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It’s fine

Wahrscheinlich war es typisch britischer Humor, der uns da begegnete, als der Captain heute meinte, das Wetter in London wäre »fine«. Eine dichte Wolkendecke hing über London und das ist weit von dem entfernt, was ich »fine« nennen würde. Aber vielleicht ist alles schön, was nicht mit Regen verbunden ist. Die Ansprüche sind manchmal unterschiedlich.

Zu lachen gab es heute morgen schon eine Menge. Natürlich nicht in dem Augenblick, in dem der Wecker klingelte. Der war sowieso egal, ich habe auf den Augenblick gewartet. Wir waren gestern abend noch im »Mama Africa«, in dem es manche kulinarische Spezialität gab, aber ich habe mich an Chicken Cury gehalten und bin damit auch nicht schlecht gefahren. (Irgendwer sagte vorher, man könne dort Krokodil, Strauß und Springbock essen – was in Südafrika kein Einheimischer ist und nur den Touristen angeboten wird.) Allerdings ließ gegen elf Uhr die Wirkung der Nasentropfen nach, und dann ist kein Vergnügen mehr irgendwo zu sitzen. Da eine merkwürdige Müdigkeit die gesamte Truppe, immerhin zehn elf Frauen und Männer, überfiel, löste sich der Trupp auf und es wurde nach Hause gefahren. Ich war also vor zwölf im Bett und hätte vier Stunden zum Schlafen gehabt. Das wurde nichts, weil ich auf das Handy wartete und mir Gedanken darum machte, ob ich final den Koffer auch zubekommen würde.

Was war vorher noch gelaufen? Der Test, an dem ich eigentlich nicht teilnehmen wollte, weil ich mir den Stress nicht antun wollte, aber ich natürlich mit preußischer Disziplin absolviert und war mit über 80% sicher nicht ganz schlecht. Leider habe ich immer noch das Gefühl, dass mir das wenig hilft. Denn mit dem Past Perfect nicht so besonders weit kommen werde, wenn mir die normalen Present‐Formen noch nicht ganz geheuer sind. Aber ich gebe natürlich zu, dass das Testergebnis eine gewisse Befriedigung hinterlässt.

Nur eine Annahme und keine Behauptung: Auf den Zertifikaten der Sprachschule steht bei den normalen, sprich nicht zertifizierten Kursen, immer, dass man »Excellent« abgeschlossen hätte. Das ist natürlich ein riesiger Spaß!

Aaliya, die wenn sie keine Stelle als Sprachlehrerin mehr hätte, problemlos als Stadtführerin anfangen könnte, marschierte mit uns in der dritten und vierten Stunde ins Bokamp, ein Viertel von Kapstadt, welches muslimisch geprägt ist. Dort besuchten wir das Museum, was man gesehen haben kann, aber nicht unbedingt muss, und schauten uns im Anschluss das Viertel selbst an. Ein Abstecher in diese Area von Kapstadt, die sich an das City Center anschließt, wenn es nicht gar dazu gehört, kann nur empfohlen werden. Ein bunter, Lebenfreude ausdrückender Stadtteil. In diesem Viertel bekam ich auch die Gelegenheit einen muslimischen Friedhof zu besuchen und erklärt zu bekommen, was einem ja auch nicht alle Tage geboten wird. Wie heißt es immer so schön im Englischen: In Fact – Aaliya pflegt eine engagierte Art von Unterricht, der sehr sympathisch ist.

Was man denn von der BA oder dem Flughafen‐Personal, was in Cape Town für die BA arbeitet nicht unbedingt behaupten kann. Oder sie haben einen ganz speziellen, von mir nicht erfassten Humor. Ich kam super gutgelaunt am Flughafen an. Die Autobahn zum Flughafen war leer und der Fahrer hatte die Gelegenheit genutzt, bei besten Straßenverhältnissen und günstiger Verkehrsdichte das Maximale an Geschwindigkeit aus dem Transporter herauszuholen. Er fuhr auch die ganze Zeit mit Fernlicht. Da muss ich, bevor ich mir in Afrika ein Auto miete, nochmal nachfragen, ob das zu guten Ton hört. In Deutschland hätte man ihn gestoppt, aus dem Auto gezerrt, geteert, gefedert und der Polizei gemeldet. Froh, noch am Leben zu sein, hatte sich nach der Fahrt meine Laune extrem verbessert.

Trotz der frühen Stunde – es waren drei Stunden vor dem Abflug – hatte sich schon eine kleine Schlnage vor dem Counter gebildet. Von Personal war noch keine Spur zu sehen. Das kam dann, nachdem sich die Schlange verlängert hat und dann fingen sie an, alles umzuorganisieren. Die Schlange wurde organisiert, die erste von der zweiten Klasse getrennt und so weiter. Nachdem sie das gemacht hatten, verschwanden sie wieder. Und schließen uns, wohlorganisiert in Schlangen, stehen. Das löste schon die erste Heiterkeit unter den Schlangestehenden aus.

Im Duty‐Free‐Shop habe ich eine völlig überteuerte Toblerone‐Stange gekauft. Toblerone hatten wir ja unter der Woche schon gehabt. Nina hatte sie mitgebracht. Eine Firma hatte sie bei ihr auf der Arbeit kostenlos verteilt. Halbbitter ging und ließ sich gut essen, aber die Vollmilch‐Variante schmeckte ein wenig komisch: Sie war schon seit letztem November abgelaufen. Ich ließ dann die Finger davon, konnte aber bei der 750‐Gramm‐Packung nicht wiederstehen. Der Whisky war günstiger, aber konnte nicht mitgenommen werden, weil sie alle in Liter‐Flaschen daherkamen, die sich in London schwer in den nächsten Connection Flight bekommen lassen.

Dann ging es zum Gate, bei dem angezeigt wurde, dass der Flug in Richtung Windhoek gehen würde. Auch ein schönes Ziel, aber nicht in meiner Planung. Irgendwann änderte sich alles und vor dem Gate Richtung London bildete sich eine lange Schlange. Angesagt war: Warten, warten, warten. Irgendwann wurde das Personal wieder aktiv und fing an Tische zu verschieben und diese Schlangenbildenden‐Dinger aufzuziehen. Dann wurde die Masse aus dem Eingangsbereich verdrängt, was die schöne irgendwie nach Ankunft entstandene Schlange, in Wohlgefallen auflösen ließ. Ich glaubte, ein Murren gehört zu haben. Mich störte das nicht, da ich ja recht spät vom Windhoek‐Schalter gekommen war.

Der Flug war o.k. – ich hatte ein Fensterplatz (ja, man kann 24 Stunden vor Abflug online seinen Sitzplatz bei BA aussuchen. Das hat leidlich geklappt, was aber nicht an der BA lag, sondern mehr an den nicht immer stabilen Internetverbindungen aus Südafrika. Aber irgendwie hatte ich dann einen schönen Fensterplatz. Warum ich allerdings immer[!] an den Tragflügeln sitze, hat sich mir noch nicht erschlossen. Das muss ein höhrer Plan des Herren sein. Eines Tages wird es die Auflösung geben. Da glaub ich dran.) So kam ich in den Genuss heute morgen noch einmal das Kap der guten Hoffnung zu sehen und ausgiebig die Sahara begutachten zu dürfen. Ein touristisch sehr unerschlossenes Gebiet, was mich beim Überflug faszinierte – weitere Exkursionen aber erübrigt. Ach und ja, den Niger habe ich von oben auch gesehen. Da muss ich also auch nicht mehr zwingend hin. Sah auch sehr, sehr dürftig aus.

Das Essen war … lassen wir das. Wenn man einen Fensterplatz hat, kann man auch nicht dauernd aufstehen und sich was zu trinken holen und da kommen die Stewarts nicht so besonders häufig. Ist wahrscheinlich auch gut so, weil sonst hätte ich meine Nachbarn auch häufiger stören müssen, um das Wetter wieder wegzubringen.

Hier in London hat alles gut geklappt. Mein Gate steht noch nicht fest, da scheinen sie hier in London immer eine Überraschung draus zu machen. 30 bis 40 Minuten vorher wird es gesagt. Jetzt sind es noch 29 Minuten bis zum Abflug, so genau muss man es ja auch nicht nehmen.

So kann ich als Letztes noch anmerken, dass das Thema Freiheit von Aaliya und ihren Kollegen immer sehr betont wurde und wie sehr sie es schätzen. Klar, wenn man früher eingeschränkt war und für Weiße die Straßenseite wechseln musste oder sich an den Rand zu drücken hatten. Wenn man sich die eigene Situation derart verbessert, sinnt man auch nicht unbedingt auf Rache – das hat Südafrika gut hinbekommen. Die Apartheit ist als System in Südafrika abgeschafft worden. In den Köpfen muss ich aber noch einiges tun: Der Eindruck, den ich einmal bekommen hatte, wurde mir gestern im Gespräch mit anderen Studenten bestätigt. Der Rassismus ist aus den Kopfen mancher weißer Südafrikaner noch nicht verschwunden.

Wer sagte denn, dass dies hier mit einem Happy‐End enden würde.

2007-02-17T19:00:00+00:0017. Februar 2007|Categories: Südafrika 2007, Unterwegs|Kommentare deaktiviert für It’s fine