganz schlecht dran sein werden.

Der Vertrag wurde also runtergebetet und zum ersten Mal wurde mir klar, dass es gar nicht darum geht, die Summe x am Tage y von a nach b zu verschieben, sondern dass jetzt erst einmal das Finanzamt kommt und Geld haben will, dann erst wird der Käufer bedient und zum Schluss kommt der Notar. Als Haus-Erstkäufer ist das schon ein wenig verwirrend. Aber wie meinte der Notar so schön: Wir werden jetzt an die Hand genommen und durch den Verkaufsprozess geführt. Somit wird auch klar, warum ein stattliches Sümmchen an unseren Notar gehen wird. Er wird noch richtig Arbeit mit uns haben.

Vielleicht erinnert sich noch jemand an den ersten Beitrag zu dem Thema, der im Juli hier zu finden war. Da wurde gefragt, wie das Haus, das ich kaufen möchte, beschaffen sein sollte. Also gehen wir das nochmal durch

Unser Haus sollte kein Reihenhaus sein. Ich will Krach machen können in meinem Haus und keine klopfenden Nachbarn haben. Und Nachbarn, die Krach machen und mein Ruhebedürfnis nicht akzeptieren, kann ich schon mal gar nicht leiden. Außerdem ist mir der Gedanke ein Graus, das plötzlich irgendwelche Zäune und Absperrungen errichtet werden und ich war dann nicht der Erste gewesen.

Ganz klar. Das Haus ist ein freistehendes Haus und der nächste Nachbar ist fünfzig Meter entfernt, und das quer über die Straße. Links und rechts gibt es keine unmittelbaren Nachbarn. Was Krach angeht, kann ich mich austoben.

Natürlich sollte so ein Haus nicht in einer Siedlung liegen, in der gerade neu gebaut wurde, die ersten Ehen geschieden werden, weil man sich während des Baus verzankt hat oder den Nachbarn (oder die Nachbarin) näher kennengelernt hat, weil man sich mit den Häusern näher auf der Pelle hockt als dem nächsten Kollegen am Arbeitsplatz.

Somit ist klar, dass sich das auch erledigt hat.

Schon schwierig, aber es kommt noch besser: Es sollte dörflich gelegen sein, möglichst ruhig (also keine Kies- oder Betonwerke, keine Autobahnen in der Nähe), trotzdem wäre es natürlich traumhaft, schnell nach Kiel zu kommen und irgendwie öffentliche Verkehrsmittel nutzen zu können, zum Beispiel zum Bahnhof oder so.

Das Haus liegt in Mühbrook und das liegt in der Nähe von Bordesholm, was wiederum zwischen Neumünster und Kiel liegt. Mein Weg zur Arbeit verkürzt sich nicht, aber er verlängert sich nicht. Ich bleibe also im gleichen Radius um Kiel. Das Dorf ist wohl größer als Borgdorf, wo wir jetzt wohnen, dafür haben wir das letzte Haus am Ortsausgang in die Walachei hinein. Der Blick auf einen See, zumindest der direkte, ist passé. Aber das Dorf selber liegt am Einfelder See, der nicht ganz klein ist.

Ganz klar, dass trotz dörflicher und ruhiger Lage ein DSL-Anschluss gerade zu zwingend ist. Wer will heute noch irgendwelche Takt-Volumen bezahlen. Das wäre auf alle Fälle ein k.o.-Kriterium.

DSL sollte zu haben sein, auch wenn nicht mit der Performance, die ich im Augenblick gewöhnt bin. Aber Hauptsache es gibt DSL.

Aber was rede ich da? Sowas ist wohl nicht zu finden.

Hmm, schaun wir mal, was es noch wird…

Schließlich soll das Grundstück nicht zu klein sein, dass man sich auch mal aus dem Weg gehen kann. Für den Winter sollte auch vorgesorgt sein: Ausreichend Wohnraum ist Pflicht.

Damit wären die Anforderungen beschrieben, die ich an ein Grundstück habe. Susann hat natürlich auch einige Ansprüche, die aber in der Regel illusorisch sind: eine schöne Küche und einen Fischteich. Also mal ehrlich: Wo kommen wir denn dahin.

Das Grundstück hat etwas über 1500 m². Das sollte locker reichen, um sich aus dem Weg zu gehen. Es gibt ein paar Beete, einen kleinen Fischteich und ein Gewächshäuschen.

Nehmen wir mal an, wir würden ein Haus suchen, das wir kaufen wollen, dann müsste es natürlich auch gut bezahlbar sein, denn wir wollen weiterhin unseren aufwändigen Lebensstil pflegen.

Man kann uns auch Träumer nennen.

Wer jetzt den Verdacht hat, dass ich damals dieses Haus beschrieben habe, liegt gar nicht so falsch. Wir mussten nur etwas Geduld haben. Auch brauchen wir noch etwas Geduld. Als Umzugstermin ist Anfang Juni anvisiert.

2008-02-15T20:06:05+00:00 15. Februar 2008|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Notar (II)