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Rolf Dobelli – »Himmelreich«

Philipp Himmelreich ist ein stinklangweiliger Typ, erfolgreich wohl, aber langweilig. Seine Ehe dümpelte so vor sich. Er war Banker, seine Frau Rechtsanwältin. Gemeinsame Interessen waren nicht zu finden. Da läuft ihn bei einer Lesung die Buchhändlerin Josephine vor die Füße und er ist, ungewollt, von der ersten Stunde an von ihr fasziniert.

Das erste Buch von Rolf Dobelli mochte ich überhaupt nicht. Das Thema, ein erfolgreicher Mann wird entlassen und gräbt sich zu Hause ein, widerstrebte meinem lebensbejahendem Wesen. Ich konnte mir nicht vorstellen, mich einzugraben. Keine Arbeit? Manchmal wünscht man es sich, man hätte ja so viel zu tun. Vielleicht mal ein Buch zu schreiben? Mit seinem zweiten Roman entfernt sich Dobelli gar nicht allzuweit von seinem Erstlingsthema, aber trotzdem ist es ganz anders aufgemacht.

Himmelreich sitzt im Flugzeug nach New York, die Stunden werden heruntergezählt und er entsinnt sich, wie die Beziehung zu Josephine begann, wie sie ihn mehr eroberte, als es es tat. Sie, die in Bücher lebte (sehr sympathisch!) und ein Faible für Schuhe hatte (eine problematische Angewohnheit!), so dass sie von sich sagen konnte, dass sie mehr Geld für Schuhe im Monat ausgab als für die Miete ihrer Wohnung.

Sie wohnte in einer Arbeitersiedlung, Himmelreich kam sie sogar etwas schäbig vor und ihre Wohnung war ganz anders eingerichtet, als sein. Ich kann mir sowohl seine wie auch ihre Wohnung vorstellen. Er hatte eine nüchterne Wohnung mit edlen Möbeln ausgestattet und viel Freiraum. Bei ihr standen die Bücherregale im Vordergrund, irgendwo eine große und plüschige Couch, auf der sie mit ihren Bücher zu lümmeln pflegte. Sie las ihm vor, obwohl er aus Literatur überhaupt gar nichts machte. Schon gar nicht aus der von Josephine verehrten »Ulysses«.

Man kann nicht nebenbei betrügen. Es gibt immer irgendwelche Komplikationen und selbst, wenn es anfangs keine gibt, mit der Zeit steigt die Gefahr, dass es zu Konflikten kommt. Es müssen noch nicht einmal Konflikte mit dem Ehepartner sein, sehr wahrscheinlicher scheinen mir Konflikte mit sich selbst. Himmelreich kann diesen entgehen, denn er wird von seinen Vorgesetzten befördert und als Chef einer Bank in Manhattan abgeordnet. Deshalb saß er in dem Flugzeug nach New York und ließ seine Gedanken über seine Zweit-Beziehung schweifen.

Zum Abschied hatte ihm Josephine gesagt, sie könne sich gut vorstellen, dass sie ihn vom Flughafen weg entführen könne. Während er nun über den Atlantik düst, stellt er sich vor, wie so eine Flucht mit Josephine aussehen könnte. Quer durch Europa mit einem Wagen voller nicht verkaufter James Joyce-Bücher, ihren Verfolgern immer wieder ein Schnippchen schlagend.

In New York angekommen ist davon nicht mehr viel über, das nüchterne Tagwerk beginnt. Bis er zum FBI einbestellt wird: Josephine wäre verschwunden, vermutlich entführt.

2007-01-19T09:00:00+00:0019. Januar 2007|Categories: Dies und Das|Kommentare deaktiviert für Rolf Dobelli – »Himmelreich«