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Akte 2007

Was ja nun mal völlig blöd ist, wenn einen auf einer Dienstreise plötzlich Leiden ereilen, die sich nicht mit Bordmitteln aus der Apotheke beheben lassen. Hin und wieder eine Erkältung, das ist man ja gewohnt. Da bin ich mit meinen Lieblingsarzneimitteln schnell wieder im Hotelzimmer. Letzte Woche hatte ich allerdings etwas mehr Pech.

Man kann das Ungemach noch steigern, in dem man sich das Leiden im Ausland zuzieht, vielleicht noch in einem Land, über dessen Medizin‐Organisation man sich keine großen Gedanken gemacht hat. Wie zum Beispiel Österreich. Häufig ist es aber, wie bei der letztwöchentlichen Dienstreise sowieso völlig egal, da man um acht Uhr morgens beginnt, und abends um neunzehn Uhr den Laden wieder verlässt. Für Arztbesuche ist da nur Zeit, wenn man umkippt.

Davon ist man bei einem Hautausschlag natürlich weit von entfernt. Meine Standardtherapie: Nivea‐Creme. Dieses Universalmedikament für äußerliche Probleme, sei es Rötungen bei Schnupfen, Sonnenbrand oder auch Ausschläge, die einen hin und wieder ereilen, wenn man etwas Falsches gegessen hat.

Nun bin ich am Freitag erst um halb neun Uhr abends zu Hause gewesen, eine Uhrzeit, zu der kein Hautarzt mehr praktiziert. Diese Woche, das wusste ich vorher schon, bin ich wieder in Österreich. War ich ein Notfall? Na, klar, denn wenn es juckt und brennt und zieht und dass schon über zwei Tage, schwindet die Scherz‐Schwelle und die Schmerz‐Schwelle tritt deutlich zu Tage. In Notfällen gibt es eine Bereitschaft in der Kieler Stadtklinik. Von der wusste ich, dass rechtzeitiges Erscheinen gute Plätze bescherrt. Ich war um zwanzig nach acht Uhr vor Ort und dritter. Um neun Uhr war da schon Party!

Eine Ärztin und ganz viele Patienten, da war ich ja mal heilfroh, dass ich Dritter in der Warteschlange war. Die Aussagen der Ärztin zu dem Ausschlag waren nicht wirklich beunruhigend, bis auf die Tatsache, dass sie sich nicht wirklich sicher war. Das war natürlich klar, wo sie doch Allgemeinmedizinerin war und keine Hautärztin. Sie könne mir etwas verschreiben, meinte sie, aber sie könne nicht garantieren, dass es auch wirklich hilft. Hmm. Ich könne, meinte sie, aber auch zur Hautklinik und dort um Behandlung ersuchen. Hmm.

Die Hautklinik schien mir eine gute Idee, denn wenn mein Ausschlag die nächste Woche weiterquält, weil das Medikament den Ausschlag nicht beeindruckt, wäre ich auch nicht glücklich. Also lieber ganz, ganz professionellen Rat geholt…

Sie wollte mir eine Überweisung schreiben, die ich als Privatpatient aber nicht benötigen würde. Na denn lassen Sie’s, ich könne mich auch so durchsetzen. Die Überraschung, und das hatte ich nicht mitbekommen oder die Ärztin hatte es nicht gesagt, war die, dass das Städtische überhaupt gar keine Hautklinik hat. An der Rezeption hieß es nur: »Da müssen Sie zur Uni‐Klinik.« »Und da kommt man dran?« »Tja…« Genau, aber es gibt ja Telefon und so rief die nette Dame von der Rezeption bei der Uni‐Hautklinik an. Die Schwester wollte erst nicht, fragte aber nach und … meinte dann, dass ich vorbeikommen könne. Zehn Minuten später saß ich auf dem Stuhl eines Verwaltungsangestellten und gab ihm meine Daten an. Ich sah, wie ich zu einer Akte wurde, die mit diversen Strichcodes versehen wurde. Für einen Verwaltungsvorgang wurde ich dann aber fix behandelt. Denn ich war in der Ambulanz der einzige Patient und für den Doktor, der meinen Ausschlag untersuchte, wohl mal eine nette Abwechslung zu der übrigen Pein, die er in seiner Klinik sah.

Mit zwei Salben rückte ich diese Woche in Richtung Österreich ab, heilfroh, beim Arzt gewesen zu sein. Mich fragend, warum zwei Salben zusammen um die 45 Euro kosten müssen. Und die Warnung des Arztes im Ohr, dass Nivea manchmal auch kontraproduktiv sein kann. Wie, beispielsweise, in meinem Fall.

2007-03-22T20:30:01+00:0022. März 2007|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Akte 2007