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Maarten ‘t Hart – »Die Sonnenuhr«

Ich kann es immer noch nicht lassen, Maarten ›t Hart hat mich immer noch gepackt. Meine Frau fragte mich, ob er denn gut schreiben würde. Ich habe ihr geantwortet: Nein, ich lese die Holländer nur aus Solidarität. Was natürlich frech gelogen ist, denn zumindest der genannten Schriftsteller sprich mich gehörig an.

Außerden sind Neuentdeckungen immer mal wieder was Schönes: Wenn man dann noch feststellt, dass der betreffende Autor (oder natürlich auch die Autorin) sich schon ordentlich produziert hat und man voller Vorfreude auf das Zulesende blicken kann, kann es einem Leser (oder natürlich auch einer Leserin) kaum besser gehen. Gut, wer jetzt anfängt Simenon zu lesen! Hat man den Autoren, der ja nun kein Holländer ist, aber Belgier tun es zur Not ja auch, für sich entdeckt, hat man auf Jahre zu tun.

Maarten ‘t Hart ist wenigstens für ein paar Monate gut, dann kehrt hier auch wieder ein wenig Ruhe ein. Lust, mal wieder nach Holland zu fahren, hat er mir aber auf alle Fälle jetzt schon gemacht. Schade, dass dieses Jahr schon so gut wie durchgebucht ist und sich wohl kein Platz mehr für eine Tour durch das beschauliche Holland finden lässt.

Nein, beschaulich ist es ja gar nicht, wenn man ‘t Hart glauben kann. Da passieren manchmal Sachen, die möchte man gar nicht glauben. Beispielsweise lässt der Autor eine junge und verdammt attraktive Frau am Strand sterben. Ihre Freunde glauben, dass Roos an einem Sonnenstich verstarb. Sie legte sich allzugern bei dem geringsten Sonnenstrahl an den Strand und ließ sich braten. Sowas passierte halt.

Dass soetwas nicht nicht passieren kann, sollte die beste Freundin von Roos, Leonie Kuyper, nicht sofort erfahren. Die war erst einmal überrascht, dass sie die Erbin des Vermögens von Roos war. Die hatte ein ziemlich eigenwilliges Testament aufgesetzt. Leonie sollte alles erben, so sie sich um die drei Katzen von Roos kümmert. Dabei war eine Bedingung, dass sich Leonie so kleidete wie Roos zu Lebzeiten und auch so verhielt. Nur so, die Erklärung, würden die Katzen fressen können. Merkwürdigerweise hatte die tote Freundin auch recht.

Recht, um bei dem Wort zu bleiben, war es aber anderen Leuten nicht. Sie beschimpften Leonie dafür, dass sich sich kleiden würde wie die Verstorbene. Es war Leonie auch gar nicht recht, sich so aufzutakeln. Es war nicht ihr Stil und sie tat es nur mit Widerwillen: Was war das für eine Entdeckung, plötzlich mit künstlichen Fingernägeln durch die Gegend zu rennen. (Die einzelnen Aspekte der künstlichen Fingernägel waren übrigens nicht nur für Leonie eine völlig neue Welt, sondern auch für mich als Leser. Mit was für alltäglichen Problemen man plötzlich zu kämpfen hat, wenn man sich dieser Dinge annimmt. Unglaublich! Ich weiß jetzt auch, dass mir meine Frau nicht alles erzählt! Aber sie hat ihre Künstliche‐Fingernägel‐Phase auch gerade hinter sich.)

Leonie, die bis zu dem Tage von Roos Tod, ihren Lebensunterhalt als Übersetzerin französischer Literatur verdiente und damit eher schlecht als recht durchkam, wird aufgeweckt von einem alten Freund von Roos: Freek. Der kann sich mit dem Gedanken, dass Roos an einem Sonnenstich gestorben ist, überhaupt nicht anfreunden. Er äußert gegenüber Leonie den Verdacht, dass Roos ermordet sein muss. Eine so junge und vitale Frau, so die Argumentation des Bauunternehmers, der sich einer recht ordinären Sprache betätigte und eine schier unglaubliche Anzahl von Flüchen beherrschte, könne nicht einfach einem Sonnenstich sterben. Er stellte die gesamte Menschheit unter Generalverdacht, wobei er einzig sich selbst ausschloss.

Gemeinsam mit Freek, häufig aber auch allein, macht sich die Erbin auf die Suche nach Indizien dafür, dass man ihre Freundin umgebracht hat. Dabei hat sie hin und wieder das Gefühl, dass sie verfolgt wird. Trotzdem verläuft lange Zeit ihre Spur im Sand.

Gerade Linien sind in diesem Roman nicht zu finden. Wie schon in anderen Romanen streut uns Maarten ‘t Hart immer wieder Sand in die Augen, und das, was eben noch glasklar erschien, wird im nächsten Moment schon wieder verschleiert. Für die lockere Stimmung sorgt nicht die dauerbesorgte Leonie, die gar nicht glaube kann, das soviel Geld geerbt hat (Geld, von dem sie sich fragt, wo es Roos den her hatte). Freek ist, der dem Roman mit seinem losen Mundwerk und seinen verborgenen Begierden ordentlich Geschwindigkeit gibt.

2007-03-21T08:45:00+00:0021. März 2007|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Maarten ‘t Hart – »Die Sonnenuhr«