Die schlimmsten Annahmen, die Hand betreffend, sind nicht eingetreten. Unangenehm genug ist es allemal. Die Schwellung des mittleren Fingers ist zurückgegangen. Der kleine Finger ist ein wenig taub und tut weh. Immerhin ist die Schiene jetzt schon mal ab und nur noch der mittlere Finger ist dick eingewickelt.

Positiv empfand ich auch, dass die Krater gar nicht so riesig waren, wie ich das angenommen hatte. Der Arzt hatte maßvoll von meinem Fleisch geschnitten.

Es sollte die langweiligste Krankschreibungswoche sein, an die ich mich erinnern kann. Man konnte überhaupt nichts machen, lag nur rum und sah zu, dass der Unterarm samt Hand in der Horizontalen blieb, Morgens fuhr ich mit dem Bus zur Uni‐Klinik, wo die Wunde betrachtet wurde und ich immer neue Verbände bekam.

Die Hand war immer und überall im Weg. Es war schließlich die rechte Hand und damit hatte ich viel Spaß beim Essen, bei allen täglichen Verrichtungen. Selbst Lesen macht kein Spaß mit so einer Geschichte, denn was mir gar nicht so bewusst war, ich halte Bücher meist in der rechten Hand und blätter mit der linken um. Um so eine aufschlussreiche Beobachtung machen zu können, muss ich sechsunddreißig Jahre alt werden und von einem Kater gebissen werden.

»Und was ist mit der Hand?« »Bin von einer Katze gebissen worden. Der Eigenen…«

Mehr braucht es nicht, um Leute in ungläubiges Staunen zu versetzen. Denkt man an Katzen, hat man die sanften Stubentiger vor Augen, die schnurrend um einen herumturnen und höchstens die Contenance verlieren, wenn sie statt einem saftigen Stückchen Fleisch Petersilie im Futternapf finden; die gleichen Tierchen, die ruhig und ausgeglichen wirken und trotzdem durch ihre Spielfreude die Besitzer entzücken, und man macht sich um Tollwutspritzen keine Sorgen und denkt nicht einmal daran, dass es immer noch Raubtiere sind, die wir verniedlichen. (Deshalb sind wir auch jedes Mal wieder schockiert, wenn diese possierlichen Dingsda plötzlich mit (im besten Fall totem) Zeugs ankommen.

Ich habe immer noch keine Ahnung, ob dieses folgende »Ach!« eine Adelung bedeutet (im Sinne von: »Donnerwetter von einer Katze, das hört man ja auch nicht so oft…« oder: »Von einem Hund kann ja jeder gebissen werden, aber – Himmel, Sakrament – von einer Katze, hui!«) oder doch nur Mitleid (»Von einer Katze? Hmm, geht’s nicht noch kleiner?«).

Das Gefährliche an der Sache ist wohl weniger die Bissverletzung, eine Katze pflegt keine Fleischstücken rauszureißen, sondern die dadurch verursachte bakterielle Verunreinigung. Die Bakterien der Katzen‐Maulflora ähneln den unsrigen Kulturen wohl erheblich, so dass unsere Körper‐Abwehr langweilig abwinkt, nach dem Motto »Kennen wir schon.«, während die Bakterien sich auf den Weg machen und das eigene Fleisch verfaulen lassen. So hat’s der Arzt erklärt, der netterweise alle Horrorszenarien anschaulich beschrieb. (Nein, das Personal in der Unfallambulanz der Uni‐Klinik war durchweg reizend, das soll ja auch mal erwähnt werden.)

Das Putzige an der ganzen Geschichte ist George, der natürlich kein schlechtes Gewissen hat, der aber in der letzten Woche enorme Entwicklungen unternahm. Der lässt sich jetzt auch häufig anfassen, wenn man steht, was er vorher nie zugelassen hat, oder auch wenn man sitzt. Früher hieß es: Gleiche Ebene oder gar nicht.

Was auch nicht ging: Im Freien anfassen lassen. Er ist immer noch überrascht, wenn man plötzlich neben ihm steht. Aber auch hier fordert er einen oft auf, ihm nun mal endlich eine Streicheleinheit zu verpassen. Alles in allem eine sehr erfreuliche Entwicklung.

Oben ein durch und durch amateurhaftes Video von George: Etwas Unbekanntes kommt. Flucht. Neugier. Abschätziger Kommentar und er verlässt die Szenerie.

((Hier stand mal was Falsches. Na, so richtig falsch halt nicht, wenn man den Sinn betrachtet, aber halt im falschen Artikel. Hatte mich schon gewundert, warum der Text weg war…)